Holz-Storch
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exakt | 29.08.2018 Mangel an Hebammen immer deutlicher spürbar

Geburtskliniken müssen wegen Personalmangels schließen - auch weil sich das Berufsbild der Hebammen verändert hat hin zur freiberuflichen Tätigkeit. Doch Hebammen klagen über wachsende Belastungen. Ein Teufelskreis.

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Krankenhäuser in Mitteldeutschland leiden unter einem wachsenden Mangel an Hebammen. Die Folge davon ist, dass Geburtsstationen in Kliniken geschlossen werden - in den vergangenen 18 Jahren waren das insgesamt 30 in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Einer der Hauptgründe dafür: Kliniken finden nicht mehr ausreichend Personal, um Geburtsstationen zu besetzen.

Prof. Barbara Baumgärtner
Prof. Barbara Baumgärtner Bildrechte: MDR/exakt

Nach Einschätzung von Barbara Baumgärtner, Professorin für Hebammenwissenschaft an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena, liegt das unter anderem an einem veränderten Berufsbild. Viele Hebammen arbeiteten nicht mehr in Vollzeit, sondern in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung oder nur noch nebenberuflich. "Die Zahlen, die mir zur Verfügung stehen, sagen, dass es wirklich nur noch 20 Prozent der Hebammen sind, die wirklich in Vollzeitstellen im Krankenhaus arbeiten", sagte Baumgärtner dem MDR-Magazin "exakt". Es habe sich "eine deutliche Veränderung im Arbeitsspektrum vollzogen".

Die Folge dieser Entwicklungen: Werdende Mütter müssen auf andere Entbindungsorte wie beispielsweise Geburtshäuser ausweichen und sich von freiberuflichen Hebammen betreuen lassen. Für Hebammen bringt das oft zusätzliche Belastungen mit sich, wie beispielsweise Nicolle Scheibel-Hellfritsch aus Sachsen-Anhalt erläutert: "Das Problem ist, dass wir tagtäglich weite Strecken im Auto unterwegs sind." Da sie eine Rundumversorgung anbiete, also die Phasen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett abdecke, könne sie nur eine begrenzte Zahl von Frauen betreuen. "Aber es ist keine geregelte Arbeitszeit. Wir leben in einer Gesellschaft, die von uns verlangt, 24 Stunden da zu sein, dann nimmt keiner Rücksicht."

Die Arbeit in einer Geburtsklinik hatte die Hebamme aber vor einigen Jahren eben wegen der hohen Belastung aufgegeben. Denn dort war zur eigentlichen Arbeit noch ein großer Aufwand für Qualitätsmanagement und Dokumentation hinzugekommen. "Das hat mir keinen Spaß gemacht."

So steckt die Geburtshilfe in einer Art Teufelskreis: Immer mehr Hebammen arbeiten selbstständig, um dem Dauerstress in Geburtskliniken zu entkommen. Wenn Geburtskliniken wegen Personalmangels schließen, fehlen zentrale Anlaufpunkte für werdende Mütter. Die Folge: Hebammen haben mehr Aufwand, um zu ihren Patientinnen zu kommen und diese betreuen zu können. Es bräuchte also mehr Personal. Doch zumindest in Krankenhäusern ist das schwierig: 60 Prozent der Häuser können ihre Geburtsstationen schon jetzt nicht kostendeckend führen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 29. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 23:03 Uhr

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