exakt | 15.03.2017 Oldschool Society - Schwätzer oder Terroristen?

Am Münchner Oberlandesgericht. Sind diese Angeklagten Mitglieder einer terroristischen Vereinigung? Nach fast einem Jahr endet der Prozess gegen vier führende Mitglieder der rechtsextremen Oldschool Society mit Haftstrafen von drei bis fünf Jahren. Während die Köpfe der OSS ins Gefängnis müssen, kursiert ihr Rekrutierungsclip weiter im Internet.

Wie sah es im Inneren der Organisation aus? Wir treffen Jeff Fitzek, einen OSS-Aussteiger. Jahrelang war er bekennender Rechtsextremist. Der Mann stammt aus Sachsen-Anhalt.

2014 hatte der heute 29-Jährige hatte seinen ersten Kontakt zur Oldschool Society über eine WhatsApp-Gruppe. Da er bereits in der rechten Szene politisch aktiv war, stieß man bei Fitzek auf offene Ohren.

Frohburg bei Leipzig. Die Kleingartensparte "Sommmerfreude". Im Herbst 2014 kommen hier die Mitglieder der ominösen rechtsextremen Organisation zusammen. Darunter ist der so genannte OSS-Präsident Andreas H., ein Malermeister aus Augsburg. Markus W. aus Borna ist der Gartenpächter und wird zum OSS-Vize ernannte. Ebenfalls zum harten Kern gehört der Bochumer Neonazi Olaf O. und die 22-jährige Denise G. aus Roßwein. Auch Jeff Fitzek gehört zu diesem Zeitpunkt schon dazu.

Ab dem Treffen ging dann so eine gewisse Radikalisierung durch die Gruppe. Wo dann auch überlegt wurde, wie kann man was machen, wurde dann mal so bei YouTube-Videos angeguckt von Labombas und von Cobraböllern usw. Was die für eine Sprengkraft haben. Wie das so funktioniert. Was man da eventuell so bei Autos anrichten kann oder bei Scheiben, bei Politikern, bei Büros.

Jeff Fitzek, OSS-Aussteiger

Über das Internet tauschen sich die OSS-Kameraden über mögliche Aktionen aus. Sie wähnen sich unbeobachtet. Dabei werden sie längst überwacht. Die Pläne reichten von Anschlägen auf prominente Kirchen bis hin zu Mord. - Menschenverachtende Gewaltphantasien oder konkrete Anschlagspläne? Wann wird eine Gruppe zur terroristischen Vereinigung? Rechtsexperte Mark Zöller kennt die Kriterien.

Im Wesentlichen unterscheidet sich die terroristische Vereinigung von der kriminellen Vereinigung durch die Schwere der Straftaten, die geplant worden sind. Eine kriminelle Vereinigung zeichnet sich dadurch aus, dass sich Personen zusammengeschlossen haben, um irgendwelche Straftaten zu begehen. Wenn aber besonders schwere Straftaten begangen werden sollen, wie z.B. Mord oder Totschlag, dann wird aus der kriminellen Vereinigung eine terroristische.

Prof. Mark Zöller, Rechtswissenschaftler, Universität Trier

 Im Januar 2015 gibt es die OSS-Vereinigung nun schon zweieinhalb Monate. Und die Rechtsextremisten, sie wähnen sich im Aufwind. In Leipzig mobilisiert der Pegida-Ableger tausende Asylgegner. Unter den Demonstranten ist an diesem Abend auch Jeff Fitzek. 

Seit Pegida und Legida haben sie definitiv gesehen, dass ein Rutsch durch Gesellschaft geht, dass man definitiv ein paar Leute rausfischen kann aus diesem Pulk. Es hat schon motiviert um auf Demos zu gehen, um für die OSS zu werben.

Jeff Fitzek, OSS-Aussteiger

Ende Januar muss Jeff Fitzek eine mehrmonatige Haftstrafe absitzen. Seine OSS-Kameraden schreiben ihm ins Gefängnis. Kündigen für Mai ein Treffen in Borna an. Ermittler glauben, der OSS will ernst machen und Anschläge verüben. Einen Tag vor dem Treffen wird die Organisation hochgenommen. Mit Hilfe eines Aussteigerprogramms konnte Jeff Fitzek die Nazi-Szene verlassen. In München hat er gegen seine einstigen OSS-Kameraden ausgesagt.

Bevor Personen oder Sachschäden entstanden wären, bin ich froh, dass diese Leute mittlerweile hinter Schloss und Riegel sitzen. Ich hoffe, nachdem Urteil werden sie noch länger drinnen sitzen.

Jeff Fitzek, OSS-Aussteiger

 Das OSS-Urteil von München soll ein Signal sein: Rechtsterrorismus beginnt schon bei der Planung von Anschlägen. 

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2017, 10:58 Uhr

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