exakt | 10.10.2018 Schafft es ein junger Straftäter zurück ins Leben?

Vor drei Jahren zog Jens B. mit einer Bande monatelang durch Markkleeberg, nahe Leipzig. Die Jugendlichen begingen Einbrüche und Diebstähle, versuchten Taxifahrer auszurauben. Bei einem Discounter zertrümmerten sie die Eingangstür mit einem Gullydeckel, klauten Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten.

Straftäter in Gefängniszelle
Jens B. saß über zwei Jahre im Gefängnis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Bande wurde gefasst, Jens B. landete im Gefängnis. Doch bis heute zeigt er keine Reue für seine Straftaten. Er sagt selbst, dass ihm nichts leid tut. Seine Mutter hatte gehofft, dass der Knast ihren Sohn endlich zur Einsicht bringt, er in der JVA vielleicht sogar eine Ausbildung beginnt. Doch dazu kommt es nicht.

Rückkehr in ein geregeltes Leben?

Inzwischen hat Jens B. seine Strafe abgesessen. Unmittelbar nach der Entlassung stehen viele Termine an: Meldebehörde, Krankenkasse, Jobcenter. Eine eigene Wohnung hat Jens B. schon gefunden – dank der intensiven Nach-Haft-Betreuung durch Sozialarbeiter Nico Richter. Er arbeitet für die TÜV-Rheinland-Akademie und unterstützt junge Haftentlassene beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Nico Richter weiß, „je intensiver sie unterstützt werden und begleitet werden, umso geringer ist die Rückfallquote. Wenn sie dann an eine sinnvolle Tätigkeit haben und wenn sie dann ein vernünftiges Einkommen haben, dann kommen sie damit auch klar.“

Die Rückfall-Quote ist hoch

Doch diese Betreuung endet in der Regel nach acht Wochen. Einen Job hat Jens B. in dieser Zeit nicht gefunden. Die Statistik spricht nicht für eine Rückkehr in ein bürgerliches Leben. Denn 60 bis 70 Prozent der jungen Inhaftierten werden früher oder später wieder straffällig. Besonders betroffen sind diejenigen, die Raub- und Diebstahlsdelikte begangen haben. Zu dieser Gruppe gehört auch er.

Ein junger Mann sitzt auf einem Sofa
Inzwischen hat Jens B. eine eigene Wohnung und einen Plan für seine Zukunft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Inzwischen ist Jens B. wieder seit vier Monaten in Freiheit. Einen Job hat er immer noch nicht. Ende Dezember droht die Kürzung des Arbeitslosengeldes, wenn er sich nicht bemüht. Er wohnt inzwischen in der eigenen Wohnung – und hat eine Freundin. Die wünscht sich ein stabiles Leben. Eines, das nicht von Diebstählen finanziert wird.

Und plötzlich entwickelt Jens B. Ziele. Er will sich bei der Deutschen Bahn bewerben. Zum ersten Mal nach seiner Entlassung plant er, eine Bewerbung zu schreiben, den schlechten Prognosen zu trotzen und nicht wieder im Knast zu landen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 10. Oktober 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 15:57 Uhr

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1 Kommentar

10.10.2018 19:41 Borrmann jens 1

Ja das ist war Mann muss es auch mal schaffen manche müssen erst in Knast um zu lernen
Mfg
Borrmann Jens