Umstrittenes Pflanzenschutzmittel Experten stufen Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein

Der  von Landwirten und Kleingärtnern in Deutschland massenhaft eingesetzte Pflanzenschutz-Wirkstoff Glyphosat ist erneut in die Diskussion geraten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Vereinten Nationen - IARC - hat das Pflanzengift als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Damit kommen die Experten zu einer anderen Bewertung als deutsche Behörden. Denn das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin hält das Herbizid für ungefährlich für den Menschen.

Glyphosat wird weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt, um zum Beispiel Unkraut zu vernichten. Dabei gelangt es in Nutzpflanzen, die etwa zu Nahrungsmitteln für Menschen oder zu Futtermitteln für Tiere verarbeitet werden - und über die Nahrungsaufnahme letztlich in den menschlichen Körper. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 6.000 Tonnen Glyphosat versprüht - vor allem in der Landwirtschaft, aber auch von Hausbesitzern und Kleingärtnern zur Unkrautbekämpfung.

Eine IARC-Expertengruppe hat das Herbizid in die Gruppe 2A eingestuft. Diese Einstufung gilt für Stoffe, die "wahrscheinlich kanzerogen für den Menschen" - die zweithöchste Gefährdungsklasse. Die Experten stützen sich mit ihrer Einschätzung auf Ergebnisse von experimentellen Studien.

Alarmierende Ergebnisse in Argentinien

In Argentinien, wo Glyphosat flächendeckend beim Anbau von Soja für Tierfutter eingesetzt wird, haben Untersuchungen im Jahr 2010 eindeutige Ergebnisse hervorgebracht. Die Kinderärztin Analia Otano sagte FAKT, im Norden des Landes sei in bestimmten Anbauregionen eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Krebserkrankungen bei Kindern festgestellt worden. Die Kommission führte das auf massiven Pestizid-Einsatz, unter anderem von Glyphosat zurück.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner fordert nun, dass die Zulassung von Glyphosat in Deutschland ausgesetzt wird. Zumindest die Sikkation und der Verkauf des Herbizids in Baumärkten für Haus- und Kleingärten müssten beendet werden, sagte er FAKT. Bei der Sikkation wird Glyphosat kurz vor der Ernte auf Feldern aufgebracht, um den Reifeprozess von Kulturpflanzen zu beschleunigen und Unkraut abzutöten.

Zulässige Höchstmengen von Glyphosat In Deutschland sind laut Rückstands-Höchstmengenverordnung folgende Höchtsmengen von Glyphosat in Getreide erlaubt:

Gerste / Hafer: 20 mg pro Kilogramm
Roggen / Weizen: 10 mg pro Kilogramm
Soja: 20 mg pro Kilogramm

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2015, 15:46 Uhr

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12 Kommentare

02.04.2015 09:48 Rigo Plauen 12

Seit17 Jahren schlucke ich Kapseln aus 18 Sorten vollreifem Obst und Gemüse aus kontrolliertem Anbau um meine Immunabwehr zu stärken und den Vitaminmangel in der täglichen Nahrung zu ersetzen. Es geht mir gut.

01.04.2015 23:17 Rolf-Herbert MÜLLER 11

Seit etwa 2 Jahren, verstärkt seit gut 1 Jahr finde ich bei fast jedem (!) Neupatienten in meiner Praxis f. Allgemeinmedizin eine Belastung von Glyphosat & Tallowamine. Die Symptome können sehr diffus sein: es müssen keine Bauchbeschwerden sein, eher Zunahme von allg. Unwohlsein, Müdigkeit, Schwäche.... Bedenklich ist eine Zunahme von vielen einzelnen Substanzen, deren alleiniges Vorkommen keine Symptome machen muß, jedoch ist neueren wissenschaftlich-toxikologischen Erkenntnissen zufolge
eine nicht kalkulierbare Potenzierung durch das Vorhandensein mehrerer Substanzen bewiesen. Das bedeutet, Grenzwerte einzelner potentieller Gifte haben keinerlei Aussagekraft & sollen die Bevölkerung in falscher Sicherheit wiegen.
Jeder möge sich informieren und hinterfragen, warum Krebserkrankungen jährlich zunehmen, insbesondere diese immer früher auftreten.
Ebenso verhält es sich mit neurologischen Erkrankungen, wie die Muliple Sklerose.

