exakt exklusiv | 07.11.2018 FKD-Prozess: Angeklagter behauptet Verhältnis zu einer Schöffin

Der Prozess gegen Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" könnte gefährdet sein. Der inhaftierte mutmaßliche Anführer hat offenbar aus dem Gefängnis heraus versucht, sein Gerichtsverfahren zu manipulieren.

Der inhaftierte mutmaßliche Anführer der "Freie Kameradschaft Dresden", Benjamin Z., hat offenbar aus dem Gefängnis heraus versucht, sein Gerichtsverfahren zu manipulieren. Das geht aus Chatverläufen hervor, die dem MDR-Magazin "exakt" vorliegen.

Demnach hatte Benjamin Z. aus der Untersuchungshaft in der JVA Torgau mit einem illegalen Internetzugang über sieben Monate hinweg engen Kontakt zu seinen Kameraden und Mitangeklagten. Dem im Juli 2018 beschlagnahmten Tablet konnten Ermittler Hinweise entnehmen, wonach Benjamin Z. Zeugenaussagen zu beeinflussen versuchte und Verfahrensinterna an seine Kameraden verriet.

Lippmann: Panne wäre ein "Supergau"

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im sächsischen Landtag Valentin Lippmann bezeichnete die Panne als "Supergau", wenn so etwas passiere, sei "die Integrität eines solchen großen Strafverfahrens" gefährdet.

Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Ein Mitglied der "Freien Kameradschaft Dresden" wird festgenommen Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

MDR-"exakt" liegen darüber hinaus Hinweise vor, wonach der angeklagte Rechtsextremist eine Affäre mit einer Schöffin des Verfahrens gehabt haben soll. In einer Art zweiseitigem Lebenslauf schreibt Z.: "Übrigens hatte ich vor der Verhandlung etwas mit der Schöffin". Zuvor hatte ein Wegbegleiter des inhaftierten Rechtsextremisten gegenüber einem "exakt"-Reporter von einer Liaison zwischen Benjamin Z. und der Schöffin berichtet.

Justizministerium wollte sich nicht äußern

Sächsische Abgeordnete sehen darin eine mögliche Gefährdung des Verfahrens. "Wenn ich mir vorstelle, dass es so ist, dass einer der Angeklagten in irgend einer Art und Weise eine Beziehung zu einer Schöffin hatte, dann mach ich mir Sorgen, wie dieser Prozess noch weiter gehen kann", kommentierte die Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Das sächsische Justizministerium wollte sich zu dem konkreten Fall auf MDR-Anfrage nicht äußern.

Seit mehr als einem Jahr muss sich Benjamin Z. mit fünf weiteren Angeklagten vor dem Landgericht Dresden unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten. Die Gruppe steht unter Verdacht, an Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte und alternative Jugendklubs beteiligt gewesen zu sein. Dabei soll sie mit der rechtsterroristischen Vereinigung "Gruppe Freital" kooperiert haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 07. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 20:48 Uhr