Sehnsucht nach Syrien

Nach fast 8 Jahren Bürgerkrieg in Syrien wollen immer mehr Geflüchtete zurück in die Heimat - vor allem die Älteren. Die Jüngeren dagegen wollen sich eine Zukunft in Deutschland aufbauen. So wie bei Familie Azad.

Zeinab Azad hat Heimweh – sie will zurück nach Syrien. Zu schwer sei die deutsche Sprache, zu wenig Zeit habe sie zu lernen, immerhin muss die 52-Jährige ihren 80-Jährigen Ehemann betreuen. 2015 kam das Ehepaar mit dem gemeinsamen Sohn Kabdoul nach Zwickau. Er kümmert sich jetzt um die letzten Formalitäten: Handy, Wohnung, Bankkonto.

Die freiwilligen Rückkehrer bekommen von Bund und Land das Flugticket bezahlt, plus 1300 Euro pro Person in bar als Starthilfe - koordiniert von einem Programm für freiwillige Rückkehr. In Mitteldeutschland nehmen das Angebot aber nur wenige Syrer wahr. In Sachsen und Sachsen-Anhalt waren es 2018 jeweils 30 Ausreisen, in Thüringen im gesamten Jahr nur 16. Insgesamt waren es 373 im Jahr 2018, immerhin knapp doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Tendenz ist also steigend. Besonders ältere Syrer wollten zurück in ihre Heimat, die Jüngeren dagegen setzen auf eine Zukunft in Deutschland.

Rückkehrer
Kabdoul Azad will in Deutschland bleiben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der  32jährige Sohn Kabdoul möchte hierbleiben. In Syrien hatte er als Handwerker gearbeitet. Für seine Familie und ihn seien die Perspektiven hier aber besser. Diese Trennung ist für die gesamte Familie schwer. Angst vor der Rückkehr aber haben Zeinab Azad und ihr Mann nicht.

Nein, wir haben Gott sei Dank kein Problem, weil wir alt sind. Aber die jungen Männer, die bekommen vielleicht Probleme, sie haben keine Sicherheit.

Zeinab Azad

Nicht jeder kann ausreisen

Rückkehrer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Beirut sieht die Rückkehr der Syrer auch skeptisch. Die Angst vor der Verpflichtung zum Armeedienst und darauffolgende Kampfhandlungen sei groß. Viele seien aber auch vor den Geheimdiensten geflohen, die sie dann – so dokumentiert die Organisation - willkürlich verhaften, verschwinden oder foltern lassen. Rund eineinhalb Millionen „Verfolgten des Regimes“ drohe bei ihrer Rückkehr die Verhaftung. 

Auch der in Leipzig lebende syrischer Oppositionspolitiker Mohammad Haji Darwish wäre in seiner Heimat davon bedroht. In Syrien saß er mehrfach im Gefängnis, weil er sich gegen das Assad-Regime gestellt hatte. Dabei ist seine Sehnsucht groß. Er würde gerne zurückkehren, um etwas zu bewirken, den friedlichen demokratischen Wandel mitzugestalten.

Aber jetzt ist es für mich sehr gefährlich, nicht nur für mich - auch für meine Familie. Nur wenn das Assad-Regime weg ist, kehre ich zurück, um Syrien wieder mit aufzubauen.

Mohammad Haji Darwish

Im Gegensatz zu Darwish aber gelten Zeinab Azad und ihr Mann in den Augen des Regimes als unpolitisch, sie werden in Ruhe in Syrien leben können.

Dieses Thema im Programm: MDR exakt | 16. Januar 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 19:14 Uhr

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1 Kommentar

16.01.2019 23:34 erös alois 1

exzellente recherche. glückwunsch an den journalisten