exakt | 30.01.2019 Warum ein Hartz-IV-Empfänger jahrelang im Kalten sitzt

Kein Geld fürs Gas: Seit über drei Jahren lebt ein Kamenzer Hartz-IV-Paar in seiner Wohnung ohne Heizung. Der Oberbürgermeister hat den Mietern nun seine Hilfe zugesagt.

Henry Ueberschaer und seine Partnerin hat es kalt erwischt: Seit mehr als drei Jahren leben die beiden ohne Heizung und Warmwasser in ihrer Kamenzer Wohnung. Weil sie über 12.000 Euro Schulden angehäuft haben, drehte ihnen der Gasversorger im November 2015 den Hahn ab.

Zu allem Unheil leidet Ueberschaers Lebensgefährtin unter Knochenschwund und geht an Krücken. Er selbst lebt ebenfalls gesundheitlich angeschlagen mit einem Herzschrittmacher und versteiften Wirbeln.

Gerade bei diesen Temperaturen ist es sehr unangenehm, sich auf Toilette aufzuhalten. Und dann das nächste ganz große Problem, was wir haben, ist unser Badezimmer. Meine Lebensgefährtin braucht den Wannenlift für ihre Gesundheit.

Henry Ueberschaer Mieter
Heizungsventil
Seit mehr als drei Jahren bleibt die Heizung kalt Bildrechte: Conrad Weigert/MDR

Als Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft steht ihnen eigentlich die Übernahme von Unterkunftskosten zu – inklusive Heizung. Aber dafür hätten sie Rechnungen einreichen müssen. Doch weil diese lückenhaft waren, überwies das Amt dem Energieversorger nur unregelmäßig Geld.

Oberbürgermeister bietet Unterstützung an

Henry Ueberschaer ist sich keiner Schuld bewusst, betrügen wollte er niemanden. Auch eine Anfrage im Jobcenter Bautzen ergibt: Ein bewusster Missbrauch von Geldern liege wohl nicht vor. Eine Übernahme der Schulden oder die Gewährung eines 2000-Euro-Darlehens lehnt die Behörde dennoch ab. Und auch privat will ihm niemand Geld leihen.

Dabei ist Henry Ueberschaer in Kamenz kein Unbekannter. Seit Jahren betreut er die öffentliche Toilette in einem Gebäude der Stadtverwaltung, oft bis zu zehn Stunden am Tag.

Was ich hier habe, ist für mich. Ich muss aber dafür Reinigungsmittel und Hygieneartikel bezahlen. Das ist nur ein Zubrot zum ALG II.

Henry Ueberschaer Hartz-IV-Empfänger

Ihm bleiben meist nur 40 bis 60 Euro im Monat. Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) kennt Ueberschaer persönlich und weiß von dessen finanzieller Schieflage. Er setzte sich deshalb mit dem Chef des Jobcenter und der Sozialdezernentin des Landkreises in Verbindung – und erreichte ein Umdenken.

Also ich kann mir vorstellen, dass die 2000 Euro über den Landkreis und damit aus Steuermitteln gezahlt werden. Und wir – oder das Sozialamt klärt dann die Frage, dass möglicherweise Herr Ueberschaer monatlich einen Betrag von zehn Euro leistet, damit er symbolisch da mit dabei ist.

Roland Dantz Oberbürgermeister Kamenz

Darüber hinaus soll das Sozialamt ihm eine Betreuerin stellen, damit Ueberschaer nicht noch einmal den Überblick über seine Finanzen verliert. 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 30. Januar 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 18:38 Uhr