Ein kleines Flugzeug mit Passagieren im Flug.
Das Aufklärungsflugzeug vom Typ Cirrus SR22 flog seit 2016 von Malta aus über 100 Einsätze und meldete nach Angaben von "Sea-Watch" über 20.000 in Seenot geratene Menschen an Schiffe sowie Leitstellen. Bildrechte: Seawatch

exakt aktuell | 04.07.2018 Flugzeug festgesetzt: Malta geht erneut gegen Seenotretter vor

Die Justiz in Malta verweigert einem Aufklärungsflugzeug der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" die nötigen Start- und Landegenehmigungen. Die Behörden begründen dies mit fehlenden Mandaten für die Rettungsaktionen.

Ein kleines Flugzeug mit Passagieren im Flug.
Das Aufklärungsflugzeug vom Typ Cirrus SR22 flog seit 2016 von Malta aus über 100 Einsätze und meldete nach Angaben von "Sea-Watch" über 20.000 in Seenot geratene Menschen an Schiffe sowie Leitstellen. Bildrechte: Seawatch

Die Justiz in Malta verweigert einem Aufklärungsflugzeug der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" die nötigen Start- und Landegenehmigungen. Nach Informationen von MDR-exakt begründen die Behörden in Malta die Verweigerung mit fehlenden Mandaten für die Rettungsaktionen. Diese seien nach Darstellung der Justizbehörden nur durch Malta oder Italien zu erteilen.

In einem Schlauchboot, welches zur Hälfte unter Wasser steht, sitzten Flüchtlinge und warten auf Rettung.
Das Flugzeug von Seawatch meldete laut der Organisation über 20.000 in Seenot geratene Menschen an Schiffe und Leitstellen. Bildrechte: Seawatch

Das Aufklärungsflugzeug vom Typ Cirrus SR22 flog seit 2016 von Malta aus über 100 Einsätze und meldete nach Angaben von "Sea-Watch" über 20.000 in Seenot geratene Menschen an Schiffe sowie die Leitstellen in Italien und Malta. Die Hilfsorganisation geht nach eigenen Angaben davon aus, dass durch gemeldete Beobachtungen vom Flugzeug aus, mindestens 1000 Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet werden konnten.

"Es ist unfassbar und nicht hinnehmbar, dass uns jetzt nach so vielen nachweislichen Flügen von Malta aus plötzlich die Start- und Landegenehmigungen verweigert werden", erklärte Sea-Watch-Sprecher und Mitbegründer der Hilfsorganisation, Ruben Neugebauer. Er kündigte an, mit juristischen Schritten gegen die Behörden in Malta vorzugehen.

Die Situation auf dem Mittelmeer spitzt sich zu

Für Neugebauer spitzt sich durch die Behinderung von Hilfsorganisationen in Malta die Situation auf dem Mittelmeer weiter dramatisch zu: "Dieser Juni ist der tödlichste Monat seit Aufzeichnungen von Fluchtbewegungen über das Mittelmeer im Jahr 2014. Allein in diesem Monat sind nach Schätzungen der Organisation für Migration (IOM) in Genf mindestens 629 Menschen ertrunken. Im Vorjahreszeitraum waren es 539, allerdings waren da mindestens doppelt so viele Menschen in Richtung Europa unterwegs."

Neugebauer von "Sea-Watch" weiter: "Die Probleme auf Malta fingen für uns an, als in Italien die Regierung gewechselt hat. Und das obwohl wir immer sehr gut mit der Leitstelle in Italien zusammengearbeitet hatten. Dort war man für unsere Beobachtungsmeldungen immer sehr dankbar."

Neben der Aufklärungsmaschine werden von den Behörden in Malta auch mehrere Schiffe von Hilfsorganisationen blockiert. Darunter die "Lifeline" eines Dresdner Seenotrettungsvereins. Der Kapitän muss sich derzeit für die Rettung von 234 Geflüchteten vor der libyschen Küste vor einem Gericht in Malta rechtfertigen, das Schiff wurde unter Justizverwaltung gestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 04. Juli 2018 | 20:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juli 2018, 13:44 Uhr

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28 Kommentare

05.07.2018 16:28 Klaus 28

@ { 05.07.2018 12:36 Eulenspiegel }
Ihr Analyse ist richtig, kann aber von den Besorgten nicht verstanden werden. Die Sache wird sich aber von alleine klären, weil sich die Zahl der Flüchtlinge fortlaufend erhöhen wird. Man kann zwar die Realität ignorieren, dadurch lässt sich die Realität aber nicht beeindrucken, sie wird weiterhin existieren. Das ist so ähnlich wie mit dem Energieerhaltungssatz. Die Realität ist zum Schluss immer vorne.
Die Flüchtlinge werden nicht deswegen weniger, weil man die Rettung im Mittelmeer verhindert. Die Fluchtursachen zu beseitigen, macht da eher Sinn. Aber da ist wohl zu viel Geld im Spiel.

