Ein Junge mit einem Spielzeug. Im Hintergrund ein Mädchen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 04.04.2018 Schwierige Integration in der Kita?

In einer Dresdner Kindertagesstätte ist Deutsch für mehr als die Hälfte der Kinder eine Fremdsprache. Das ist für die Erzieher eine große Herausforderung – auch, weil die Kita mit dem in Sachsen geltenden Betreuungsschlüssel auskommen muss.

Ein Junge mit einem Spielzeug. Im Hintergrund ein Mädchen.
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In der Dresdner Kindertagesstätte "Tabaluga" sind Verständigungsprobleme an der Tagesordnung. Für mehr als die Hälfte der 130 Krippen- und Kindergartenkinder ist Deutsch hier Fremdsprache. Sie stammen aus Vietnam, Nepal, der Türkei - aber die meisten von ihnen kommen aus dem arabischen Sprachraum. Für die Erzieherinnen ist das eine besonders große Herausforderung.

Eine Frau und zwei Kinder sitzen auf dem Boden. Um Sie herum Spielzeug.
Manchmal müssen die Kinder auch für die Erzieherin dolmetschen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Viele der Kinder unterhalten sich untereinander in ihrer Muttersprache. Einige sind erst seit kurzem in Deutschland. So müssen einige Kinder auch für die Erzieher dolmetschen. "Miriam, kannst du die Rahab mal fragen, warum es ihr heute so gut geht", sagt Erzieherin Maren Räppold. "Sie hat gesagt, weil sie hat gegessen zu Hause ein Eis", lautet die Antwort.

Nicht nur die Sprachbarriere fordert das Personal. Auch beim Essen gibt es einige Hürden, weil unterschiedlichste Kulturen aufeinandertreffen. "Ob die Kinder vegetarisch sind, ob sie kein Schweinefleisch essen dürfen", sagt Erzieher Paul Adler. Mit den Eltern sei genau abgeklärt, was die Kinder essen dürfen. Da es so viele Kinder sind und die Mitarbeiter nicht jedes Detail im Kopf behalten könnten, gebe es eine Liste, auf der alles eingetragen ist.

Seit den Neunzigerjahren kommen Migrantenkinder in die Kita "Tabaluga". Damals stammten sie vor allem aus Russland. Inzwischen sind es in der Mehrzahl Syrer. Leiterin Claudia Voigt-Baranyai sieht es kritisch, dass jetzt so viele Kinder mit ein und derselben Muttersprache in der Kita sind. Sie sprechen oft arabisch miteinander, was nach Ansicht der Leiterin dem Erlernen der deutschen Sprache und der Verständigung mit den Erziehern im Weg steht.

Zusätzliches Personal wird dringend benötigt

Nur weil die Einrichtung aus verschiedenen Förderprogrammen vom Bund und der Kommune Geld bekommt, kann sie zusätzliches Personal bezahlen - das dringend benötigt wird. "Dadurch haben wir eine Sprachfachkraft im Haus", sagt Leiterin Voigt-Baranyai. "Ohne die Zusatzfinanzierung wäre die Lage desaströs."

Denn trotz des hohen Migrantenanteils hat die Kita denselben Betreuungsschlüssel wie alle anderen sächsischen Kitas. Das bedeutet: Ein Erzieher auf 5,5 Krippenkinder. Im Kindergarten liegt der Schlüssel bei 12,5 Kindern pro Erzieher. In Kitas wie der Dresdner "Tabulaga" gebe es einen ganz anderen Bedarf, es bedürfe "auch personell eines anderen Schlüssels", sagt die Sprecherin der SPD-Fraktion in Sachsen für Familien und Integrationspolitik, Juliane Pfeil-Zabel.

Zudem ballten sich die Kitas mit hohem Migrantenanteil meist in Vierteln, in denen die soziale Lage ohnehin angespannt ist. Pfeil-Zabel plädiert daher für eine andere Verteilung der Kinder mit Migrationshintergrund. "Ich glaube schon, dass man auch kommunal einfach schauen kann, habe ich im Stadtgebiet vielleicht auch eine andere Einrichtung, wo der Anteil gerade noch nicht so groß ist, um da vielleicht auch Kinder eine andere Einrichtung gezielt zu leiten, um die Verteilung ein Stück weit gleichmäßiger zu machen und nicht geballt auf eine Einrichtung. Aber das muss wenn, dann kommunal passieren, das können wir schwerlich auf Landesebene klären."

Einige Eltern haben ihre Kinder abgemeldet

Eine Frau schaut in die Ferne. Sie sitzt in der Kita Tabaluga. Im Hintergrund sind Kinder zu sehen.
Die Leiterin der Kita "Tabaluga", Claudia Voigt-Baranyai sagt, dass in Kitas nicht mehr als 50 Prozent ausländischer Kinder sein sollten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Eltern waren zeitweise verunsichert.  Einige meldeten ihre Kinder ab, weil ihnen der Anteil an Migranten vor allem aus dem arabischen Raum zu hoch wurde. "Wir haben uns schon die Frage gestellt, wie ist das jetzt mit der Kultur, feiern wir nach wie vor das Weihnachtsfest, feiern wir unsere Feste, die im Deutschen traditionell sind", erklärt Anja Björndal-Petersen, deren Kind in die Kita "Tabaluga" geht. Weitere Fragen seien gewesen: Wie ist das mit der Sprache? Wie verständigen sich die Kinder untereinander? Haben sie  genauso noch Spielpartner, Spielkameraden in der gleichen Anzahl wie früher?

Die Vorbehalte haben sich nicht bestätigt. Ihre Tochter hat jetzt sogar zwei syrische Freundinnen. Auch wenn die Eltern und Kinder in der Einrichtung grundsätzlich zufrieden sind: Leiterin Claudia Voigt-Baranyai sagt, dass es für alle besser wäre, die Zahl der ausländischen Kinder in den Kitas zu begrenzen:  "Maximal 50 Prozent. Wir brauchen Kinder, die gut Deutsch können, die das als ihre Herkunftssprache haben, damit alle gemeinsam weiter gut lernen können."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 4. April 2018 | 20:15 Uhr

Kinder und ein Erzieher sitzen und an einem Tisch und basteln. 7 min
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Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 21:03 Uhr

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