exakt aktuell | 30.11.2018 "Migrantenschreck"-Betreiber vor Gericht

Der mutmaßliche Betreiber des Internet-Waffenladens "Migrantenschreck" steht vor Gericht. Mario Rönsch muss sich wegen 193-fachen Waffenhandels verantworten. Zudem haben NDR, WDR und SZ Unterstützer von ihm recherchiert.

Weil der mutmaßliche Rechtsextreme Mario Rönsch über den Internetshop "Migrantenschreck" illegal mit Waffen gehandelt haben soll, steht er nun seit Donnerstag in Berlin vor Gericht. Der Vorwurf: Der 35-Jährige habe in 193 Fällen von Ungarn aus über seine Website Waffen an deutsche Kunden verkauft und per Post verschickt.

Rönsch habe ausdrücklich damit geworben, dass die Waffen "der Verteidigung gegen Asylbewerber dienten", hieß es in der am Donnerstag zu Prozessbeginn verlesenen Anklage. Das Sortiment des aus Thüringen stammenden Mannes habe Lang-, Feuer-, Repetier-, Schreckschuss- und Schusswaffen beinhaltet, mit denen gefährliche Hartgummigeschosse abgefeuert werden können.

Der MDR hatte in den Sendungen "exakt" und "FAKT" im Ersten bereits 2016 über diese illegalen Waffengeschäfte berichtet. Der Prozess wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wird am 4. Dezember fortgesetzt.

Unterstützung durch Kopp-Verlag und "Compact"

Ein weiteres Verfahren gegen Rönsch soll seine Rolle bei einflussreichen Facebook-Hetzseiten klären. So soll er Administrator der rechten Seiten "Anonymous.kollektiv"  und "Anonymousnews.ru" gewesen sein. Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung" nun recherchierten, flossen in diesem Zusammenhang 2016 Spenden vom rechten Kopp-Verlag und dem Magazin Compact an Rönsch. So habe zwischen Anonymous.ru und dem Kopp-Verlag ein „Partnerprogramm“ bestanden. Wenn Kunden über Rönschs Seiten Bücher beim Verlag bestellt hätten, habe Rönsch dafür eine Provision erhalten. Inhaber Jochen Kopp bestätigte, Rönsch habe so eine fünfstellige Summe erzielt.

Festnahme im März

Rönsch war nach jahrelangen Ermittlungen am 28. März 2018 in Budapest festgenommen worden. Die Polizei durchsuchte seine Wohnsitze in Budapest und Barcs, einem kleinen Ort an der Grenze zu Kroatien, und beschlagnahmte Computer. Gegen seine Auslieferung nach Deutschland wehrte sich der Verdächtige, ungarische Gerichte lehnten die Beschwerde aber ab. Am 28. Juni wurde er ausgeliefert und saß seitdem in Berlin in Untersuchungshaft.

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 16:04 Uhr