Illegales Ferkeltöten
Die Bilder zeigen: Ein Mitarbeiter greift sich die Ferkel und schlägt sie auf den Boden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 02.08.2017 Skandal um das Ferkeltöten

Es sind verstörende Bilder: Ferkel werden auf den Boden geschlagen und in den Eimer geworfen. Diese Art des Schweinetötens ist illegal. Doch es ist offenbar kein Einzelfall, wie eine Insiderin berichtet.

Illegales Ferkeltöten
Die Bilder zeigen: Ein Mitarbeiter greift sich die Ferkel und schlägt sie auf den Boden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Mitarbeiter greift sich zwei Ferkel und schlägt sie nacheinander auf den Betonboden. Ein Tier zuckt danach noch minutenlang. Normalerweise müssten die Ferkel betäubt und dann mit einem Kehlschnitt ausgeblutet werden. Doch das kostet Zeit. Zeit, die die Mitarbeiter in der Schweinezuchtanlage im sachsen-anhaltischen Wasserleben offenbar nicht haben.

Es sind verstörende Aufnahmen, die die Tierrechtsaktivisten vor wenigen Wochen gemacht haben. Sie sind illegal in den Betrieb eingedrungen, um die illegalen Vorgänge mit versteckten Kameras zu dokumentieren. Das Bildmaterial haben sie auch an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Diese Ferkeltötungen sind offenbar keine Einzelfälle.

Eine Insiderin berichtet

Eine Insiderin hat sich beim exakt-Team gemeldet, nachdem der jüngste Beitrag dazu ausgestrahlt worden war. Die Frau hat jahrelang in der Anlage gearbeitet. Die Aufnahmen haben bei ihr bedrückende Erinnerungen wach gerufen.

Wenn man morgens hingekommen ist, und hat halt gesehen, dass da ein schwaches Ferkel war, dann wurde es halt auf den Boden geschlagen und dann in den Eimer. Das war halt Alltag.

Insiderin

Das hätten alle Mitarbeiter getan, berichtet sie. Auch sie selbst. Die aktuellen Bilder belegen, dass es noch genau so sei, wie damals. "Furchtbar, ekelhaft. Ich bin froh nicht mehr da zu sein", sagt sie.

Illegales Ferkeltöten
Aufgrund der Aufnahmen hat der zuständige Amtstierarzt Anzeige erstattet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das belegen zahlreiche Fälle, die durch Tierrechtsaktivisten aufgedeckt wurden. Der Redaktion liegt umfangreiches Bildmaterial aus Ställen im gesamten Bundesgebiet vor. Den aktuellen Fall hat die Redaktion dem Amtstierarzt Rainer Miethig gezeigt. Der ist zuständig für die Anlage in Wasserleben. Einmal im Jahr inspiziert er dort die Ställe - bislang ohne Beanstandungen. Der Skandal um das Ferkeltöten hat ihn entsetzt.

"Ich habe mit dem Personal diesbezüglich gesprochen, dass jede Kreatur einen vernünftigen Umgang verdient, auch wenn es aus dem Leben scheidet, im Sinne des Tierschutzrechtes", sagt Miethig. Er hat von Amts wegen bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet.

Der Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Um solche Bilder zukünftig zu verhindern, appelliert er an die Vernunft der Mitarbeiter. Mehr geht nicht. Denn eine totale Kontrolle würde bedeuten, dass eine Kameraüberwachung stattfinden müsste. Doch das sei rechtlich nicht möglich.

Theoretisch drohen Haftstrafen – praktisch passiert nichts

Theoretisch drohen dem gefilmten Mitarbeiter bis zu drei Jahre Gefängnis wegen Tierquälerei. Doch die Realität sieht anders aus. Ein Beispiel: Im niedersächsischen Lutten schlagen 2013 mehrere Mitarbeiter Fekel auf den Betonboden. Doch die Staatsanwaltschaft Oldenburg stellt das Verfahren 2016 ein. Die Begründung:

Die bloße Wahrscheinlichkeit, dass den abgebildeten Tieren länger anhaltende, erhebliche Schmerzen zugefügt wurden, genügt […] für eine Anklageerhebung […]  nicht.

Staatsanwaltschaft Oldenburg

Dieses behördliche Wegschauen sei typisch, sagt Tierrechtsaktivist Christian Adam. Er hat mehrere Fälle dokumentiert - alle Strafverfahren wurden bislang eingestellt. "Wenn konsequente Urteile in Tierschutzbelangen gefällt werden, würde das Auswirkungen auf die gesamte Nutztierhaltung haben", sagt er. Die könnten so aber gar nicht umgesetzt werden, weil dies so viele Betriebe betreffen würde, dass es das ganze System zum Wanken bringen würde.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 02.08.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 13:37 Uhr

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2 Kommentare

03.08.2017 11:39 Robinius 2

@Antonietta - könnte von mir sein.
Aber mir würde es ja auch schon reichen, wenn die Verbraucher in der Form protestieren würden, wie das mal bei Brent Spa und Shell der Fall war - einfach mal eine Woche kein Fleisch mehr essen und kaufen. Das tut weh!
Und vor allem unserem Wurstminister Schmidt Protestbriefe schreiben.

03.08.2017 09:15 Antonietta 1

Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.