"exakt - Die Story" | 23.01.2019 | 20:45 Uhr Schwere Geburt – Notstand im Kreißsaal

Ein Film von André Strobel

Obwohl es deutschlandweit einen regelrechten Babyboom gibt, schließen immer mehr Geburtskliniken, und Hebammen beklagen immer schlechtere Arbeitsbedingungen. In dem Film gehen wir dieser Entwicklung auf den Grund. Der Autor trifft Eltern, die den Notstand am eigenen Leib zu spüren bekommen haben, er spricht mit Experten und begleitet Hebammen bei ihrer aufreibenden Arbeit.

Hände von Baby und Hebamme
Kindern auf die Welt zu helfen, wird für Hebammen immer mehr zum Knochenjob. Bildrechte: MDR/Julia Schäfer

Kinderkriegen ist wieder "in" in Deutschland. Ein erfreulicher Trend – sowohl in aufblühenden Städten wie Leipzig als auch in der Provinz. Doch der Babyboom trifft auf massives Kreißsaal-Sterben. In Zeiten, wo sich medizinische Behandlungen rechnen müssen, immer mehr Krankenhäuser privatisiert werden, stehen Kreißsäle auf der Schließungsliste ganz oben. Geburten sind einfach ein Minusgeschäft.

Exakt-Moderatorin Annett Glatz 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Deutschland gibt es immer mehr Geburten und gleichzeitig immer weniger Geburtsstationen. Ein Trend, der viele Probleme nach sich zieht.

Mi 23.01.2019 20:45Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/investigativ/themen/video-265890.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Immer weniger Geburtenstationen

Seit dem Jahr 2000 hat jede dritte Klinik in Sachsen-Anhalt ihre Kreißsäle dicht gemacht. Auch bundesweit gehen die Zahlen der Geburtenstationen zurück. Für die werdenden Eltern heißt das: Unsicherheit und Fahrtwege von 30 Kilometer und mehr in die größeren Entbindungskliniken. "Ich habe Angst, dass ich es nicht bis ins Geburtshaus schaffe", so die Befürchtung von Nancy Trapp aus Zerbst, wo erst kürzlich die Geburtsstation geschlossen wurde. Die großen Geburtsstationen wiederum werden immer voller. Hebammen beklagen, wie am Fließband arbeiten zu müssen.

ine Karte mit Geburtenstationen in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/Max Schörm
ine Karte mit Geburtenstationen in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/Max Schörm
ine Karte mit Geburtenstationen in Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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"Man macht es aus Liebe und Leidenschaft", sagt Susann Heinrich, mit Leib und Seele leitende Hebamme am DRK Krankenhaus im sächsischen Lichtenstein. Susann Heinrich hilft mit ihren acht Kolleginnen pro Jahr 550 Babys auf die Welt. Die Belastung ist immens, die Überstunden häufen sich, und es bleibt kaum Zeit für Pausen.

