exakt | 29.08.2018 Über das rechtsextreme Netzwerk in Chemnitz

Pro Chemnitz mobilisierte am Montag Rechtsextreme aus ganz Deutschland, in die sächsische Stadt zu kommen. Deren Mitglieder sind zum Teil bekannte Gesichter, die bereits früher aufgefallen sind.

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Das habe Daniel H. so nicht gewollt. Dessen ist sich ein Freund von ihm sicher. "Diese Rechten die das als Plattform nutzen, mit denen mussten wir uns früher Prügeln", schreibt er in einem Statement in sozialen Netzwerken. Der Hintergrund: Sie seien nicht deutsch genug gewesen. "Jeder der Daniel gekannt hat, weiß das dies unmöglich sein Wille gewesen wäre. Lasst euch nicht benutzen."

Doch genau das geschieht seit Sonntag. Seit der Nacht, in der Daniel H. erstochen worden ist. Zwei tatverdächtige Migranten sitzen in Untersuchungshaft. Die rechte Szene mobilisiert zu spontanen Demonstrationen. Gewaltbereite ziehen durch Chemnitz und es kommt zu Auseinandersetzungen.

Pro Chemnitz: Anhänger wilder Verschwörungstheorien?

Am Montag rief die Gruppe "Pro Chemnitz" zur sogenannten Trauerkundgebung auf. Die Bürgerbewegung sitzt mit drei Abgeordneten im Stadtrat von Chemnitz. "Wir fordern deutlich, dass sich hier Vieles ändert. Noch fordern wir. Aber wenn es die Politik nicht tut, dann tun wir es selbst", sagt Martin Kohlmann. Er ist ehemaliger Republikaner und einer der Gründer von Pro Chemnitz. Im Prozess gegen die rechtsterroristische Gruppe Freital war er einer der Verteidiger und fiel damit auf, dass er die Taten der Gruppe bagatellisierte.

Pro Chemnitz ist eine Ansammlung "von Menschen mit spinnerten Ideen", sagt Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen. Er kennt die Gruppe. Die Mitglieder glaubten an die wildesten Verschwörungstheorien. "Fremdbesatzung", fällt als Schlagwort. "Der Glaube daran, dass es eine Geschichtsfälschung der Bildung in Deutschland gibt - vor allem was die Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft angeht."

Militante Netzwerke in Chemnitz

Dem Aufruf von Pro Chemnitz folgten Tausende, neben aufgebrachten Bürgern und Neugierenen auch Rechtsextreme, Pegida-Fans und Hooligans. Der Rechtsextremismus-Experte Starosta erkennt hier eine gewachsene Struktur. "Das ist im bundesdeutschen Vergleich wirklich ein fast einzigartiger Umstand. Dass in solcher Kontinuität Netzwerke wirken." Chemnitz sei auch besonders, weil dort "sehr militante Netzwerke über so lange Zeit wirken konnten".

Doch es hört noch nicht auf. Am Dienstagabend ging die sogenannte Bürgerbewegung noch einen Schritt weiter. Auf ihrer Facebook-Seite haben sie den Haftbefehl von einem der Tatverdächtigen veröffentlicht. Der Mord an Daniel H. wird damit weiter instrumentalisiert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 29. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 23:02 Uhr

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