Männer und Frauen sitzen zusammen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 04.04.2018 Neonazi-Festival im sächsischen Ostritz

Ausgerechnet am 20. April wollen sich Rechtsextremisten in dem Ort an der polnischen Grenze treffen. Ein Hotelbetreiber mit Kontakten in die rechte Szene stellt sein Grundstück zur Verfügung. Wer ist Hans-Peter Fischer?

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An der deutsch-polnischen Grenze - im ostsächsischen Ostritz - wollen sich ausgerechnet am 20. April Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet treffen. Am Geburtstag Hitlers soll es auf dem Gelände des Hotels "Neißeblick" Rechtsrockkonzerte, Reden einschlägiger Neonazis und Kampfsport-Veranstaltungen geben. In der Gemeinde herrscht Unverständnis für den Hotelbetreiber, auf dessen Grundstück das Ganze ablaufen soll.

ein Mann im Interview
Der Besitzer des Hotels "Neißeblick": Hans-Peter Fischer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit Monaten läuft im Internet die Mobilisierung für das "Schild und Schwert-Festival" in Ostritz. "Also uns macht besonders Angst, dass quasi ganz Ostritz damit einen Stempel kriegt", sagt Stephan Kupka, Gemeindereferent in der Katholischen Pfarrei Ostritz. "Dass es womöglich eine Heimstadt sein könnte, für Menschen, die sich dahingezogen fühlen, gerade an so einem symbolträchtigen Tag um Hitler Geburtstag zu feiern.

Auf dem Grundstück von Hans-Peter Fischer soll das Rechtsrock-Festival stattfinden. In den frühen Neunziger Jahren kaufte der hessische Unternehmer an der Neiße, direkt an der deutsch-polnischen Grenze, ein ehemaliges Betriebsgelände. Anfangs wollte er das Grundstück zu einem Naherholungsgebiet ausbauen. Noch in den 2000er Jahren gab er den harmlosen Betreiber des Hotels „Neißeblick“, in dem Volksmusikveranstaltungen stattfanden. 

ein Spruchband
Ein Bild der Veranstaltung der neonazistischen "Wiking-Jugend" in Biblis im Jahr 1983. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer ist er wirklich?  Eine Antwort findet sich in Fischers Heimatort. Im hessischen Biblis sitzt er für eine lokale rechte Partei im Stadtrat. Dort ist der 70-Jährige bekannt: Einschlägig, wie es heißt. Manfred Lang ist pensionierter Lehrer und klärt seit Jahren über rechtsextremistische Strukturen in seinem Heimatort Biblis auf - auch über Fischers rechten Hintergrund. Er zeigt MDR-exakt Fotos aus dem Jahr 1983. Darauf ein Zeltlager, und auch Banner sind zu sehen: "Tage Volkstreuer Jugend". Ein Hundevereinsgelände ist damals zum Treffpunkt der neonazistischen Wiking-Jugend geworden. Dort sollten Kinder im Sinne des Nationalsozialismus erzogen werden. Die 1994 verbotene Organisation verbreitete Rassenideologie. Die Minderjährigen trugen Uniformen, nahmen an Marsch- und Militärübungen teil.

Neonazistische Wiking-Jugend im Spiel

"Also mit Herrn Fischer hat das folgendermaßen etwas zu tun", erklärt Manfred Lang. "Er hat hier eine Möglichkeit genutzt, weil er im Vorstand des Hundevereins zu Gange war, für die Jugendlichen, die wir jetzt der Wiking-Jugend da zugeordnet haben, eine Möglichkeit für das Zelten zu geben." Er soll dem Vorstand des Vereins falsche Angaben gemacht haben. Er habe gesagt, es handelt sich um eine unpolitische Veranstaltung. "Die Leute haben gestaunt, dass dann plötzlich diese Spruchbänder da montiert waren und das hat für Unruhe gesorgt."

ein Mann im Interview
Hans-Peter Fischer (rechts) mit dem Anzeigenblatt "Durchblick". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Herbst 1987 sorgt Unternehmer Fischer in Hessen wieder für Aufsehen. In zahlreichen Briefkästen liegt ein kostenloses Anzeigenblatt namens "Durchblick". Die Auflage: 65.000. Es handelt sich dabei offenbar um eine rechte Propagandapostille, die etwa Artikel aus der rechtsextremen „Deutschen Wochen-Zeitung“ übernahm.

