exakt exklusiv | 25.04.2018 Rund 40.000 Kleingärten in Mitteldeutschland liegen brach

Verwilderte Kleingärten 8 min
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Fast 40.000 Parzellen in Kleingartenanlagen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind ungenutzt. Das ergab eine Umfrage des MDR-Magazins "exakt" unter den Mitteldeutschen Gartenverbänden. Vor allem im ländlichen Raum finden sich immer seltener Pächter für Kleingärten. In den mitteldeutschen Großstädten ist der Trend hingegen genau entgegengesetzt, Interessenten müssten zunehmend Wartezeiten von mehreren Jahren für einen Kleingarten in zentraler Lage in Kauf nehmen.

Jeder fünfte Kleingarten steht leer

Nach Auskunft der Landes-Gartenverbände gibt es in Thüringen derzeit für 4.080 Parzellen keine Pächter. In Sachsen sind es 14.402 und in Sachsen-Anhalt sogar 20.834 Kleingärten, was dort einer Leerstands-Quote von rund 21 Prozent entspricht.

Grafik - Leerstehende Parzellen in Mitteldeutschland
Nach 1990 nahm das Interesse am Kleingarten gerade in ländlichen Regionen stetig ab. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kleingärtner im ländlichen Raum werden immer älter. Jüngere zeigen dort jedoch kaum Interesse an einer Gartenparzelle. Ganze Sparten werden nach und nach geschlossen.

Aussichtsloser Kampf der Kleingartenvereine

Leerstehende Kleingärten müssen bei Pachtende eigentlich komplett beräumt und dem Grundstückseigentümer übergeben werden. Das ist aber oft unmöglich, Kosten und Arbeitsaufwand seien zu hoch, sagte Christian Hoßbach vom Garten-Territorialverband "Thüringer Becken" dem Nachrichtenmagazin "MDR-exakt": "Das Problem ist, dass es die Vereine und Verbände nicht schaffen können, den Leerstand zu beseitigen. Durchschnittlich kostet eine Parzelle im Rückbau ungefähr 6.500 Euro. Dazu brauchen wir eigentlich Hilfe von oben." Fördermittel für den Rückbau würden von den Kommunen und Landkreisen aber nur sporadisch und in geringen Summen gewährt.

Lange Wartezeiten in den großen Städten

Eine gegenläufige Entwicklung verzeichnen die Kleingartensparten in den mitteldeutschen Großstädten. Hier sind Wartezeiten auf Kleingärten von einem bis zu mehreren Jahren keine Seltenheit, vor allem weil jüngere Familien zunehmend Gärten zur Pacht suchen. Nach Auskunft der Kleingarten-Stadtverbände beträgt die Wartezeit für Gärten in Erfurt zwischen zwei und drei Jahren. In Halle warten Interessenten im Schnitt ein bis zwei Jahre.

In Dresden beträgt die Wartezeit zwischen zwei Monaten und einem Jahr. In sehr zentral gelegenen und nachgefragten Anlagen kann es zu Wartezeiten bis zu zehn Jahren kommen. Das teilte der Stadtverband Dresdner Gartenfreunde auf "exakt"-Anfrage mit.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 25. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 18:00 Uhr

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17 Kommentare

26.04.2018 15:10 Olaf K. 17

Ich suche seit Jahren ein Garten in Erfurt und/oder Umgebung. (Auch gerne verwildert) Es ist leider nur möglich wenn man tausende von Euros bezahlt. Wenn die Kleingartenverbände bzw. Vereine nicht umdenken und willige Menschen kostenlos oder für kleines Geld aufnimmt, muss man sich auch nicht wundern.

MfG
Ein williger, ruhiger, fleißiger vielleicht zukünftiger Kleingärtner

26.04.2018 14:33 Markert 16

Es müßten mehr Erhohlungsgärten geben man will sich bei Hitze auch mal in den Pool legen und mal nur ausruhen alles verboten Anbau wird erzwungen dafür wird auch noch hohe Kaution verlangt Stadtgärten sind cool aber zu wenig alle besetzt.

