exakt | 15.08.2018 Der Neue im Dorf: NSU-Unterstützer Wohlleben

Der Terrorhelfer Ralf Wohlleben ist in einen Ortsteil der Gemeinde Elsteraue in Sachsen-Anhalt gezogen. Dort wohnt bereits ein anderer, bekannter Rechtsextremist.

Der Ort ist übersichtlich: Zwei Straßen, ein Bäcker und eine Kita – in diesem Dorf in der Gemeinde Elsteraue. Doch dort wohnen auch der Chef der rechtsextremen Artgemeinschaft und seit kurzem ein verurteilter Terrorhelfer, wie Recherchen von Zeit-Online und MDR-exakt ergeben haben.

Ralf Wohlleben ist vor kurzem in das Dorf im Burgenlandkreis gezogen. Seitdem fährt hier die Polizei regelmäßig Streife. Seit der Mann dort wohnt, der im NSU-Prozess wegen Beihilfe zum Mord zu zehn Jahren verurteilt worden ist.  Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, nach Prozessende kommt Ralf Wohlleben auf freien Fuß. Der Mann, der seit Jahrzehnten eine Größe in der rechtsextremen Szene ist. Der 43-Jährige war NPD-Funktionär und Organisator von zahlreichen Rechtsrock-Konzerten. Ein überzeugter Nazi, der sich gern bürgerlich gibt.

Über Wohlleben will niemand im Ort reden

Bürgermeister Andreas Buchheim.
Der Bürgermeister der Gemeinde Elsteraue: Andreas Buchheim. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die alteingesessenen Bewohner wollen über Wohlleben nicht reden. Mit Bürgermeister Andreas Buchheim seien die Gefährdungsszenarien nicht besprochen worden. "Wir als Gemeinde können da nichts machen", sagt er.

Das Innenministerium äußert sich nicht, für wie gefährlich es Ralf Wohlleben hält. Doch auch ohne den neuen Nachbarn steht der Ort schon lange im Visier des Verfassungsschutzes. Grund ist ein anderer Bewohner: Jens Bauer, ein guter Bekannter von Wohlleben. Der 37-Jährige ist ebenfalls ehemaliger NPD-Kader und war einer der führenden Köpfe der Magdeburger Neonazi-Szene.

Seit einiger Zeit zieht er die Strippen eher im Hintergrund – als Chef der sogenannten Artgemeinschaft. Eine neonazistische Organisation, die in den Fünfziger Jahren von einem ehemaligen SS-Mann gegründet wurde – und die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. "Dadurch dass wir Jens Bauer auch namentlich im Verfassungsschutzbericht erwähnen, kann man erkennen dass wir schon ein Hauptaugenmerk drauf legen", sagt der Leiter des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt, Jochen Hollmann. Man kenne und beobachte Bauer seit Jahren.

Die Verbindung zwischen Wohlleben und Bauer

Die Artgemeinschaft – das sind bundesweitbis zu 150 Personen. Die Mitglieder treffen sich auch zu Sonnenwendfeiern. Sie nennen ihre Familien "Sippe" und propagieren eine völkisch-rassistische Ideologie.

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Martina Renner
Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner. Bildrechte: Dirk Reinhardt/MDR

Nur - die Verbindung  zwischen Bauer und Wohlleben ist enger als eine reine Männerfreundschaft. Der NSU sah in der Artgemeinschaft offenbar eine Verbündete. 2002, neun Jahre bevor das Terrortrio aufflog, spendete es der Zeitung der Artgemeinschaft Geld. "Und dann gibt es diesen Spendenbrief des NSU, mit dem eine Summe, mehrere tausend Euro - 2500, 3000 Euro - an wichtige zentrale neonazistische Organisationen versandt wurde. Durch den NSU", sagt die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner. Das sei ein wichtiges Indiz für eine Verbindung zwischen NSU und der Artgemeinschaft.

