Exakt die Story Glyphosat - Tote Tiere, Kranke Menschen
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FAKT Interview Neue Enthüllungen bringen Wissenschaftler in Bedrängnis

Exakt die Story Glyphosat - Tote Tiere, Kranke Menschen
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Das umstrittene Pflanzengift Glyphosat steht unter Verdacht, Krebs zu erregen. Der US-Hersteller Monsanto muss sich jetzt mit neuen Vorwürfen auseinandersetzen. Der Konzern soll versucht haben, Einfluss auf unabhängige Forschung zu nehmen. Zumindest legen das interne E-Mails von Mitarbeitern der Firma Monsanto nahe, die in den USA veröffentlicht wurden. Renommierte Wissenschaftler sollen ihren Namen für Studien gegeben haben, die in Wahrheit ganz oder in Teilen von Monsanto-Mitarbeitern verfasst wurden. Sowohl das Unternehmen als auch die verdächtigten Wissenschaftler bestreiten, dass ein solches "Ghostwriting" stattgefunden hat. - Wie unabhängig von Industrieinteressen haben Glyphosat-Experten ihre Entscheidungen gefällt?

In einer E-Mail wurde unter anderem der deutsche Toxikologe Professor Helmut Greim genannt. Er ist Autor zweier Studien zu Glyphosat, die bezüglich Krebsrisiken Entwarnung geben.

FAKT-Autor Andreas Rummel hat dem Wissenschaftler Helmut Greim dazu schriftlich folgende Fragen gestellt:

Was sagen Sie zu dem Inhalt der E-Mail, der nahelegt, dass Sie als Autor einer Veröffentlichung zeichnen, deren Vorlage aus der Feder von Monsanto-Autoren stammt?

Helmut Greim
Prof. Helmut Greim Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was Monsanto intern besprochen hat oder vorgesehen war, weiß ich nicht. Richtig ist, dass Mitarbeiter von Monsanto bei mir angefragt haben, ob ich den Entwurf eines Manuskriptes überprüfen könne, in dem die vorliegenden und die bisher nicht veröffentlichten Tierversuche zur Kanzerogenität von Glyphosat beschrieben werden. Dem habe ich zugesagt. Da sich Text und Inhalt jedoch für eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift als ungeeignet erwiesen, benötigte es etwa ein Jahr intensiver Diskussionen, bis Monsanto alle erforderlichen Informationen zusammengestellt und vorgelegt hatte, so dass das Manuskript schließlich bei einer Fachzeitschrift eingereicht werden konnte. Nach erneuter Begutachtung durch die Experten des Herausgebers wurde es in "Critical Reviews of Toxicology 2015" veröffentlicht. Von Absegnung eines vorgefassten Textes kann also keine Rede sein.

Wie kommentieren Sie die Tatsache, dass der Inhalt der E-Mail darauf abhebt, vor allem den Namen von Wissenschaftlern (inklusive Ihres Namens) auf die Publikation zu bekommen?

Siehe oben. Allerdings kann es grundsätzlich hilfreich sein, wenn zunächst ein Text vorgelegt wird, der dann weiter bearbeitet werden kann.

Sie zeichneten auch als Hauptautor einer Studie aus dem Jahr 2015 (Greim et al, Evaluation of carcinogenic potential of the herbicide glyphosate, drawing on tumor incidence data from fourteen chronic/carcinogenicity rodent studies. Crit Rev Toxicol 2015; 45:185-208). Bei der Expertenanhörung vor dem Bundestagsausschuss für Landwirtschaft im September 2015 sagten Sie, Sie hätten dafür 3.000 Euro erhalten. Dies erscheint angesichts der Arbeit, die für eine Studie dieses Umfangs und Inhalts nötig sein dürfte, eher wenig. War es auch in diesem Fall so, dass ein bereits vorgefertigter Text von Monsanto redigiert wurde?

Der Betrag wurde vorab so vereinbart. Dabei bin ich nicht davon ausgegangen, dass der zeitliche Aufwand, den Text und die notwendigen Informationen für eine Veröffentlichung aufzubereiten, derartig aufwendig sein wird.

Können Sie uns mitteilen, welche Summe Sie für Ihre Mitwirkung an einer weiteren Studie zum Risikoprofil von Glyphosat (bezüglich Kanzerogenität) aus dem Jahr 2016 erhielten (Gemeint: Williams et al, A review of the carcinogenic potential of glyphosate by four independent expert panels and comparison to the IARC assessment, Crit Rev Toxicol 2016; 51: 3-20)

Etwa doppelt so viel wie bei der ersten Veröffentlichung.

Aus dem politischen Raum ist zu hören, dass Sie durch den Inhalt dieser Monsanto-Mails diskreditiert seien, Ihr Gewicht als Experte, den man zur Expertenanhörung im Bundestagsausschuss eingeladen habe, sei beschädigt – geradezu von "Fake" oder "Junk-Science" ist die Rede. Wie kommentieren Sie das?

Die so argumentierenden Politiker sollten zur Kenntnis nehmen, dass ich keinen vorgefertigten Text abgesegnet habe, sondern in monatelangen Diskussionen und Forderungen, alle erforderlichen Daten vorzulegen, schließlich erreichen konnte, dass ein Manuskript in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Damit sind erstmalig alle vorhandenen Langzeitstudien zum Glyphosat zur weiteren Diskussion öffentlich verfügbar gemacht worden.

Allerdings, wer nicht sagt, was man hören möchte, wird diffamiert, egal, welche Fakten vorliegen.