Flüchtlinge stehen am Bug des Rettungsschiffes Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline.
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"Lifeline": Logbuch einer umstrittenen Mission Völkerrechtler: "Es ist nicht legal, Seenot-Rettung zu verhindern"

Krisen, Umstürze, Katastrophen: Nie waren weltweit mehr Menschen auf der Flucht – viele mit dem Ziel Europa. In der EU ist ein intensiver Streit über die Aufnahme der Geflüchteten entbrannt. In Deutschland spaltet die Flüchtlingsfrage Politik und Gesellschaft. Mitten in diesen Konflikt ist das Schiff einer Dresdner Hilfsorganisation gesteuert. Die "Lifeline" will in Seenot geratene Menschen retten. Kritiker werfen der Initiative vor, Schlepper zu unterstützen. Die Befürworter sprechen hingegen von Menschlichkeit. MDR-Reporter Thomas Datt ist zur "Lifeline" gefahren, um über die umstrittene Mission zu berichten.

Flüchtlinge stehen am Bug des Rettungsschiffes Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline.
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20. Juli | Völkerrechtler: "Es ist nicht legal, Seenot-Rettung zu verhindern"

Von privaten Seenotrettern wird immer wieder gefordert: Bringt die im Mittelmeer Geretteten doch zurück nach Libyen und nicht nach Europa. Doch rechtlich ist das gar nicht zulässig, erklärt Professor Alexander Proeßl im Interview mit MDR-exakt.

20. Juli | Spendenkampagne für Seenotretter erbringt fast 300.000 Euro

Eine Spendenkampagne von Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf zugunsten privater Seenotretter im Mittelmeer hat rund 297.000 Euro erbracht. Bis zum Ende der Aktion beteiligten sich laut Webseite "leetchi.com" 7.428 Menschen. Mit dem Geld sollen unter anderem auf Malta festsitzende Rettungsorganisationen unterstützt werden. Zudem ist geplant, mindestens ein Schiff für die Seenotrettung und die Dokumentation der Situation auf dem Mittelmeer zu chartern. Heufer-Umlauf zeigte sich erfreut über die Spendensumme. An dieser könne man erkennen, "dass dieses Land noch lange nicht so irre ist, wie es manche gerne hätten", schrieb er auf Twitter.

20. Juli | Reaktion auf EU-Pläne: Libyen lehnt Asyl-Zentren im Land ab

Libyen lehnt Pläne der Europäischen Union ab, Flüchtlinge in Zentren in dem nordafrikanischen Land unterzubringen. Ministerpräsident Fajes Sarradsch sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte". Er ergänzte, dass sein Land auch keine finanziellen Deals machen werde, um illegale Migranten aufzunehmen.

20. Juli | Tunesien verweigert Schiff mit 40 Flüchtlingen die Einfahrt

Tunesien verweigert einem tunesischen Versorgungsschiff mit 40 aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord die Einfahrt in den Hafen von Zarzis. Die "Sarost 5" liege seit Montag wenige Seemeilen vor Südtunesien, berichteten tunesische Menschenrechtler am Freitag. Die Flüchtlinge waren bereits Ende vergangener Woche nahe einer Ölplattform vor den tunesischen Kerkennah-Inseln geborgen worden. Unter ihnen sind acht Frauen, von denen eine schwanger ist. Nachdem Frankreich, Italien und Malta die Aufnahme der Menschen verweigert hatten, erteilten die tunesischen Behörden dem Versorgungsschiff der Ölplattform zunächst die Erlaubnis, die Menschen an Land zu bringen, wie die Menschenrechtsorganisation FTDES gegenüber dem Evangelischen Pressedienst erklärte. Danach zogen die Behörden die Erlaubnis jedoch zurück.

20. Juli | Demo gegen Politik der Angst

Unter dem Motto #ausgehetzt ruft ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Gruppen für Sonntag zu einer Großdemonstration gegen eine "Politik der Angst" in München auf. "Es kann nicht sein, dass verantwortliche Politiker den rassistischen Diskurs nur zum eigenen Machterhalt bedienen", sagte Thomas Lechner von der Initiative "Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie" am Freitag dem Evangelischen Pressedienst. Immer mehr Parteien ließen sich ihre Agenda "von AfD und Co." vorgeben. Dabei sei es die Aufgabe von Politikern, "die Gesellschaft zu heilen und zusammenzuführen, nicht zu spalten", sagte Lechner.

20. Juli | Italien will künftig offenbar auch keine Flüchtlinge mehr von EU-Marinekommission aufnehmen

Italien will künftig offenbar auch keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, die von Schiffen der EU-Marinemission "Sophia" aus dem Mittelmeer gerettet werden. Das geht laut der Zeitung "Die Welt" (Freitag) aus einem Schreiben von Außenminister Enzo Moavero Milanesi an die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hervor. Auf Botschafterebene in Brüssel werde seit Mittwoch über alternative Lösungen beraten, ein Konsens sei dabei nicht gefunden worden, hieß es in dem Zeitungsbericht.

Der EU-geführte Einsatz "Eunavfor Med Operation Sophia" hat die Aufgabe, Menschenschmugglern und Schleppern das Handwerk zu legen, ist aber auch an der Seenotrettung beteiligt. Die Schiffe kreuzen im zentralen Mittelmeer, wo ein Großteil der Migranten versucht, nach Italien und damit in die EU zu gelangen. An der Mission ist auch die Bundeswehr beteiligt. "Im Rahmen dieser Mission wurden alle geretteten Migranten ausschließlich in italienische Häfen gebracht - ohne anschließend zwischen den Mitgliedstaaten aufgeteilt zu werden", zitiert die "Welt" aus dem Schreiben von Außenminister Milanesi.

