exakt | 30.01.2019 Polizisten mit Migrationshintergrund: Brauchen wir mehr davon?

Die Polizei in Sachsen-Anhalt sucht gezielt nach Nachwuchs mit Migrationshintergrund, während Sachsen und Thüringen sich nicht um solche Bewerber bemühen.

Siawash Ebadi ist die Art von Polizist, die in Sachsen-Anhalt derzeit sehr gefragt ist: Der 34-Jährige ist Beamter mit Migrationshintergrund – ein Kind afghanischer Eltern, in Moskau geboren und in Hessen aufgewachsen.

Siawash Ebadi, Polizeikommissar, Polizeiinspektion Magdeburg
Siawash Ebadi sagt, sein Background hilft ihm bei der Arbeit als Polizist enorm. Bildrechte: MDR/exakt

Sein Background helfe ihm bei der Arbeit enorm. "Dann gibt es gewisse Situationen, die man im Einsatz hat, wo man so sprachliche Barrieren aushebeln kann, indem man dann in der jeweiligen Landessprache fungieren kann", sagt er. Inzwischen ist Ebadi im Innendienst tätig und versucht, sein Wissen an seine Kollegen weiterzugeben.

Innerhalb der aktuellen Werbekampagne sucht Sachsen-Anhalt auch um Menschen mit Migrationshintergrund für den Polizeidienst. Außerdem wirbt die Polizei laut Innenministerium bei Veranstaltungen, bei denen mit einer großen Zahl an Jugendlichen mit Migrationshintergrund gerechnet werden kann, wie zum Beispiel bei der Interkulturellen Woche in Halle/Saale. Ähnlich gestaltet sich die Situation in Berlin, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Keine einheitliche Haltung in den Ländern

In Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland hatte gut jeder Zehnte der neueingestellten Beamten ausländische Wurzeln, in Baden-Württemberg waren es etwa 20 Prozent. Sachsen, Thüringen, Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bemühen sich hingegen nicht explizit um Bewerber mit Migrationshintergrund.

Die Polizei hat zuletzt vermehrt mit Fällen zu tun, bei denen Menschen ausländischer Herkunft involviert sind. 2 min
Bildrechte: MDR/exakt

Ein Fehler, findet Rebecca Pates, Politikwissenschafts-Professorin an der Universität Leipzig: "Polizisten mit Migrationshintergrund sprechen oft mehr Sprachen und kennen mehr Kulturen als einheimische Personen und können deswegen erstens Situationen befrieden, die Deutsche vielleicht so nicht verstehen weil sie der Sprache nicht mächtig sind, und zweitens Zugang zur organisierten Kriminalität erlangen, insofern diese ethnisch geschlossene Kreise umkreist."

Auch die Polizei-Basis würde es begrüßen, Kollegen aus Einwandererfamilien in ihren Reihen zu haben.

Ich glaube, auch die Polizei Sachsen wird nicht umhinkommen ihre Kampagne auszubauen. Die Polizei hat immer den Anspruch, einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen zu wollen.

Andreas Loepki Sprecher Polizeidirektion Leipzig

Polizeiforscher Rafael Behr findet ebenfalls Vielfalt unter den Gesetzeshütern gut. Er ist aber der Auffassung, jeder Polizist müsse mit anderen Kulturen umgehen können – nicht nur Kollegen mit Migrationshintergrund. "Deshalb nicht, weil der Migrationshintergrund oder der Migrationsstatus an sich erst mal nichts über die Qualifikationen des Beamten oder der Beamtin aussagt. Ich wäre sehr dafür, mehr auf die Kompetenz und auch auf das Kapital zu sehen, das die Menschen mitbringen, und nicht so sehr auf die Herkunft", so Behr.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 30. Januar 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 18:37 Uhr

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4 Kommentare

01.02.2019 16:24 Bingo 4

Integration bei der Polizei. Man kann gespannt sein, wenn die erste Muslime mit Kopftuch und Pistole auf Streife geht.

31.01.2019 17:56 Benutzer 3

exakt | 30.01.2019Polizisten mit Migrationshintergrund: Brauchen wir mehr davon?

nö.

Gar keinen.

31.01.2019 13:25 Codo 2

Sinn macht es, einen jungen PK, der extra wegen seines Migrationshintergrundes und der weiter im Artikel dazu benannten Vorteile eingestellt wurde, in den Innendienst zu stecken. - Während Beamte mit Mitte 50 sich mit dem ein oder anderen unwilligen Asylbewerber beschäftigen müssen. Das bekommt auch nur Sachsen-Anhalt hin...

31.01.2019 07:54 Sr.Raul 1

Ob man es nun gut findet oder nicht, macht für mich Sinn! Der Denkansatz ist nachvollziehbar.

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