05.07.2018 14:01 Klaus 27

@ { 05.07.2018 12:36 Eulenspiegel }
Ihr Analyse ist richtig, kann aber von den Besorgten nicht verstanden werden. Die Sache wird sich aber von alleine klären, weil sich die Zahl der Flüchtlinge fortlaufend erhöhen wird. Man kann zwar die Realität ignorieren, dadurch lässt sich die Realität aber nicht beeindrucken, sie wird weiterhin existieren. Das ist so ähnlich wie mit dem Energieerhaltungssatz. Die Realität ist zum Schluss immer vorne.

05.07.2018 13:03 Klaus 26

Da kann man nun sehen, was passiert, wenn Extremisten-Regierungen an die Macht kommen.
Es ist gut, dass das bei uns in Deutschland nicht passieren kann.

05.07.2018 12:36 Eulenspiegel 25

Hallo H.E. 24
Ich denke sie denken da viel zu kurz. Denn die erste Voraussetzung damit Schlepper da überhaupt Geld verdienen können ist doch eine massive Notlage. Das können sie nicht einfach ignorieren das es da für sehe viele Menschen aus vielerlei Gründen um das nackte überleben geht. Und ein Recht auf Leben hat prinzipiell jeder Mensch. Und genau da müssen wir ansetzen wenn wir das Problem in den Griff bekommen wollen. Denn so lange es da so viele Menschen gibt für die es um das nackte Überleben geht werden Schlepper immer wieder Wege finden. Darum würden wir Europäer im ureigenem Interesse handeln wenn wir uns endlich mal aufraffen würden um gemeinsam mit dafür Sorge tragen das es den Menschen im Nordafrikanischen-und Arabischen Raum zumindest so gut und sicher geht das sie nicht mehr aus ihre Länder flüchten müssen.

05.07.2018 05:26 H.E. 24

@ 13 Eulenspiegel
Ich sehe dies allerdings völlig anders. Es werden langfristig mehr am Leben bleiben, wenn die NGO's dort nicht mehr operieren können und ihre Hilfsmittel wie Flugzeuge und Schiffe festgesetzt werden.
Die Hilfe motiviert die Schleuser doch ganz stark, immer mehr Leute in Schlauchboote zusetzen, mit dem Versprechen, daß sie von den NGO's gerettet werden.
Mich würde nur mal interessieren, wieviele Milliarden die Schleuserbanden schon eingenommen haben und wer hinter denen steckt.

04.07.2018 23:20 Eulenspiegel 23

Ich denke wir haben hier das Problem das alle Europäischen Staaten die Mittelmeeranrainer seit vielen Jahren ermahnt haben: Ihr könnt doch die ganzen Bootsflüchtlinge nicht einfach ertrinken lassen. Aber wenn dann diese Mittelmeeranrainer um Hilfe baten weil es sich ja um ein Gesamteuropäisches Problem ging haben sich alle anderen Staate umgedreht. Und jetzt haben dies Mittelmeeranrainer einfach die Schnauze voll.

04.07.2018 23:14 part 22

Während alljährlich gegen das DDR- Grenzregime medial nach so langer Zeit alle verfügbaren Geschütze aufgefahren werden, zeigt das real existierende System, wo es wirklich steht, erst Kriege verursachen und dann die Opfer noch sterben lassen.

04.07.2018 23:05 Eulenspiegel 21

Hallo Fakten-Jack 14
„Und Seenotrettung, die nur Häfen in Europa als Rettungsorte kennt, ist meines Erachtens auch etwas seltsam, hier ist wohl auch ein anderer Begriff angezeigt...“
Ich denke das zuerst einmal diese ehrenamtlichen Seenotretter vor den katastrophal zerrütteten Staatlichen Strukturen in Nordafrika stehen und gar nicht beurteilen können ob es da überhaupt noch einen Hafen gibt bei dem man verantworten kann in Seenot geratene Menschen abzugeben. Darum ist im Zweifelsfall ja immer ein Europäischer Hafen der nächste sichere Hafen. Weiter können diese ehrenamtlichen Seenotretter auch gar nicht beurteilen wer triftige Gründe vorweisen kann um als Flüchtling anerkannt zu werden. Darum kommt meine Frage: Wenn es denn für ehrenamtliche Seenotretter so einfach wäre aus Seenot gerettete Menschen einfach in einem Afrikanischen Hafen an Land zu bringen warum können dies dann Staatliche Organisationen nicht?

04.07.2018 22:26 Fakten-Jack 20

Fortsetzung: Also entweder Grenzen auf (lassen) und jeden der kommt willkommen heißen (Status quo seit mind. 2015) oder Asyl nur für politisch Verfolgte (siehe GG Art 16) und Zuwanderung nach wirtschaftlichen Aspekten.
Aber darüber würde ich gerne das Volk entscheiden lassen...

04.07.2018 20:51 Tim 19

Es wird höchste Zeit, dass Deutschland Rettungsschiffe nach Lybien entsendet. Zur Not müssen eben Kreuzfahrtschiffe eingesetzt werden um die Schutzsuchenden nach Deutschland zu bringen.