exakt | 14.11.2018 Sächsische Krankenkassen sparen bei Behandlungspflege

Die sächsischen Krankenkassen bezahlen zu wenig für die sogenannte Behandlungspflege. So bekommen Pflegedienste einen großen Teil ihrer Leistungen von den Kassen nicht erstattet – zu Lasten der Patienten.

Verbände wechseln, Wunden versorgen, Spritzen und Medikamente geben. Solche in der Pflege zentralen Tätigkeiten fallen unter die sogenannte Behandlungspflege. Die wird offenbar von den Krankenkassen nicht ausreichend bezahlt. Die Kassen erstatten in Sachsen den ambulanten Pflegediensten lediglich geringe Pauschalbeträge für diese Form der Pflege – unabhängig davon, wie groß der Aufwand tatsächlich ist und wie viel Zeit die Pflegerinnen und Pfleger bei ihren Patienten verbringen. Was das für die Pflegedienste und für die Patienten bedeutet, zeigt die Recherche von MDR "exakt".

Pflegedienste arbeiten teilweise ohne Bezahlung

MDR "exakt" hat die Pflegerin Nicole Haack aus Bad Lausick bei ihrer Arbeit begleitet. Der Pflegedienst, für den sie arbeitet, kann zum ersten Mal seit 25 Jahren keine neuen Patienten mehr annehmen. Es fehlt Geld für mehr Personal. Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass der Pflegedienst von den Krankenkassen eine zu geringe Pauschale für die Behandlungspflege erhält.

Das Pauschalsystem der Krankenkassen bedeutet: Ob der Pflegedienst bei seinen Patienten eine oder fünf Pflegeleistungen erbringt, ist egal. Die Krankenkassen bezahlen immer nur für die aufwändigste Leistung. Dem Pflegedienst in Bad Lausick entgehen dadurch nach eigenen Angaben 472 Euro pro Tag. 63 Behandlungen werden durchschnittlich nicht bezahlt.

Patientenschützer fordern drei Milliarden Euro zusätzlich

Patientenschützer fordern nun zusätzliches Geld für Patienten in stationären Einrichtungen. Herbert Möller, Referent der Deutschen Stiftung Patientenschutz sagte MDR-"exakt": "Wir fordern einen pauschalen Betrag von 300 Euro pro Patient im Monat." Im Moment soll die gesamte Betreuung von Heimbewohnern über die Pflegekassen finanziert werden. Herbert Möller dazu: "Der Pflegesatz der Pflegekassen reicht hinten und vorne nicht. Die Bewohner zahlen mit ihren Eigenanteilen drauf." Der Forderung von insgesamt etwa drei Milliarden Euro im Jahr stehen Gesamt-Rücklagen der Gesetzlichen Krankenkassen von 30 Milliarden Euro gegenüber. Für eine Veränderung wäre aber eine Gesetzesänderung notwendig.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 14. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2018, 19:09 Uhr

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2 Kommentare

16.11.2018 21:12 Toralf 2

Das ist aber nicht nur in Sachsen so. Sondern in ganz Deutschland.
Traurig aber war. Wie soll so eine qualitativ gute Pflege gewährleistet werden?

15.11.2018 07:51 Sr.Raul 1

Huch, Überraschung! Nee ist Keine, es muss nur langsam in die Hirne, dass wir hier über eine Sparte reden welche zweifelsfrei nur in öffentliche/staatliche Hand gehört. Gleiche Standards (fachlich, sozial, arbeitsrechtlich, tariflich), gleiche Kosten. Und ja, Gesundheitswesen ist meist nur in Privathand profitabel, sonst würden sie es nicht machen. Und profitabel wird es nur mit Kostensteigerungen, Personalabbau, Senkung von Standards.