exakt | 28.03.2018 Illegale Migranten: Dealen um zu überleben

Sie besitzen keine Aufenthaltsgenehmigung und halten sich als illegale Migranten in Deutschland auf. Viele von ihnen schlagen sich auf der Straße mit Drogenhandel und Diebstählen durch. MDR-exakt hat einige von ihnen getroffen.

Sie leben in einer Parallelwelt, nur wenigen Meter neben einem der teuersten Wohnviertel in Leipzig. Sie besitzen keine Aufenthaltsgenehmigung, halten sich illegal in Deutschland auf. Khaled ist einer von ihnen. Der junge Mann haust in einer Gartenlaube: "Ich habe diese Hütte leer vorgefunden, deshalb schlafe ich hier. Aber es ist sehr schlecht, ich fühle mich krank." Der 23-Jährige lebte auch in seiner Heimat auf der Straße, besuchte nie eine Schule, lernte nie ein geregeltes Leben zu führen. In Deutschland wollte Khaled arbeiten, Geld verdienen.

Er ist einer von vielen Nordafrikanern, die illegal in Leipzig leben. Etliche schlagen sich mit Diebstählen und Drogenhandel durch. Ein Brennpunkt des Drogenhandels ist die Gegend vor dem Leipziger Hauptbahnhof und in einer Grünanlage direkt hinter der Oper.  Die Dealer sind stets auf der Hut vor der Polizei.

Verhaftung: Die Polizei kann wenig tun

Hundert Euro Scheine werden gegen eine Tütchen getauscht.
Legal finden die Illegalen keine Arbeit. Deshalb müssten sie dealen, um zu überleben. Bildrechte: dpa

Mit zwei von ihnen kann MDR-exakt sprechen. Sie stammen aus Algerien und Tunesien. "Wenn die Polizei die Drogen findet und mich fragt, ob sie mir gehören, dann sage ich: ´Nein, das gehört mir nicht´. Die Polizei in Deutschland kann nichts gegen jemanden unternehmen, wenn sie keinen Beweis haben." Sie erzählen uns, dass sie legal keine Arbeit finden und dealen müssten, um zu überleben.

Sie haben ihre Papiere verbrannt. Wenn sie verhaftet werden, geben sie jedes Mal einen anderen Namen und ein falsches Herkunftsland an. Der Polizei ist das längst bekannt. Mit Fingerabdrücken und anderen biometrischen Daten wird versucht, die wahre Identität der Aufgegriffenen zu klären.

Die Bundespolizei versucht die Daten dann mit den entsprechenden Herkunftsländern abzugleichen. Die Möglichkeit zu Informationsaustausch bestehe, sagt Markus Pfau, Leiter Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle. Doch "die schiere Anzahl der Personen ist zu groß, um da in jedem Einzelfall in Interaktion mit diesen nordafrikanischen Staaten zu treten".

Abschiebung: Schwierigkeiten bei der Passbeschaffung

Selbst wenn eine Person, dann identifiziert ist, kann sie nicht so ohne weiteres abgeschoben werden. "Abschieben in das Heimatland kann ich nur, wenn das Land denjenigen auch zurücknimmt", erklärt Pfau. Dahinter stecke ein langwieriges Verfahren – eine sogenannte Passbeschaffung - und das Herkunftsland müsse anerkennen, dass es sich auch um "seinen" Staatsbürger handelt.

Das Bundesinnenministerium spricht von deutschlandweit knapp 65.000 geduldeten Personen ohne Pass-Ersatzpapiere, ohne die nicht abgeschoben werden kann. Wie viele Menschen illegal in Leipzig leben, kann die Stadt nicht sagen. Laut Polizeidirektion Leipzig haben Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht aber massiv zugenommen.

Entwicklung der Zahlen von Nichtdeutschen mit einem unerlaubten Aufenthaltsstatus
Jahr     Erfasste mit unerlaubten Aufenthaltsstatus
2014  217
2015 820
2016 5.633 

Illegale aus verschiedenen Ländern hausen illegal in einem Haus im Leipziger Osten. Dazu gehören Georgier, Albaner und Afghanen – sie alle handeln mit Drogen, begehen Diebstähle. Um legal in Deutschland leben zu können, sehen sie nur eine Möglichkeit:. "Die einzige Lösung ist, eine Frau kennenzulernen, zu heiraten."

Einige von ihnen waren bereits in ihren Heimatländern kriminell. Ahmad beispielsweise saß in Tunesien fünf Jahre im Gefängnis. Für junge Männer wie ihn gibt es nur zwei Optionen: Illegalität oder Abschiebung. "Das kann man so bitter formulieren. Es wird wenige Auswege für die Personengruppe geben", sagt ein Mitarbeiter von Pro Asyl. Es handele sich bei diesen Menschen um Straftäter, bei denen der Staat viel unternehmen werde, um sie los zu werden.

Auch Khaled saß schon mehrfach in deutschen Gefängnissen. Er möchte das eigentlich alles hinter sich lassen, eine Chance bekommen, eine Ausbildung beginnen, erzählt er. Doch nur wenige Tage nach dem Treffen mit MDR-exakt wird Khaled erneut verhaftet. Er soll in eine Wohnung eingebrochen sein. Den Beamten hat er erzählt, er stamme aus Libyen. Dorthin kann er nicht abgeschoben werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 28. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 18:50 Uhr

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