exakt | 07.03.2018 Kaum Hilfe für Mann ohne Beine

Uwe Koch sind die Beine amputiert worden. Seitdem ist er auf Hilfe angewiesen. Die bekam er mit der Pflegestufe 2 zuerst auch. Doch bei einer Nachuntersuchung wurde er zurückgestuft und ist nun auf sich allein gestellt.

Uwe Koch leidet an Arterienverkalkung, deswegen mussten vor einigen Jahren beide Beine amputiert werden. Laut Krankenkasse steht ihm nur Pflegegrad 1 zu. Hilfe beim Einkauf ist alles, was er von einem Pflegedienst bekommt.

Ein Mann bewegt sich von einer Toilette in einen Rollstuhl
Uwe Koch hat Angst, dass er von der Toilette abrutscht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Leben ohne Beine ist extrem beschwerlich und ohne Hilfe kaum zu bewältigen, klagt der 53-Jährige. "Das wäre mir sicherer, wenn mir da morgens jemand helfen könnte bei der Morgentoilette, weil ich habe Angst, dass ich rausfalle aus dem Stuhl. Was auch schon mal passiert ist, dass ich von der Toilette abgerutscht bin."

Duschen könne er nur alle paar Wochen. Einige Stellen am Körper könne er mit Waschen einfach nicht erreichen. Das Leben ohne Beine geht in die Arme – und auch dort hat Koch Schmerzen, auch dort sind die Arterien verkalkt. "Schwierigkeiten habe ich auch mit dem Essen machen mit dem Brot schmieren. Und jetzt fängt dieser Arm auch noch an", sagt er und zeigt auf seinen Arm. "Es wird immer schlimmer."

Das Leben ohne Beine geht in die Arme

Ein Mann im Rollstuhl
Auch beim Brote schmieren hat Uwe Koch Probleme. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Kuriose: Koch hatte bereits Pflegestufe zwei. Damals kam dreimal täglich der Pflegedienst, erzählt Koch. "Da wurde alles gemacht, da wurde die Wohnung sauber gemacht, da wurde meine Wäsche gemacht. Da wurde mir beim Waschen geholfen, bei der Pflegestufe 2 hatte ich alles. Alles was es gibt."

Damals war der ehemalige Wachschutzmitarbeiter allerdings noch schwerer Alkoholiker. Er schafft den Entzug. Im April 2016 wird er neu vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begutachtet. Der befand, seit Koch trocken ist, sei er selbstständiger – und vergab: gar keine Pflegestufe.

Auch in den Armen hat er Arterienverkalkung

Mit der Pflegereform wurde daraus immerhin Pflegegrad 1 – doch auch das ist absolut unzureichend, sagt Carina Hofmann-Kunz, Fachanwältin für Sozialrecht. "Pflegegrad eins ist viel zu wenig. Insbesondere in dem Zusammenhang, dass nun deutlich wird, dass der rechte Arm mit Arterienverkalkung, die er hat, zu der auch die Amputation geführt hat, dass die nun weiter voran schreitet. Der Mann ist absolut unterversorgt momentan."

Koch stünden auf jeden Fall Leistungen nach Pflegegrad 2 zu, so die Anwältin weiter. Mitte Februar wurde der Rollstuhlfahrer Koch erneut vom MDK begutachtet. Resultat: Es bleibt bei dieser Entscheidung.  Uwe Koch, einem Mann, der ohne Beine im Rollstuhl sitzt, stehe nur Pflegegrad 1 zu. Für ihn heißt das weiterhin, allein klar kommen zu müssen.

MDK erklärt: Therapien waren erfolgreich

Der MDK begründet die Entscheidung so: "Das lässt sich daher erklären, dass eben wir damals empfohlen haben, die Pflege aktivierender zu gestalten und eben auch geeignete Therapiemaßnahmen einzuleiten", sagt Sina Dickner vom MDK-Sachsen-Anhalt. So wie eine Krankengymnastik. "Die Therapien waren erfolgreich, zeigten ihren Erfolg und genauso eben auch durch seine Mitarbeit, durch die gesündere Lebensweise, konnte sich der Hilfebedarf so stark reduzieren."

Doch Koch kann seine 26-Quadratmeter-Wohnung ohne fremde Hilfe kaum verlassen. "Ich habe das Empfinden, dass ich gar nicht beachtet werde, dass es keinen interessiert, was mit mir gemacht wird. Es kümmert sich keiner um mich. Sie lassen mich sitzen wie im Dreck." Koch will auch gegen das neue Gutachten in Widerspruch gehen, in der Hoffnung endlich die Unterstützung zu bekommen, die er braucht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 07. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 22:03 Uhr

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2 Kommentare

09.03.2018 22:30 roland 2

Ich bin ebenfalls, seit 43 Jahren beidseits Beinamputiert. Ein Pfleger im Krankenhaus machte mir mal unsere Situation sehr deutlich. "Ich nehm dich jetzt und setze dich auf die Straße und wünsche dir einen schönen Tag". Das ist das was die Krankenkassen mit uns machen. Einen schönen Tag noch.

08.03.2018 13:54 ilona jakobi 1

Ist das 'ne Ente?
Ich kann es nicht fassen!!
Wo leben wir denn?