exakt | 24.10.2018 Unhaltbare Zustände auf Schlachthof

Videomaterial aus einem Schlachtbetrieb in Sachsen-Anhalt zeigt katastrophale Zustände: kranke, abgemagerte Tiere, die mit Elektroschockern gequält werden. Inzwischen wurde der Schlachthof geschlossen. Haben die Kontrollen versagt?

Hohengöhren im nördlichen Sachsen-Anhalt.  Eine Kuh wird am Schlachthof angeliefert. Sie kann kaum noch laufen, bricht zusammen. Später versucht ein Mitarbeiter, das Tier mit einem Elektroschocker zum Bewegen zu bringen. Eine sinnlose Quälerei.

Schlachthof
Friedrich Mülln, Soko Tierschutz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Szenen sind auf Videomaterial zu sehen, das uns Tierschützer zur Verfügung gestellt haben. Es zeigt das Innere des Hohengöhrener Schlachthofs über Monate hinweg. In jener Nacht wird dieselbe Kuh an anderer Stelle fotografiert. Die Bilder dokumentieren ihren miserablen Zustand: Verwundungen an den Hinterläufen, wundgescheuerte Gelenke. Friedrich Mülln von der Soko Tierschutz ist empört: „Man sieht deutlich die Kratzspuren am Boden, weil sie da gekämpft und versucht hat, sich zu bewegen und weg zu kommen. Kein Wasser, kein Futter, sie wurde einfach sich selbst überlassen. Ein schwerverletztes Tier wie dieses, muss sofort erlöst werden.“

Die Kuh wird erst am darauffolgenden Tag geschlachtet. Für Friedrich Mülln ist das, was im Schlachthof in Hohengöhren passiert, illegal. Aus seiner Sicht ist das Ganze ein prädestinierter Fall für Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes, was bis zu drei Jahre Haft  bedeuten würde, fügt er wütend hinzu.

Der Betreiber des Schlachthofes will sich uns gegenüber zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Betriebes erzählt uns, dass auch früher dort vor allem Rinder geschlachtet worden seien, die von anderen Schlachthöfen abgelehnt worden waren. Der Besitzer soll also unter anderem mit kranken Tieren sein Geld verdient haben. 

Es wurden Bußgelder verhängt, aber keine härteren Strafen

Weil der Verein Soko Tierschutz den Schlachthof angezeigt hat, hat das zuständige Veterinäramt in Stendal nach einer Kontrolle vor gut zwei Wochen den Betrieb geschlossen. Grund sind allerdings nicht die Aufnahmen, sondern fehlende Dokumentationen und unhaltbare hygienische Verhältnisse. Warum ist den Behörden dieses Treiben nicht früher auffallen? Auf Nachfrage erklärt der Landkreis, man habe bei regelmäßigen Kontrollen bei dem Schlachthof vor allem geringe und mittelgradige lebensmittelrechtliche Verstößefestgestellt und Bußgelder verhängt, aber keine härteren Strafen.

Klar ist, dass in Deutschland überall ein Tier nur dann geschlachtet werden darf, wenn ein Tierarzt das Tier lebend gesehen hat. Wie ist das in Hohengöhren gelaufen? Nach unseren Recherchen war ein örtlicher Tierarzt mit der Kontrolle des Schlachthofes beauftragt. Er lehnt ein Interview ab, will aber laut eigener Aussage alle Tiere lebend gesehen haben. Der Tierschützer Friedrich Mülln aber hat den Tierarzt auf seinen Videoaufzeichnungen vom Schlachthof gesucht und nicht entdeckt.

Es bleiben Fragen über Fragen bei dem Schlachthof-Skandal: Von welchen Betrieben kamen die kläglich aussehenden Tiere? Hat der Veterinär diese Kühe nicht gesehen? Wer hat sie transportiert? Und: In welchen Fleischprodukten sind die Tiere gelandet?

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 24. Oktober 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 20:38 Uhr