"exakt - Die Story" | 13.03.2019 | 20:45 Uhr Alte Masche Kaffeefahrt – Wie Betrüger Millionen scheffeln

Ein Film von Milan Schnieder und Jana Lindner

Noch immer fallen viel zu viele gutgläubige Senioren bei Kaffeefahrten auf betrügerische Angebote und Versprechungen herein. Die Anbieter nutzen Gesetzeslücken und rechtliche Grauzonen. "exakt - Die Story" gibt am Mittwoch, 13. März 2019, um 20:45 Uhr im MDR-Fernsehen Einblicke in die Machenschaften der Kaffeefahrten-Industrie.

Senioren steigen in einen Bus für eine sog. Kaffeefahrt
Noch immer fallen viel zu viele gutgläubige Senioren auf solche Angebote und Versprechungen herein. Deshalb kann die Kaffeefahrten-Industrie Expertenschätzungen zufolge einen Jahresumsatz im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich erwirtschaften. Bildrechte: IMAGO

"Sie denken jetzt vielleicht: '2.600 Euro sind ganz schön viel für diese Anti-Alzheimer-Kur.' Aber was kostet ein Platz im Pflegeheim? 3.000 Euro im Monat. Jetzt rechnen Sie das mal auf zehn Jahre hoch! Da würde ich an Ihrer Stelle nicht zweimal überlegen!", so klingt eine typische Werbemasche bei einer Kaffeefahrt.

Noch immer fallen viel zu viele gutgläubige Senioren auf solche Angebote und Versprechungen herein. Deshalb kann die Kaffeefahrten-Industrie Expertenschätzungen zufolge einen Jahresumsatz im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich erwirtschaften. Dafür steuern hunderte Reisebusse fast täglich abgelegene Gaststätten im ganzen Bundesgebiet an. Dort finden dann sogenannte "unterhaltsame Werksmessen" statt. Die meisten Teilnehmer sogenannter Kaffeefahrten lassen sich von Gewinnversprechen locken. Gleichzeitig lassen sie sich einschüchtern – aus Angst, eine vermeintliche Ausfallgebühr zahlen zu müssen, wenn sie nicht teilnehmen.

Wer pofitiert von der Betrugsmasche Kaffeefahrten?

Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich von der Polizeiinspektion Sachsen-Anhalt Halle
Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich von der Polizeiinspektion Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"exakt - Die Story" begleitet Evelin Sonntag (Name von der Redaktion geändert) bei einer solchen Kaffeefahrt. Die Seniorin hatte eine Einladung in ihrem Briefkasten gefunden. Guido Friedrich, Kriminalhauptkommissar der Polizeiinspektion Halle, ist Mitteldeutschlands Experte Nr. 1, wenn es um die Bekämpfung von Kaffeefahrten geht. Durch die Ermittlungsarbeit seines Teams konnten in den vergangenen Jahren mehrfach Geld- und Bewährungsstrafen für die betrügerischen Werbesprecher verhängt werden. Auch die Fahrt von Evelin Sonntag hat der Ermittler im Visier und macht sich mit acht Polizisten und drei Mitarbeitern des Gewerbeamtes auf den Weg dorthin.

Wirte und Busunternehmen profitieren von der Betrugsmasche "Kaffeefahrten". Deren Anbieter nutzen Gesetzeslücken und rechtliche Grauzonen, um Widerrufe zu erschweren und ihre Identität zu verschleiern. Das bisher geltende Gesetz zum Schutz vor unlauterem Wettbewerb reicht offenbar nicht aus, um ihre Machenschaften zu unterbinden. Deshalb gab es in der vergangenen Legislaturperiode eine Initiative des Bundesrates, die Gesetzeslage zu verschärfen. Doch konkrete Entscheidungen fehlen bis heute.

Die Reportage gibt einen Einblick in die alte Masche Kaffeefahrt und fragt nach Maßnahmen im Kampf dagegen.

Beamte der Polizeiinspektion Sachsen-Anhalt Halle ermitteln auf einer Kaffeefahrt.
Beamte der Polizeiinspektion Halle ermitteln auf einer Kaffeefahrt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/jr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 13. März 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 12:10 Uhr

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3 Kommentare

13.03.2019 23:37 Farina 3

Wo kann man ein Ticket für diese Veranstaltung kaufen? Also diese Vertriebsoffensive?

13.03.2019 21:26 Jürgen Friedhoff 2

Gegen Ende des Kaffeefahrten-Beitrags erklärt eine Teilnehmerin, dass es sich bei den Teilnehmern oft um "Wiederholungstäter" handelt, also um alte Menschen, die immer wieder daran teilnehmen und sehr genau wissen, was auf sie zukommt. Das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Kurz: Ich gehe davon aus, dass die Teilnehmer an Kaffeefahrten, die im übrigen seit Jahrzehnten durchgeführt werden und längst in der Bevölkerung als Synonym für trickreiche Verkaufsveranstaltungen gelten, sehr genau wissen, auf was sie sich einlassen. Und wenn es erlaubt ist, sein Geld in Spielkasinos zu verjubeln - warum dann nicht auch bei Kaffeefahrten?

13.03.2019 21:23 Kristian Krüger 1

Sind die Leute nach 30 Jahren immer noch so doooooof ?????????Mann sollte schon vor 25 Jahren gelernt haben. Traurig!