Pflegerin mit einer älteren Dame
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

FAKT | 15.01.2018 Zu wenig Geld für medizinische Behandlung

Spritzen, Medikamente vergeben, Wunden versorgen: Für die sogenannte Behandlungspflege bekommen Pflegedienste viele Leistungen von den Kassen nicht erstattet. Die Folge: Es fehlt Geld - zum Nachteil der Patienten.

Pflegerin mit einer älteren Dame
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Verbände wechseln, Wunden versorgen, Spritzen und Medikamente geben. Solche in der Pflege zentralen Tätigkeiten fallen unter die sogenannte Behandlungspflege. Die wird offenbar von den Krankenkassen nicht ausreichend bezahlt. Die Kassen erstatten in Sachsen den ambulanten Pflegediensten lediglich geringe Pauschalbeträge für diese Form der Pflege – unabhängig davon, wie groß der Aufwand tatsächlich ist und wie viel Zeit die Pflegerinnen und Pfleger bei ihren Patienten verbringen. Was das für die Pflegedienste und für die Patienten bedeutet, zeigt diese Recherche.

Pflegedienste arbeiten teilweise ohne Bezahlung

Die Pflegerin Nicole Haack ist in Bad Lausick unterwegs. Der Pflegedienst, für den sie arbeitet, kann zum ersten Mal seit 25 Jahren keine neuen Patienten mehr annehmen. Es fehlt Geld für mehr Personal. Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass der Pflegedienst von den Krankenkassen eine zu geringe Pauschale für die Behandlungspflege erhält.

Das Pauschalsystem der Krankenkassen bedeutet: Ob der Pflegedienst bei seinen Patienten eine oder fünf Pflegeleistungen erbringt, ist egal. Die Krankenkassen bezahlen immer nur für die aufwändigste Leistung. Dem Pflegedienst in Bad Lausick entgehen dadurch nach eigenen Angaben 472 Euro pro Tag. 63 Behandlungen werden durchschnittlich nicht bezahlt.

Patientenschützer fordern drei Milliarden Euro zusätzlich

In Pflegeheimen sieht es noch schlechter aus. Dort zahlen die Kassen gar nichts für die medizinische Behandlung. Diese Leistungen sollen durch die Pflegeversicherung abgedeckt sein, was in der Realität nicht aufgeht. Patientenschützer fordern nun zusätzliches Geld für Patienten in stationären Einrichtungen.

Wir schlagen vor, dass die Krankenversicherung  pro Heimbewohner 300 Euro pauschal an jedes Heim überweist und dadurch die medizinische Behandlungspflege abdeckt.

Herbert Möller, Referent der Deutschen Stiftung Patientenschutz

Dieser Vorschlag der Vergütung von Behandlungspflege in Heimen würde die Krankenkassen zusätzlich 3 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Geld, das die Krankenversicherungen hätten, schaut man sich die Rücklagen von knapp 30 Milliarden an. Doch für eine Umverteilung bräuchte es eine Gesetzesänderung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT | 15. Januar 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 14:43 Uhr