Der Journalist Nikolaus Dominik betrachtet bei einem Arztbesuch das anatomische Modell eines menschlichen Herzens.
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Ratgeber Organspende: Das sollten Sie wissen

Der Journalist Nikolaus Dominik betrachtet bei einem Arztbesuch das anatomische Modell eines menschlichen Herzens.
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Seit Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes von 2012 gelten in Deutschland für Krankenhäuser und Versicherer neue Regeln. So müssen Krankenhäuser mit Intensivstationen sogenannte Transplantationsbeauftragte bestellen, die für die Koordination der Organspende und Beratung der Angehörigen zuständig sind. Zudem sind Transplantationszentren seitdem verpflichtet, der Prüfungskommission der Bundesärztekammer alle Unterlagen vorzulegen. Auch Lebendspender betrifft das Gesetz. Sie haben damit Anspruch auf eine sechswöchige Lohnfortzahlung, profitieren von einem erweiterten Unfallversicherungsschutz und können Ansprüche gegenüber der Krankenkasse des Organempfängers erheben.

Ein Spender, sieben Leben

Zu den Organen, die sich für eine Spende eignen, zählen Herz, Leber, Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Nach Angaben von Experten kann ein Spender damit theoretisch sieben Menschenleben retten. Zudem lassen sich noch weitere Bestandteile des Körpers entnehmen, darunter Herzklappen, Augenhornhaut, Teile der Haut, Teile der Blutgefäße, Knochengewebe, Knorpelgewebe sowie Sehnen. Zum Teil werden diese Gewebespenden zur Herstellung von Arzneimitteln bzw. in der Schönheitschirurgie verwendet. Wer das für sich ausschließen möchte, sollte dies auf dem Organspendeausweis vermerken.

Immer dabei: Der Ausweis

Organspendeausweis und Stethoskop.
Auf dem Organspendeausweis kann man einer Spende nicht nur zustimmen, sondern auch widersprechen. Bildrechte: imago/imagebroker

Organspendeausweise sind kostenlos bei Krankenkassen, in ausgewählten Arztpraxen und Apotheken erhältlich, können aber auch aus dem Netz heruntergeladen werden, beispielsweise auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Auf dem Ausweis kann man sein Einverständnis zur Organ- und Gewebespende generell erteilen, auf bestimmte Organe oder Gewebe einschränken oder einer Spende ganz und gar widersprechen. Bereits Minderjährige dürfen einen Organspendeausweis besitzen. Ab dem 14. Geburtstag kann man einer Organ- bzw. Gewebeentnahme widersprechen, ab dem 16. Geburtstag darf man sich dazu bereiterklären. Für Kinder unter vierzehn Jahren entscheiden in jedem Falle die Eltern.

Wichtig: Wer seine Einstellung zwischenzeitlich ändert, muss die alte Erklärung vernichten und ein neues Dokument ausfüllen. Egal, wofür man sich entscheidet: Man sollte den Ausweis möglichst immer bei sich tragen. Die Daten sind an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt.

Fehlt der Ausweis, gilt in Deutschland die sogenannte erweiterte Zustimmungsregelung: Danach müssen im Falle eines Hirntods die Angehörigen im Sinne des Betroffenen für oder gegen eine Organspende entscheiden.

Unumkehrbarer Ausfall der Hirnfunktionen

Neben der vorliegenden Zustimmung des Patienten bzw. seiner Angehörigen zu einer Organ- bzw. Gewebeentnahme muss laut Transplantationsgesetz eine zweite Voraussetzung erfüllt sein: Der Hirntod des Patienten muss festgestellt sein. Die Diagnose bedeutet den unumkehrbaren Ausfall der Funktionen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Herz- und Kreislauffunktionen des Patienten werden dabei künstlich aufrechterhalten. Nur in wenigen Fällen tritt der Hirntod vor dem Herzstillstand ein; die meisten Fälle von Hirntod treten durch Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Traumata oder Hirntumore auf.

Die Feststellung des Hirntods erfolgt nach den Richtlinien der Bundesärztekammer. Dabei muss der Patient unabhängig voneinander durch zwei erfahrene Ärzte untersucht werden. Beide dürfen weder an der Entnahme noch an der Weitergabe der Organe beteiligt sein.

Eurotransplant vermittelt die Organe international

Blick auf eine Operation
Vor einer Transplantation werden zum Schutz des Empfängers akute Krebserkrankungen bzw. HIV-Infektionen ausgeschlossen. Bildrechte: colourbox

Ist der Hirntod bei einem Patienten eingetreten und entsprechend bestätigt und liegt zudem eine Einwilligung zur Organspende vor, werden zuallererst Blutgruppe und Gewebemerkmale des Spenders untersucht – Grundlage für eine erfolgreiche Weitervermittlung der entnommenen Organe. Zudem muss ausgeschlossen werden, dass eine akute Krebserkrankung bzw. HIV-Infektion vorlag, die den Organempfänger gefährden könnte.

Ein vom Krankenhaus gestellter Koordinator übermittelt die Daten des Spenders an die Vermittlungsstelle Eurotransplant, eine gemeinnützige Organisation, die den internationalen Austausch von Organen vermittelt und koordiniert. Hier werden die Daten und Werte des Spender mit denen potenzieller Empfänger auf einer Warteliste abgeglichen.

Während der Explantation entscheiden die Ärzte, ob Lunge, Herz oder Leber tatsächlich zur Transplantation geeignet sind. Anschließend werden die Organe sorgfältig verpackt und zu den entsprechenden Transplantationszentren gebracht. Nach der Spende wird der Verstorbene für eine Aufbahrung vorbereitet und kann anschließend bestattet werden.

Stichwort: Organspende Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) warten in Deutschland derzeit rund 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan, etwa 8000 auf eine Niere. Diese Zahl ist seit Jahren mehr oder weniger konstant. Alle acht Stunden stirbt ein Patient, der mit einem passenden Organ unter Umständen weiterleben könnte.

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 16:10 Uhr

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1 Kommentar

06.12.2018 16:44 Ureinwohner 1

Nach der Spende wird der Verstorbene für eine Aufbahrung vorbereitet und kann anschließend bestattet werden. Mit anderen Worten die Angehörigen müssen sich dann um die Bestattung der Karkasse kümmern. Das ist ungehörig !