01.04.2015 11:37 Dienemann 10

Man sollte unseren Damen und Herrn Politikern doch einfach male ein Glas davon hinstellen, bitte trinken !!!!!!!! Die verarschen uns alle !!!!
Ein medizinischer Insider packt aus, das Buch müsst Ihr lesen.

01.04.2015 11:04 Helmut Duffing 9

Glyphosat gelangt über Gensoja als billiges Tiermastfutter in unsere Nahrungskette. Gibt es politische Institutionen, die uns davor schützen? Werden durch TTIP die Tore Europas für Gensoja und Round Up sowie andere glyphosathaltige Herbizide weiter geöffnet? Die Studien aus Argentinien über die Auswirkungen von Glyphosat auf die Menschen sind erschütternd und auf ARTE zu sehen bzw. zu lesen!

01.04.2015 10:25 Ernst Rühmann 8

Ihr Bericht über Glyphosat spricht Bände. Wieder einmal stellt sich heraus, dass ein Bundesamt, wie das für Risikobewertung, ebenso fehl am Platz ist, wie seinerzeit das Gesundheitsamt. Firmen wie Monsanto haben überall ihre Fürsprecher, und dabei ist wiederholend erwiesen, welche Machenschaften diese Firma an den Tag legt. Und in Deutschland erhalten wir in Zukunft USA-Produkte auf den Tisch, die nach Ratifizierung von TTIP schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen können. Es ist einfach beschämend wie man als Bürger von Beamten und Politikern verarscht wird. Wann gibt es endlich ein Umdenken im Sinne der Bürger ? Die Gesundheit der Bürger bleibt, trotz Wissen der Gefährlichkeit bestimmter Monsanto-Produkte, wegen Raffgier und Korrution auf der Strecke.

01.04.2015 10:16 Oliver Eisele 7

Seit über 40 Jahren sprühen wir das Gift auf unser Essen - wann werden wir kapieren, dass das nicht gut sein kann?

01.04.2015 06:34 Selhorst 6

Man muss davon ausgehen, dass Städte und Gemeinden das Totalherbizid auf ihren Flächen in großem Umfang einsetzen. Damit wird die Gesundheit derjenigen, die das Mittel ausbringen als auch der Bevölkerung wissentlich gefährdet.
Städte und Gemeinden müssen auf den Einsatz des Mittels verzichten und zu einer ökologischen Bekämpfung zurückfinden!

01.04.2015 05:35 RB 5

Erschreckend, diese Vorgehensweise der Industrie...
Leider ist mein Vertrauen in die Politik, sich für Interessen der Bürger bzw. der Wähler einzusetzen, sehr gering. Häufig stehen wirtschaftliche Interessen von globalen Konzernen im Vordergrund dieser Entscheidungen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Politik dem Druck aus der Industrie bzgl. der Genehmigung für die kommenden 10 Jahre erfolgreich widersetzt.

01.04.2015 00:32 Guido Stepken 4

Mit der Unterzeichnung des "Freihandelsabkommens" TTIP führen wir eine sog. "Beweislastumkehr" bei uns ein.

Nicht mehr der Hersteller muss die Unbedenklichkeit nachweisen, sondern man muss selber nachweisen, woran man gestorben ist. Ohne Geld für Gutachter, Gerichte und reiche Erben ist der Beweis daher kaum zu führen.

31.03.2015 23:39 Markus Schladt 3

Im Artikel wird die Gefährlichkeit von Glyphosaten mit der Einstufung in Gruppe 2A "wahrscheinlich kanzerogen für Menschen" durch die IARC begründet und dies gegen die Einschätzung der Bundesbehörde als unbedenklich für Menschen gestellt. Dies ist aber kein Gegensatz. Die Einstufung der IARC ist eine rein qualitative und sagt wenig über die tatsächliche Gefährlichkeit aus. In Gruppe 1 "krebseregend für Menschen" findet sich neben Plutonium auch Holzstaub, Lederstaub, Sonnenlicht und Alkohol in Getränken. Und in Gruppe 2A findet sich heißer Mate. Die Gefährlichkeit ergibt sich aus der Dosis und der Exposition. Das findet man in 5 min auf der IARC Homepage - wenn man will.