Falls sich in dem kleinen Ort ein neues rechtsextremes Zentrum bildet, soll das zumindest dieses Mal nicht unbeobachtet sein, sagt Verfassungsschutz-Chef Hollmann. "Wir wissen, dass gerade um einzelne Personen, möglicherweise auch charismatische Personen, sich andere auch ansiedeln, angezogen werden, angesprochen werden. Das kann durchaus sein, dass sich dort etwas Größeres ergibt. Aber das würden wir auf jeden Fall mitbekommen."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2018, 18:14 Uhr

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8 Kommentare

16.08.2018 14:19 Janes 8

@mattotaupa 5: Ja, aber genau das ist das Schlimme! Ich kann bisher nur nicht die Motivation erkennen, warum sowas passiert. Was hat der Staat davon?

Womöglich ist noch nicht genug Zeit nach dem Dritten Reich vergangen.

Auf der anderen Seite meine ich, dass der Wohlleben seine Strafe verbüßt hat und-wie jeder andere Straftäter nach verbüßen der Strafe-es verdient hat, wieder in die Gesellschaft eingegliedert zu werden. (Auch wenn die Hoffnung, dass er nun redlich leben wird, nur klein ist)

16.08.2018 14:12 Irmela Mensah-Schramm 7

Ich würde mal sagen, packen wir den Verfassungsch(mu)tz dazu!
Gleich und gleich gesellt sich gern, denn das gnadenlose Versagen des Verfassunfgsschutzes & Staat überhaupt, hätte ohne Weiteres die Mordserie verhindern können, b.z.w. verhindern müssen, aber er finanzierte nachweislich mit den V-Leute-Geldern diese schrecklichen Verbrechen!

16.08.2018 13:34 mattotaupa 6

@#1: hexen sagte man zu unrecht magische fähigkeiten nach. hier handelt es sich einen magisch völlig unbegabten nachweislichen unterstützer von terroristen, welcher sich selbst aufgrund seiner bisherigen tätigkeiten als person des öffentlichen interesses aus der masse der bevölkerung hervorgetan hat. keine hexe weit und breit.

16.08.2018 13:24 mattotaupa 5

@#2: "Was für eine geniale Idee, die Rechtsterroristen alle in den selben Ort zu packen (die armen Einwohner!). " niemand packt die irgendwohin. gleich und gleich gesellt sich gern. die einwohner scheint es nicht weiter zu stören, die fühlten sich bislang auch wohl neben nazis. der staat unterstützt bestehende nazi-netzwerke indem er genau auf diese baute als er den nachweis eines arbeitsplatzes forderte und wußte, daß der landesweite bekannte terrorunterstützer nur von nem gesinnungsgenossen eingestellt wird. arbeitet ein nazi bei nem anderen nazi wird ihn das bestimmt auf den boden des grundgesetzes zurückführen - naja, zumindest die gerichte glauben daran. "Irgendwie beruhigt mich das nicht, wenn der Verfassungsschutz das beobachtet" keine sorge, wenn die was finden, schreiben die es auf und schreddern es dann. sollte ne leiche rumliegen, sehen die sie nicht, zahlen und kucken in die andere richtung und im zweifelsfall können die sich eh an nichts erinnern.

16.08.2018 13:17 Janes 4

@Sachse43: Hexenjagt...höhöhö....sehr sehr zynisch! Ich hoffe, das ist ein Witz.

16.08.2018 13:13 D.o.M. 3

Ich wollt schon immer mal nach Elsteraue.

16.08.2018 11:44 Janes 2

Was für eine geniale Idee, die Rechtsterroristen alle in den selben Ort zu packen (die armen Einwohner!).

Irgendwie beruhigt mich das nicht, wenn der Verfassungsschutz das beobachtet und es "mitbekommt", wenn sich da was Großes ergibt. Diese Formulierung klingt schon so verdächtig.

16.08.2018 11:23 Sachse43 1

Diese Hexenjagd ist schier unerträglich und erinnert mich an finsterste Zeiten.