26.04.2018 12:17 Frank Rudolph 15

Natürlich kann man hier wieder seinen ganzen Frust am bösen Vorstand auslassen. Und wenn bei der nächsten Wahl gefragt wird, wer den Posten übernehmen möchte meldet sich keiner. Wir haben darauf zu achten, dass die Gesetze eingehalten werden. Sonst riskieren wir nämlich unseren geschützten Status als KGV. Der Umgang untereinander erfordert Fingerspitzengefühl. Aber trotzdem gibt es Grenzen. Arbeitet selbst im Vorstand mit und Ihr werdet erleben, wie schwierig es ist , die Balance zwischen ich möchte und ich darf zu finden. Aber dazu gehört mehr Mut als hier nur zu meckern. Katharina, Nadelbäume haben im KGV nix zu suchen. Und wer bei mir einen Garten neu übernimmt bekommt unter anderem diese Regel vorher gesagt. Wer das nicht akzeptieren will macht Platz für den Nächsten auf der Liste. Ich habe genug Bewerber.

26.04.2018 06:58 MartinBarth 14

Ich gebe "Kathinka" vollkommen Recht! Ein paar Freiheiten mehr würden auch wieder jüngere Leute motivieren, sich für Kleingärten zu interessieren! Die Vorstände halten an ihren alten Vorstellungen fest und sind auch überwiegend gegen Neuerungen, egal welcher Art! Ein Garten dient heutzutage nicht mehr rein der Versorgung mit Obst und Gemüse, sondern in erster Linie der Erholung und der Freizeitgestaltung für die gesamte Familie von dem teilweise sehr stressigem Alltag und Beruf!!!

25.04.2018 23:22 Emma 13

Zu erst muss man so schnell wie möglich die Gesetze für Kleingarten enden,die Gesetze sind noch von 80 Jahren. Das leben geht weiter,und die Leute sind zur Zeit mehr Psychisch tramotesirt ,deswegen soltman für Gärtner mehr selbst Entscheidung geben.

25.04.2018 23:07 part 12

Zur Gründerzeit der Schrebergartenbewegung galten die Kleingärten noch als Versorgungsmittel einer verarmten Stadtbevölkerung, die somit die Möglichkeit erhielt sich zusätzlich mit etwas Obst und Gemüse zu bereichern und in der freien Natur den Feierabend und das WE zu verbringen. Die Satzungen von damals gelten teilweise noch heute, wobei sich die Gartennutzung inzwischend grundlegend geändert hat. Viele möchten heute keinen Garten mehr zum Buddeln, sondern ausschließlich zum enspannen, nicht überall ist dies möglich. Traurig ist zudem das viele Kommunen ganze Gartenanlagen platt machen um Immobilien- und Wohnungsspekulanten beste Möglichkeiten zu bieten.

25.04.2018 22:33 Anja 11

Den Kommentar von Katharina kann ich nur bestätigen mir ging es so das ich kündige .musste alles räumen und absägen.

25.04.2018 21:12 Gabriele Geisler 10

Leerstand ist in den ländlichen Gebieten bzw. in Städten mit schwindender Bevölkerung sehr stark; denn es gehen die Jungen und die "damals" Jungen sind heute alt. Nicht Gesetze sind am Leerstand Schuld, sondern die Bedingungen junge Leute in der Region zu halten. Dort wo Arbeit und Wohnen auch für junge Menschen möglich ist, ist auch der Wunsch nach Gärten vorhanden. Dort wo junge Menschen wegen fehlender Perspektive gehen bleiben die "Alten zurück und irgendwann bleibt ein Garten ohne Gärtner. Wo Rückbau von Wohnraum erfolgt - muss man auch eines Tages über Rückbau von Gartenanlagen nachdenken-ich meine Kleingärten mit intensiven Anbau von Gemüse etc. . Erholungsgärten ohne diese Auflage (Grundlage für niedrige Pacht) sind davon nicht betroffen, jedoch oft finanziell von Jungen Familien nicht zu stemmen. 11

25.04.2018 21:07 Michael 9

Genau das ist das Problem.Statt zufrienden zu sein das die Gärten io. gehalten werden wird nur zur einhaltung der Ordnung gezwungen.Aber das haben wir bei uns abgelegt Haupsache es ist alles sauber,auf den anderen Quatsch legen wir keinen Wert da wir auserhalb sind,und sollte es dennoch zu Androhung vom Landesverband kommen dann geben wir geschlossen unsere Schlüssel ab mal sehen was dann passiert.

25.04.2018 17:37 Karl Murks 8

Kommentar 1 ist sehr treffend,außerdem sind oft Landvertreibungen ein Faktor der viele davon abhält