Exakt vom 31.08.2016 Randale in Leipzig - die Hooligan-Liste

Im Januar hatten über 250 rechte Schläger in Leipzig Connewitz gewütet - Läden verwüstet, Scheiben eingeschlagen, Passanten bedroht. Auf der Täterliste stehen auch Kampfsportler aus der Region.

Polizisten stehen am 11.01.2016 im Stadtteil Connewitz in Leipzig (Sachsen) vor zerbrochenen Fensterscheiben und verwüsteten Müllcontainern. Rund 250 vermummte Hooligans haben am Montagabend in dem Leipziger Stadtteil randaliert. 6 min
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Do 16.08.2018 14:25Uhr 06:03 min

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Vergangenen Sonnabend im Leipziger Kohlrabizirkus. Eine Kampfnacht der harten Sorte, hochprofessionell aufgezogen. Was zunächst wie brutales Prügeln aussieht, nennt sich MMA, Mixed Martial Arts - eine Mischung verschiedener Kampfsportarten. Beim MMA sind sogar Schläge am Boden erlaubt - aber es gibt auch Regeln, auf deren Einhaltung genau geachtet wird.

Draußen, vor dem Wettkampfgelände protestieren 1.000 Linke. Im Leipziger Stadtteil Connewitz ist die Gegendemo losmarschiert. Im linksalternativen Viertel, wo Anfang des Jahres ein Block rechter Hooligans mehr als 20 Läden beschädigt hatten. In einen Döner-Laden warfen sie sogar eine Kugelbombe. Roman Schreiber von der Kampagne "Rechte Netzwerke zerschlagen" erhebt schwere Vorwürfe gegenüber einigen Freefightern.

Diese Hooligans waren am 11. Januar daran beteiligt, Angriffe auf alternative Projekte im Stadtteil Connewitz durchzuführen. Darunter waren auch einige Leute, die heute Abend bei der Imperium Fighting Championship als Kämpfer auftreten.

Roman Schreiber, Kampagne "Rechte Netzwerke zerschlagen!"

Am Abend selbst ist die Kämpferriege bunt gemischt, bunter als das Publikum. Im VIP-Bereich haben es sich einige Hells Angels bequem gemacht. Veranstalter Mario Hoffie hat sich vor kurzem in die Kampfsport-Veranstaltungsreihe eingekauft. Die Politisierung von außen nervt den Geschäftsmann aus Eilenburg.

Im Grunde genommen sind das Gerüchte, die Einpeitscher im Internet verbreiten. Und wenn dann solche Ergebnisse wieder draußen sind, geht das Volk auf die Straße geht. Aber im Grunde sind das bis jetzt immer haltlose Vorwürfe.

Mario Hoffie, Veranstalter

Alles nur Gerüchte? Exakt liegt die Liste der 215 Hooligans vor, die im Januar nach dem Angriff in Connewitz von der Polizei festgesetzt wurden. Gegen alle laufen Ermittlungen wegen besonders schweren Landfriedensbruchs. Unter den Beschuldigten sind mehrere Kampfsportler aus Thüringen, aus Dresden - und drei, die an diesem Abend in Leipziger Kohlrabizirkus im Ring stehen: Timo F., Marcus K. und Christopher H., waren bei dem Angriff auf Geschäfte und Kneipen in Connewitz dabei. Sie alle gehören zum einheimischen Imperium Fight Team von Benjamin Brinsa. Was sagt der Trainer und Manager dazu?

Zu den Vorwürfen muss ich eins sagen: Es sind laufende Ermittlungen, ich möchte das auch nicht weiter kommentieren, weil, egal was ich sage, egal wie ich das versuche zu rechtfertigen oder auch nicht, die Wahrheit wird sich irgendwann herausstellen. Ich würde sagen, wir müssen uns alle in dieser Stadt etwas wieder runterfahren.

Benjamin Brinsa, Trainer IFT Eilenburg

In Leipzigs linker Szene halten ihn einige für den Drahtzieher des Überfalls. Seine Vergangenheit als rechtsextremer Fußball-Hooligan von Lok Leipzig kostete den talentierten Kampfsportler seine Profi-Karriere in den USA. Die Verdächtigungen im Fall Connewitz empören ihn. Doch die enge Bindung zwischen Hooligans von Lok Leipzig und Brinsas Team ist auch im Kohlrabizirkus nicht zu übersehen. Einige aus dem Fan-Block gehörten zu den rund 40 Lok-Leipzig-Fans, die am Überfall auf Connewitz beteiligt waren. Wie sich die komplette Angreifergruppe vom 11. Januar zusammensetzte, hat der Hooliganismus-Forscher Robert Claus analysiert.

Also der 11. Januar hat vor allem gezeigt, wie etabliert die Netzwerke sind aus Mitgliedern rechtsextremer Parteien und Kameradschaften bis hin in die Fußballfanszene hin in eine Szene von Gewalttätern, Kampfsportlern. Das zeigt, wie man sich punktuell zusammenfindet, gegen einen gemeinsamen Feind vorgeht und sich in Gewalt auslebt.

Robert Claus, Hooliganismus-Forscher

Der Angriff auf die linke Hochburg Connewitz zog auch als Führungskader der NPD-Jugendorganisation JN erprobte Neonazis an - zum Beispiel Felix F. aus Heidenau. Mitglieder militanter Organisationen stehen ebenfalls auf der Liste: Die Berliner Tim W. und Tom S. gehörten zum Führungszirkel der "Weiße Wölfe Terrorcrew", wie aus der im März durchgesetzten Verbotsverfügung des Bundesinnenministers hervorgeht. Nicht entgehen ließ sich den 11. Januar auch eine aktive Dresdner Kameradschaft, die vergangenen Sommer mit anderen vor der Zeltstadt für Asylbewerber in Dresden Polizisten angriff.

Der Angriff auf Connewitz erfolgte zeitgleich zum ersten Legida-Geburtstag in der Innenstadt. Die Sicherheitsbehörden hatten einschlägige Kameraden dort erwartet und wurden völlig überrumpelt, erklärt Martin Döring vom Sächsischen Verfassungsschutz.

Bekannt war, dass Rechtsextremisten, auch hochgradig gewaltbereite Rechtsextremisten den ersten Jahrestag Legida nutzen werden, um aktiv zu werden. Allerdings entschloss man sich offenbar sehr kurzfristig, über die sozialen Medien zu mobilisieren und speziell zu diesem Versammlungsort in Connewitz aufzurufen. Davon wurden die Sicherheitsbehörden in der Tat überrascht.

Martin Döring, Sprecher Verfassungsschutz Sachsen

Zurück zum Kohlrabizirkus: Nazischläger, die auch in Connewitz dabei waren, sind heute Abend klar in der Minderheit. Um den Einfluss von Neonazis zurückzudrängen, muss der etablierte Sport die Ausgrenzung dieser Kampfsportart beenden, fordert der Hooliganismus-Forscher Robert Claus.

Man braucht einen organisierten Zugriff. Darüber, wer darf Kämpfe ausrichten, was müssen diese Organisationen für Auflagen erfüllen, um Kämpfe ausrichten zu dürfen? Was für Ansprüche werden an Sponsoren gestellt? Die Sportart für sich als Sport auch anzuerkennen und anzunehmen und eben auch Einfluss zu entwickeln darauf, wie sich die Szene entwickelt.

Robert Claus, Hooliganismus-Forscher

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2018, 14:40 Uhr

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