Rührgerät RG28
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Exakt – Die Story | 08.08.2018 | 20:45 Uhr RG 28, WM 66 und Stern-Recorder - Comeback des DDR-Designs

Ein Film von Christian Bergmann und Alexander Ihme

Was manche für alt und verbraucht halten, gilt bei anderen heute als absolut angesagt. DDR-Design ist fast drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall gefragter denn je, und das sogar weltweit. "Exakt - Die Story" begibt sich auf die Suche nach den Letzten ihrer Art: DDR-Gebrauchsgegenstände wie RG 28, WM 66 oder Stern-Rekorder.

Rührgerät RG28
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In vielen Haushalten Ostdeutschlands ist der legendäre AKA electric RG 28 noch immer der heimliche Star in der Küche. RG steht für Rührgerät, die "28" für den 28. Entwurf. Produziert wurde der Rühr- und Mix-Profi von einem Ableger des VEB Elektrogerätewerkes Suhl in Zella-Mehlis. Viele Haushalte nutzen das betagte Multifunktionsgerät seit über 40 Jahren. Es funktioniert unbeirrt und sein Alter sieht man ihm oft nicht an. Einst wurde das Gerät laut TGL-Norm über Monate geprüft und musste Langzeittests absolvieren. Das zahlt sich bis heute aus.

Der RG28 soll Botschafter sein im In- und Ausland für Qualitätsarbeit aus unserem Land.

Generaldirektor Sigmar Müller, Elektrogerätewerk Suhl
Ein Schreibtisch mit Lampe, Wecker und Plattenspieler aus DDR-Produktion
DDR-Design: Lampe, Wecker und Plattenspieler. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ob RG 28, Komet KM 8, Stern-Rekorder, Bebo-Sher oder EW 58 - was manche heute für alt und verbraucht halten, ist bei anderen gefragter denn je, und das sogar weltweit. Timea Gremsperger lebt in Berlin ausschließlich vom Verkauf von DDR-Produkten.

Ihre Ware findet sie auf Flohmärkten, bei Haushaltsauflösungen und in leer stehenden Häusern. 80 Prozent der Kunden in Timeas Internetshop kommen aus dem "westlichen" Ausland, viele von ihnen sind jung. "Für die jüngere Generation ist es eine Rückschau in die gute alte Zeit, wo alles qualitativ hochwertig hergestellt wurde. Es ist keine Massenware, man möchte individuell sein, man kuschelt sich in die Ostalgie ein", erklärt sich Timea den Zuspruch auf ihr Angebot. Ihr Webshop "Mighty Vintage" hat mittlerweile 7.000 Fans aus aller Welt.

Die Menschen zieht nicht nur das Produkt an, sondern die Emotion, die Geschichte dahinter, dass sie in ihrem Wohnzimmer stehen und dazu was erzählen können, wenn Gäste kommen.

Timea Gremsperger

Los Angeles - Mekka des DDR-Designs

DDR-Design ist nicht nur in Europa gefragt, sondern auch in Asien und Nordamerika. Es gilt als exotisch, außergewöhnlich und ein bisschen exzentrisch. Was kaum einer weiß: Das Mekka für DDR-Produkte liegt mittlerweile in den USA. Im Wende Museum in Los Angeles rühmt man sich, die größte Sammlung an DDR-Produkten zu besitzen. Museumsdirektor Justin Jampol erkannte den Trend schon früh. Er begann Anfang der 1990er-Jahre, in den neuen Bundesländern zu sammeln. "Die Leute haben so etwas aufgehoben, weil es ihnen viel bedeutet hat", schwärmt er und fügt hinzu: "Die DDR-Sammler haben lieber mit einem Amerikaner gesprochen als mit benachbarten Westdeutschen, deswegen ist das Museum auch so schnell gewachsen. Wir waren nicht in diese innerdeutschen Kämpfe verwickelt.“

Als sein Museum aus allen Nähten platzte, stellte die Stadt Los Angeles ein neues, größeres Domizil zur Verfügung. Mittlerweile hat er über ein dutzend Angestellte. Sammler in Europa suchen für ihn nach neuen Artefakten. Dank großzügiger Unterstützung von Stiftungen ist Geld kein Problem. So kann man hier u.a. Vorbilder in Bronze, Ehrenteller und Originalgemälde der verschwundenen Kunstrichtung des sozialistischen Realismus bewundern.  

Wir haben den Osten immer mit Grau und Ernst verbunden, aber das, was mich am meisten überrascht hat, ist, wie farbenfroh, wie überschwänglich und übertrieben diese Stücke sind.

Sarah Lorenzon, Ausstellungskuratorin des Wende Museums in Los Angeles

Justin Jampol brachte mit "Beyond the Wall" gerade das umfassendste Buch heraus, das je über DDR-Produkte veröffentlicht wurde, mit elektronischen Zusatzfunktionen, die die Vergangenheit  erlebbar machen.

Eigenheim "Made in GDR"

In Almere in den Niederlanden baute der Künstler Ton Matton zusammen mit seiner Cousine Anne Matton ein Haus nach alten Plänen des DDR-Eigenheims EW58 auf.
Im Umfeld des EW58-Baus in Almere stehen noch andere Gebäude mit extravaganten Architekturen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

DDR-Architektur hat es zwar nicht über das große Wasser geschafft, aber immerhin bis in die niederländische Stadt Almere. Der in Brandenburg lebende Künstler und Stadtplaner Ton Matton sammelte im Osten Deutschlands Originaleile des DDR-Standard-Eigenheims EW 58 und baut derzeit in seiner Heimat alles zu einem kompletten Wohnhaus zusammen. Vor allem die Geschichten vom kreativen Hausbauen in der Mangelwirtschaft haben den Künstler bei seinem Projekt fasziniert. Das EW 58 und seine Folgetypen, wie das EW 65, sind unverkennbar. Mit meist quadratischem Grundriss, steilem Dach und leicht ausgestellter Traufe wurden sie bis 1989 zu Hunderttausenden gebaut.

Ganz originalgetreu ist der niederländische Nachbau allerdings nicht. Bauherrin Anne Matton, eine Cousine Ton Mattens und künftige Bewohnerin des Hauses, hat kräftig gemixt und eigene Ideen eingebracht: "Ein bisschen EW 58 und ein bisschen von mir. Ich muss hier leben und es muss zu mir passen. Aber ich mag die Kombination." Was sie mit dem DDR-Gefühl verbindet, ist wohl auch die Gemeinschaft: Gemeinsam arbeiten und gemeinsam feiern.

Das Wende Museum in Los Angeles Das Wende Museum enthält rund 100.000 Artefakte und Dokumente, die Alltag und politische Entwicklungen in Osteuropa und der Sowjetunion von 1945 bis 1991 widerspiegeln. Die Sammlung beherbergt eine Vielzahl an Medien, darunter eine komplette Ausgabe des "Neuen Deutschlands", außerdem Designobjekte, Haushaltsgegenstände, Spielzeug, Keramik, Gemälde, Skulpturen, Möbel und Textilien aus dieser Zeit. Eine audiovisuelle Sammlung bietet rund 6.500 Filme sowie tausende Dias, die DDR-Alltagskultur lebendig machen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - Die Story | 8. August 2018 | 20:45 Uhr (Wiederholung)

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2018, 08:25 Uhr

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