exakt | 18.07.2018 NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben

November 2011, der Nationalsozialistische Untergrund ist aufgeflogen. Kurz darauf wird Ralf Wohlleben festgenommen. Nun wurde er auf freien Fuß gesetzt, weil laut Gericht keine Fluchtgefahr besteht. Ralf Wohlleben, ist ein Mann mit vielen Gesichtern: öffentliche Person, NPD-Funktionär, Kameradschaftsaktivist und … mutmaßlicher Terrorhelfer. Ralf Wohlleben, das halten die Ermittler für erwiesen, organisiert eine Pistole der Marke „Ceska 83“ mit Schalldämpfer. Mit dieser Waffe ermorden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos innerhalb von sechs Jahren neun Menschen.

Katharina König-Preuß vom NSU-Untersuchungsausschuss Thüringen, hält Wohlleben für den Führer der terroristischen Organisation. „Der ist derjenige, der so ab dem Jahr 1996 beginnt alles zu strukturieren, zu organisieren, zu vernetzen. Der über alles informiert wird und der dirigiert, der entscheidet was passiert als nächstes“, sagt sie.

Politaktivist oder Gewalttäter?

Nach seiner Verhaftung finden Ermittler auf Wohllebens Computer hunderte Dateien u.a. T-Shirt-Vorlagen und Bilder. Sie liefern Einblicke in Wohllebens NS-Verherrlichung. Und in sein Privatleben: Schlafend eingehüllt in eine Reichskriegsflagge, seine Hochzeit feiert er im völkisch-germanischen Stil. Auch öffentlich tritt er gerne in mittelalterlicher Kutte auf. Springerstiefel und Bomberjacke sind seine Sache nicht. Der überzeugte Neonazi Wohlleben gibt sich lieber als Polit-Aktivist.

Auch im NSU-Prozess in München will Ralf Wohlleben sich als reiner Ideologe verstanden wissen, der Gewalt ablehnt, sagt Tim Aßmann, der seit Jahren den NSU-Prozess für die ARD verfolgt.

Er hat, so sagt er es, seine Überzeugungen niemals versucht, mit Gewalt durchzusetzen.

Tim Aßmann, ARD-Prozessbeobachter

Bei Stephan Kramer, dem Präsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz, lagern ganze Aktenbände über Ralf Wohlleben. Er hält Wohlleben auch für ein gewaltbereites Mitglied der rechten Szene.

Er war ja durchaus einer der sehr gewaltbereiten Vertreter auch innerhalb der Szene. Er hat natürlich auch versucht, politische Hintergründe oder Rechtfertigungen mitzuliefern.

Stephan J. Kramer, Präsident Verfassungsschutz Thüringen

Fluchthilfe für Terror-Trio

Jena, Januar 1998: In einer Garage findet die Polizei Rohrbomben und Neonazi-Propaganda. Es wird der Tag Null des NSU im Untergrund. Denn die Bombenbauer Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe fliehen. Sie steigen um in einen Fluchtwagen Richtung Chemnitz, es handelt sich dabei um Wohllebens Auto. Und es wird nicht seine letzte Hilfe bleiben.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe verstehen sich als Teil einer abgeschotteten rechtsextremen Elite. Gemeinsam mit dem Trio gründet Ralf Wohlleben sogar eine eigene Kameradschaft. Sie wollen sich abheben von den „Saufnazis“, wie sie sie nennen.

Ein verhängnisvoller Auftrag

Für Ralf Wohlleben gibt es 1998 ein Problem: Der Verfassungsschutz hat V-Leute überall. Er selbst steht seit dem Abtauchen des Trios unter Beobachtung, kann mit den Untergetauchten nicht mehr ungestört kommunizieren. Deshalb braucht er einen Kurier, der weniger im Fokus steht: Carsten S. aus Jena. Er ist Ralf Wohlleben damals treu ergeben. Carsten S. stand ebenfalls als Mitunterstützer des NSU vor Gericht in München. Nach eigenen Aussagen war er der konspirative Kurier für den NSU. Anfang 2000 bekommt er seinen folgenschwersten Auftrag: Carsten S. soll eine Pistole für die Untergetauchten beschaffen. Er kauft eine Ceska im Auftrag von Ralf Wohlleben.

Der Auftrag für diese Waffenbeschaffung kam von Ralf Wohlleben, seinem Freund, damals Funktionär der NPD in Jena, und Wohlleben hat auch das Geld gegeben.

Tim Aßmann, ARD-Prozessbeobachter

Solidarität aus der rechten Szene

Ralf Wohlleben wurde vergangene Woche als Waffenbeschaffer für das NSU-Trio zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Während seiner Untersuchungshaft von mehr als sechs Jahren avancierte Wohlleben zum Helden der rechtsextremen Szene. Es gab zahlreiche Solidaritätsbekundungen für ihn vor Gericht. Außerdem zwei Solidaritätskonzerte, bei denen Banner mit der Aufschrift „Freiheit für Wolle“ gezeigt wurden. Die rechte Szene unterstützt Wohlleben auch finanziell. So wurden eigens CDs gepresst, deren Erlöse komplett an die Familie Wohlleben gehen.

Bis das Urteil rechtskräftig ist, kann Ralf Wohlleben auf freiem Fuß bleiben, weil das Gericht in München keine Fluchtgefahr sieht. Inzwischen hat er das Gefängnis verlassen. Nach „exakt“-Informationen wird der Verfassungsschutz des Bundes und der Länder Ralf Wohlleben und die rechte Szene im Auge behalten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 18. Juli 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2018, 19:56 Uhr

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