"exakt – Die Story" | 31.01.2018 | 20:45 Uhr Leben im Minus: Warum sich Junge hoffnungslos überschulden

Für Schuldnerberater spielen Konsumschulden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine große Rolle. Dahinter stehen auch oft schlechte Rahmenbedingungen, wie eine schlechte Ausbildung oder psychische Erkrankungen.

Leben im Minus – überschuldet
Jeder zehnte Deutsche hat so viele Schulden, dass das Einkommen nicht zum Zurückzahlen ausreicht. Bildrechte: Mia Media/MDR

"Ich war jung und naiv, habe auf Raten eingekauft und dann konnte ich nicht bezahlen", erinnert sich die 30-jährige Sylvana an ihren Kaufrausch als Teenagerin. In Folge konnte sie die Miete nicht mehr bezahlen, die Forderungen stiegen. Innerhalb von zwölf Jahren geriet sie mit rund 25.000 Euro ins Minus.

Für Schuldnerberaterin Katja Seidel aus Halle ist Sylvana ein typischer Fall. Denn Konsumschulden spielen bei den Jugendliche und jungen Erwachsenen eine große Rolle und manchmal ist hier "auch kein Unrechtsbewusstsein da." Aber dahinter stehen oft schlechte Rahmenbedingungen: "Die meisten, die zu uns kommen, sind schlecht ausgebildet oder haben gar keine Ausbildung". Auch psychische Erkrankungen belasten die Schuldner.

Schuldenberaterin Katja Seidel
Schuldnerberaterin Katja Seidel Bildrechte: Rita Kundt/MDR

Ich schätze, dass jeder Dritte hier in der Beratung psychische Probleme hat. Das nimmt zu. Studien zeigen übrigens auch, dass Schulden krank machen.

Werbeslogan: "Das Costa fast gar nix!"

Jeder zehnte Deutsche hat so viele Schulden, dass das Einkommen nicht zum Zurückzahlen ausreicht. Besonders bitter ist das für junge Menschen. Sie starten mit einem Schuldenberg ins Berufsleben, der ihnen manche Chance verstellt. Rund 1,66 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren sind betroffen.

Ragip Kurti, überschuldet durch Kaufrausch.
Ragip, überschuldet durch Kaufrausch Bildrechte: MDR/Tino Häusler

Mit 18 werden Jugendliche geschäftsfähig und dürfen Verträge abschließen. Dann müssen sie erstmals auch den Alltag, zum Beispiel Wohnung und Mobilität, selbst bezahlen. Sie sind gern gesehene Konsumenten, die von der Wirtschaft stark umworben werden. Sonderangebote, Rabatt- und Ratenkäufe, Online-Angebote und einfache Kreditversprechen verlocken zum Kaufen, denn – so ein Werbeslogan – "Das Costa fast gar nix!" Aber so mancher überforderte junge Erwachsene bezahlt seine Wünsche eben mit Schulden. Und selbst dann wird er noch Zielscheibe von Unternehmen, die beispielsweise "Kredite ohne Schufa" anbieten.

Überschuldung als System?

Hat die Überschuldung also vielleicht auch System? Ob sorglos oder zufällig in der Schuldenfalle – die Probleme dieser Jungen wirken sich auf die Gesellschaft aus. Welche Werte gehen verloren? Welche Kosten entstehen durch Überschuldung? Welche Lösungen gibt es? Autorin Rita Kundt geht für "exakt - Die Story" markanten Fällen nach.

Philipp Tesch, durch Vaterschaft überschuldet
Philipp, durch Vaterschaft überschuldet Bildrechte: Daniel Laudowicz/MDR

Ein Film von Rita Kundt

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Quelle: MDR/jr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt – Die Story | 31. Januar 2018 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 15:28 Uhr

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1 Kommentar

31.01.2018 20:56 Atze 1

Der Psychologe sprach von " Materialismus" in diesem Zusammenhang, aber Konsum ist der richtige Ausdruck.
Materialismus ist der Gegensatz zu Idealismus.
MfG