Im Jahr 1999 ist Fischer Vorsitzender eines hessischen Kreisverbands der Republikaner, er pflegt enge Beziehung zur NPD. Auch in Sachsen fällt seine Nähe zur rechtsextremen Partei auf. In einem NPD-Organ wirbt der Betreiber für sein Hotel in Ostritz: "Probleme mit Raumanmietungen? Nicht bei uns!"

Vor sechs Jahren schließlich lässt er sich für ein NPD-Onlineportal fotografieren: Fischer Seit‘ an Seit‘ mit sächsischen NPD-Politikern. Zudem lässt er auf dem Hotelgelände in Ostritz Stacheldraht gegen Grenzkriminalität spannen.

Sachsen Ministerpräsident setzt ein Zeichen

"Also 2012 war die Katze aus dem Sack", sagt Markus Kemper vom Kulturbüro Sachsen. Bei der Flut habe Fischer offen mit der NPD dort kooperiert und paktiert. "Es gab gemeinsame Veranstaltungen. Und 2017 eine erste kleine Rechtsrock- und Sportveranstaltung von der organisierten Neonaziszene für die Neonaziszene."

Das Neonazifestival in Ostritz und der rechte Grundstückseigentümer - in der Dresdner Staatskanzlei ist das Thema angekommen. Der sächsische Ministerpräsident (CDU) ist Schirmherr eines bunten Bürgerfests am Tag des "Schild- und Schwertfestivals". Es ist ein Zeichen: Ostritz soll nicht den Neonazis überlassen werden.  "Ich denke man sieht schon an der Entscheidung auch, wessen Geistes Kinde der Eigentümer auch ist, denn solche Konzerte, solche Leute, die will man eigentlich als anständiger Bürger nicht bei sich auf dem Grundstück haben", sagt Michael Kretschmer.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 4. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2018, 16:59 Uhr

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5 Kommentare

06.04.2018 16:56 Sachse43 5

Und warum dürfen die ihre Lieder nicht friedlich singen?

04.04.2018 16:16 Lucas 4

Fehler:
vierter Absatz, relativ zum Ende hin

"Dort sollten Kinder im Sinne des Nationalsozialismus n werden."

bitte mal ändern :)

lg

04.04.2018 16:14 wwdd 3

Als ob wir keine andere Sorgen hätten, als die Musik einiger...

04.04.2018 15:54 Na so was 2

Da sollen nun in Ostritz am gleichen Tag zwei "Volksfeste" über die Bühne gehen. Gegensätzlicher in ihren Ansichten können beide Parteien nicht sein. Da sind große Probleme und Reibereien schon mit eingerechnet. Wer genehmigt eigentlich zwei gegensätzliche Veranstaltungen am gleichen Tag und im gleichen Ort. Ist das so gedacht, wenn nun einmal tausende Polizisten mit schweren Gerät herbeordert werden, sollen sie auch aktiv werden. Ich, als Kleiner, verstehe das nicht. Immer raus mit den Steuergeldern, für Sachen, die nicht sein müssen. Wäre der sächs. Ministerpräsident, der Herr Kretschmer (CDU) auch nach Ostritz gefahren, wenn nur dieses "Bunte Fest" stattgefunden hätte? Ich glaube nicht, denn da wäre es kein Schaulaufen gewesen, die Wenigsten hätte es interessiert. So, aber, eine bessere Reklame für ihn geht nicht.

04.04.2018 15:53 klaus pfister 1

Rechts Extremismuss in Deutschland?
Ein Zeichen der Unzufriedenheit und Marginalisation der Volkes gegenueber einer versagenden Politik!

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