exakt | 18.04.2018 Homöopathie gegen Krebs? – Fragwürdige Behandlungsmethoden in Greizer Klinik

Greiz. Hier, in der Vogtlandhalle, findet bereits zum 4. Mal der „Kongress für Naturgemäße Biologische Medizin“ statt. Ein Kongress, der insbesondere Krebspatienten alternative Therapien schmackhaft machen soll. Veranstaltet wird der Kongress von der „Klinik im Leben“, einer Privatklinik in Greiz, die mit sanfter und natürlicher Heilung bei chronischen Krankheiten und Krebs wirbt. Eine schöne Fassade. Chefarzt ist der Orthopäde Uwe Reuter, der seine Klinik in druidischer Tradition sieht. Auch Schamanismus ist hier Teil der Biologischen Krebstherapie, ebenso wie Homöopathie. So heißt es dann auch in einem Werbevideo „Klinik im Leben“: „Die homöopathische Heilkunst stellt einen wesentlichen Bestandteil unseres Konzeptes dar“

Homöopathie gegen Krebs unwirksam

Homöopathie bei Krebs - kann das wirken? Bei Prof. Gerd Antes von Cochrane in Freiburg, einem internationalen Netzwerk von Ärzten und Wissenschaftlern, die systematisch den medizinischen Forschungsstand auswerten, ist das Urteil zur Homöopathie eindeutig:

„Also die Behauptung, dass zum Beispiel Krebsheilung möglich ist, und zwar nur homöopathisch, die finde ich ist so potentiell schädlich für Patienten, dass an der Stelle auch aus meiner Sicht der Staat eingreifen sollte.“

Prof. Gerd Antes, Co-Direktor Cochrane Deutschland

Eine Klinik, die Krebspatienten mit unwirksamen Methoden wie Homöopathie behandelt? - Wir treffen einen Informanten, der uns mehr über die Klinik berichtet. Der Informant hat die „Klinik im Leben“ besucht. Er gab an, sich als Kollege für die dortigen Therapiemethoden vor allem bei Krebs zu interessieren. Eine Mitarbeiterin überreichte ihm ein Buch von Chefarzt Reuter. Es wird Patienten zu Beginn der Behandlung geschenkt, um sie über Biologische Krebstherapie zu informieren, so die Mitarbeiterin. Im Buch heißt es, die homöopathische Behandlung bei Krebs „kann ergänzend und begleitend zur Schulmedizin, bei ausreichender Überzeugung des Patienten auch alternativ eingesetzt werden.“

Das heißt: eine rein homöopathische Krebsbehandlung sei möglich, wenn der Patient daran glaubt. Tausende Krebspatienten seien bereits nachweislich homöopathisch geheilt worden, wird im Buch behauptet. Die „Klinik im Leben“ teilt uns dazu mit: „Wir bevorzugen hierbei den Weg einer integrativen Medizin, also einer Symbiose aus Schul- und Biologischer Medizin.“

Electro Cancer Therapie mit Folgeschäden

Wir stoßen auf eine weitere fragwürdige Behandlungsmethode der Klinik im Leben. In einem Werbevideo preisen die Alternativmediziner aus Greiz die so genannte Electro Cancer Therapie an: „Die Electro Cancer Therapie ist ein Verfahren der elektrochemischen Tumortherapie, wo mittels Gleichstrom Elektroden um den Tumor herum angelegt werden.“ Durch den Strom sollen die Tumorzellen zerstört werden, behauptet die Klinik. Unser Informant ließ sich diese Therapie vor Ort erklären. Auf die Frage nach den Nebenwirkungen habe eine der Therapeutinnen geantwortet, dass es bei den Patienten zu kleineren Verbrennungen und Lymphaustritten kommen könne.

Die Onkologin Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena ist entsetzt. Das klinge nach einem maximalen Gewebeschaden, der Folgebehandlungen nach sich ziehe, außerdem sei der Nutzen der Therapie nicht nachgewiesen, erklärt die Onkologin. Die Klinik in Greiz erklärt dazu, dass stärkere Reizungen bei der ECT eher selten seien, es könne jedoch zu Hautreizungen, ähnlich einem Sonnenbrand kommen.

Weiterbildungspunkte für „homöopathische Krebsbehandlung“

Auf den Internetseiten der Landesärztekammer Thüringen, werden auch monatliche Fortbildungsveranstaltungen der „Klinik im Leben“ angeboten. Wiederkehrendes Thema: homöopathische Krebsbehandlung. Für jedes dieser Seminare vergibt die Ärztekammer drei Fortbildungspunkte. Die Onkologin Jutta Hübner schaut sich die angebotenen Veranstaltungen genauer an. Sie findet es äußerst fragwürdig, mit diesen Seminaren Weiterbildungspunkte für Ärzte erwerben zu können: „Wenn man diesen Nachweis „ich bin up to date“ mit solchen Themen erreichen kann, dann ist das fast ja schon nahe am Betrug.“

Ein harter Vorwurf. Die Fortbildungsveranstaltungen finden als Fallseminare statt. Angekündigt mit Supervision. Sie sind also wie eine Sprechstunde, bei der Patienten ihre Beschwerden vor einer Art Ärzte-Konsil schildern und denen dann auch Therapien der Klinik im Leben empfohlen werden. Unter anderem auch Homöopathie. - Warum vergibt die Landesärztekammer Thüringen dafür Fortbildungspunkte? Schriftlich teilt man uns mit: „Die Zusatzbezeichnung Homöopathie ist bundesweit Bestandteil der ärztlichen Weiterbildungsordnung und folglich auch Gegenstand von Fortbildungsveranstaltungen, die entsprechend von den Fortbildungsakademien der Landesärztekammer zertifiziert werden. “

Fortbildungsveranstaltungen, in denen gelehrt wird, Krebspatienten mit Homöopathie zu behandeln, einer Therapie, die die Wissenschaft eindeutig als unwirksam einschätzt. Das muss aufhören, findet Gerd Antes von Cochrane Deutschland.

„Also was ich da an Beispielen gesehen habe, was dort mit Fortbildungspunkten belohnt wird, ist das… da kann man eigentlich nur das eine Wort dafür verwenden: absurd. Also da versagen glaube ich die Landesärztekammern in der Prüfung dessen, was sie dort zulassen und auch mit Fortbildungspunkten belohnen.“

Prof. Gerd Antes, Co-Direktor Cochrane Deutschland

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 17. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 22:03 Uhr

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