Bilder von den Dreharbeiten zur Reportage

Dreharbeiten auf Infoveranstaltung mit Arzt, der Publikum etwas erklärt
Besucher beim Kreißsaal-Rundgang im Universitätsklinikum Leipzig Bildrechte: MDR/André Strobel
Dreharbeiten auf Infoveranstaltung mit Arzt, der Publikum etwas erklärt
Besucher beim Kreißsaal-Rundgang im Universitätsklinikum Leipzig Bildrechte: MDR/André Strobel
Krankenhaus-Mitarbeiterin erklärt etwas und wird dabei gefilmt
Hebamme Stephanie Poppke beim Kreißsaal-Rundgang, links neben ihr Professor Dr. Holger Stepan, Leiter der Geburtshilfe am Uni-Klinikum – beide stehen den werdenden Eltern Rede und Antwort. Bildrechte: MDR/André Strobel
Hebamme sitzt auf Matte mit Babypuppe und erklärt etwas in einem Kurs
Die freiberufliche Hebammen Beatrix Reichenbach bei einem Schwangerschaftsvorbereitungskurs. Die Leipzigerin hat der Geburtshilfe den Rücken gekehrt und macht nun Vorsorge- und Wochenbettbetreuung. Bildrechte: MDR/André Strobel
Frau kniet vor anderer Frau und lächelt sie an
... dazu gehört auch die Akupunktur-Behandlung während der Schwangerschaft. Bildrechte: MDR/André Strobel
Eine dunkelhaarige Frau in Hebammen-Dienstkleidung.
Susann Heinrich ist leitende Hebamme auf der Geburtsstation im sächsischen Lichtenstein. Hier kommen pro Jahr ungefähr 550 Kinder zur Welt. Bildrechte: MDR/André Strobel
Blick in Kreißsaal mit Bett und Geräten
Geburtszimmer im Kreißsaal in Lichtenstein Bildrechte: MDR/André Strobel
Plüschente sitzt auf Handtuch, das auf einem Wickeltisch liegt
Willkommen Baby – Wickeltisch in einem Entbindungszimmer im Krankenhaus in Lichtenstein Bildrechte: MDR/André Strobel
Mutter mit zwei Kindern auf Spielplatz
Julia Kerner mit ihren beiden Töchtern Leah und Mira. Mira kam im Sommer 2017 in Berlin im Auto zur Welt. Bildrechte: MDR/André Strobel
Familie sitzt an Tisch in Wohnzimmer und wird dabei gefilmt
Dreharbeiten bei Julia Kerner und ihrer Familie in Berlin Bildrechte: MDR/André Strobel
Eine Rothaarige Frau mit Brille steht in einem Kinderzimmer.
Nancy Trapp ist werdene Mutter aus Zerbst und hat Angst, es nicht rechtzeitig zur Geburt ihres zweiten Kindes in das Geburtshaus nach Dessau zu schaffen. Bildrechte: MDR/André Strobel
Frau sitzt in einem Büro vor Bücherregal und Bild einer nackten Schwangeren
Ines Brock, Psychologin aus Halle: Sie betrachtet vor allem die psychologischen Folgen einer unruhigen und schlechten Geburt. Bildrechte: MDR/André Strobel
Frau steht auf der Straße und lächelt in die Kamera
Katharina Desery von der Elterninitiative Mother Hood e.V. kämpft mit ihren Mitstreitern für eine bessere Geburtshilfe in Deutschland. Bildrechte: MDR/André Strobel
Frau steht vor Tafel und erklärt etwas
Prof. Dr. Barbara Baumgärtner, Professorin für Hebammenwissemnschaften, bildet angehende Hebammen aus und spricht sich für deren Akademisierung aus. Bildrechte: MDR/André Strobel
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Schlechte Arbeitsbedingungen

Immer mehr Hebammen steigen deshalb aus der Geburtshilfe ganz aus, wie Therese Heuck und Franziska Brand. "Ich hatte nie Pausen, weil ich bis zu drei Geburten gleichzeitig betreut habe. Nachts wachte ich auf und hoffte, dass bloß niemand aus dem Krankenhaus anrufen würde, damit ich zur Hilfe komme", sagt Franziska Brand. Sie erlitt in der Zeit einen Burn-Out und hatte starke Essstörungen. 

Warum geht es den Hebammen so schlecht? Was muss und kann Politik dagegen tun? Welche Folgen hat der Stress unter der Geburt für Mutter und Kind? "Exakt - Die Story“ trifft Frauen und Männer, die den Hebammenmangel am eigenen Leib zu spüren bekommen, spricht mit Experten und begleitet Hebammen bei ihrer täglichen aufreibenden Arbeit.

Nuckel hängen an einem Baum vor einem Krankenhaus.
Trend: Babyboom trifft auf Kreißsaal-Sterben, und Hebammen sind chronisch überlastet. Bildrechte: MDR/André Strobel

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Quelle: MDR/jr/agz

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 23. Januar 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 10:34 Uhr

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