exakt | 17.10.2018 Messerangriffe nehmen zu

Messerattacke 7 min
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Am 11. September 2017 änderte sich für den heute 15-jährigen Erik alles. Fünf Mal stach ihn ein Mitschüler mit einem Messer in den Rücken. In der Schule im thüringischen Roßleben, im Klassenzimmer. Eine Notoperation rettet Erik. Die Folgen werden ihn ein Leben lang begleiten. Erst mühsam musste er wieder laufen lernen. Vor Gericht gab der 15-jährige - deutsche - Täter an, dass er wissen wollte wie es sich anfühlt, einen Menschen zu töten.

Ein Jugendlicher sticht auf seinen Mitschüler ein. Ein Fall unter vielen. Der Gewaltforscher Prof. Dirk Baier hat in mehreren Studien untersucht, warum gerade Jugendliche Messer haben.

Es handelt sich um ein soziales Problem, handelt sich ein Stück weit um eine Epidemie im Jugendalter ... Grundaggressive, auf Männlichkeitsbilder fokussierte Jugendliche, führen ein Messer mit sich, es gehört einfach dazu ein Mann zu sein.

Dirk Baier, Institut für Delinquenz und Kriminalprävention Zürich
verschiedene Messer liegen auf einem Tisch
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Notärzte und Polizei werden immer öfter zu Einsätzen mit Messern gerufen. Lange Zeit wurde das Tatwerkzeug Messer oder Stichwaffe statistisch gar nicht gesondert erfasst. Doch genau das fordert die Gewerkschaft der Polizei heute, um der Messergefahr Herr werden zu können.

Wir als Gewerkschaft der Polizei fordern, dass in der Kriminalstatistik Messer als Waffe sowie auch die Schusswaffe extra erfasst werden.

Oliver Malchow, Gewerkschaft der Polizei

Messerattacken nehmen zu

Statistiken der mitteldeutschen Innenministerien bestätigen einen Anstieg der Straftaten mit Messern: 2014 gab es in Sachsen 970 Straftaten mit Stichwaffen. 2017 waren es knapp 1.200. In Thüringen gab es 2014 rund 700 Angriffe mit Messern, 2017 waren es bereits rund 900 Fälle. In Sachsen-Anhalt wurden 2014 knapp 600 Fälle erfasst, im letzten Jahr waren es 724.

Messerangriffen von Flüchtlingen

Zum "Lagebild Messer" gehört auch die Frage, woher kommen die Täter und Opfer. Gibt es die sogenannte Messereinwanderung? Statistisch wird das bisher gar nicht erhoben. In Halle treffen wir Mohamad A. Er will nicht erkannt werden. Der gebürtige Iraker lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Im Winter wurde er mit einem Messer angegriffen, als er mit dem Rad unterwegs war. 

Junge liegt auf Trage mit Atemmaske begleitet von Rettungssanitätern
Verletzungen mit Messern sind oft lebensbedrohlich oder tödlich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch ihn rettete nur eine Not-OP. Der Täter war ein 23-jähriger Syrer, der seit drei Jahren in Deutschland lebt. Er kannte Mohamad nicht, stach mit seinem 20 cm langen Messer willkürlich mehrfach zu und verletzte ihn lebensgefährlich. Anwalt Uwe Foppe hat Mohamad A. vor Gericht vertreten. Er erklärt, Mohamad sei ein reines Zufallsopfer gewesen. Dem Täter droht eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren. Mohamad A. wird dagegen immer mit den Folgen der Messerattacke zu kämpfen haben. 

Keine Kontrollen, kein eingeschränkter Zugang

Laut Waffengesetz sind zwar einige Messer verboten. Aber der Zugang ist keineswegs eingeschränkt, niemand kontrolliert das. Auch verbotene Messer werden von Jugendlichen mit sich geführt. Gewaltforscher Dirk Baier befürwortet eine Verschärfung. Ein Verbot würde einer nicht kleinen Menge aufzeigen, was sie dürfen und was nicht, erklärt der Wissenschaftler.

Der Mitschüler, der Erik aus Thüringen niedergestochen hatte, wurde zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Erik geht wieder zur Schule, will jetzt sein Leben genießen. Sein Vater Holger sieht dringenden Handlungsbedarf, besonders an den Schulen.

Um im Leben diesen Problem aus dem Weg zu gehen, müsste man das in den Schulen intensiver ansprechen und auch intensiven Bespielen mit Polizei, Opfern, und Tätern, mal zu besprechen. Dann hat man eine Vorbeugemaßnahme. Das Gesamtbild ist da, und wenn ich mir ein Gesamtbild machen kann, kann ich entscheiden, was richtig oder falsch ist.

Holger, Vater

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 17. Oktober 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 21:50 Uhr

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