19. Juli | Maas: "Dass es zu Prozessen gegen Menschenretter kommt, ist nicht gut"

Heiko Maas
Außenminister Heiko Maas Bildrechte: dpa

Außenminister Heiko Maas (SPD) lehnt eine Kriminalisierung von Seenotrettern ab. "Dass es zu Prozessen gegen Menschenretter kommt, ist nicht gut", sagte Maas den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Donnerstag). Er habe "großen Respekt" vor der Arbeit privater Seenotretter und fühle sich nicht wohl bei dem Gedanken, dass sich der Kapitän des auf Malta liegenden Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, vor Gericht verantworten müsse, sagte Maas, fügte jedoch einschränkend hinzu: "Wenn die maltesische Justiz dort Fragen hat, ist es ihr Recht, diese Fragen zu prüfen und zu klären."

18. Juli | Video: Was sagen die Helfer zur Debatte darüber, ob ihre Mission gerechtfertigt ist?

Die "Lifeline" liegt nach wie vor im Hafen von Valletta, beschlagnahmt von der maltesischen Justiz. In Deutschland wird derweil kontrovers diskutiert, ob Seenotrettung gerechtfertigt ist. Die einen halten die freiwilligen Retter für Helden, für andere sind sie Helfer der Schlepper. Wie geht es den Seenotrettern, die alles tun, damit sie baldmöglichst wieder auslaufen können?

18. Juli | EKD will mit Vatikan private Seenotrettung reaktivieren

Am 15.08.2015 wurde durch den Tender _Werra_ etwa 72 Kilometer nordöstlich der Stadt Tripoli ein in Seenot geratenes Schlauchboot gesichtet mit 103 Personen darunter vier Frauen und zwei Kinder.
Menschen, die auf einem Schlauchboot in Seenot geraten sind. Bildrechte: dpa

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) strebt eine Zusammenarbeit mit dem Vatikan zur Reaktivierung der privaten Seenotrettung auf dem Mittelmeer an. "Mit unseren ökumenischen Partnern werden wir weiter überlegen, wie wir den Druck erhöhen oder kreative Lösungen finden können", sagte der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Manfred Rekowski, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Rekowski hielt sich in dieser Woche auf Malta auf, wo die Behörden unter anderem dem von der EKD mitfinanzierten Aufklärungsflugzeug "Moonbird" keine Luftoperationen über dem Mittelmeer mehr erlauben. Der Präses räumte ein, "wir können als EKD sicher nicht von Hannover aus unmittelbar auf das Regierungshandeln in Malta einwirken." Es gehe aber darum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf zu lenken, "wie Europa hier in skandalöser Weise Recht bricht und seine Werte verrät". Das Flugverbot könnte nach seiner Einschätzung mit Hilfe des Vatikans außer Kraft gesetzt werden. "Die 'Moonbird' dürfte wieder über Seegebiet kreisen, wenn ein anderer Staat sie anfordert. Warum sollte also nicht zum Beispiel der Vatikan als völkerrechtlich souveräner Staat ein solches Ansinnen an die maltesischen Behörden stellen?"

18. Juli | "Lifeline"-Kapitän wirft libyscher Küstenwache Mord vor

Die spanische Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms" hat am Dienstag auf dem offenen Meer eine Überlebende entdeckt, die sich an die Überreste eines zerstörten Schlauchboots klammerte, wie sie auf Twitter mitteilten. Neben ihr fanden sie eine Leiche eines Kindes und die einer anderen Frau. Ein Video dokumentiert die Rettung der Frau am Fundort und die Leichen. Der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Flavio Di Giacomo, sprach von einem "dramatischen Vorfall". Die libysche Küstenwache hat erklärt, dass sie ein Boot mit 158 Menschen an Bord abgefangen und medizinische und humanitäre Hilfe geleistet hat", twitterte Proactiva-Gründer Oscar Camps. "Was sie nicht gesagt hat, ist, dass sie zwei Frauen und ein Kind an Bord gelassen und das Boot versenkt haben, weil sie nicht in das libysche Schiff einsteigen wollten." Der in Malta angeklagte "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch hat am Mittwoch im Deutschlandfunk der libyschen Küstenwache in diesem Fall sogar Mord vorgeworfen.

17. Juli | Polizei prüft Ausrufe von "Pegida"-Demonstranten auf Strafrelevanz

Die asylfeindliche "Pegida"-Bewegung in Dresden beschäftigt erneut die Behörden, meldet der Evangelische Pressedienst. Wie die Polizeidirektion Dresden am Dienstag mitteilte, überprüfen die Beamten derzeit eine mögliche strafrechtliche Relevanz von jüngsten Ausrufen auf einer "Pegida"-Kundgebung. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor. Bei der Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben noch keine Vorlage der Polizei eingegangen. Laut einem Internet-Video skandieren die Teilnehmer der Demonstration am 25. Juni mit Blick auf die Dresdner Seenotretter "Mission Lifeline", sie sollten "Absaufen! Absaufen!" Ein Redner der asylfeindlichen Bewegung kommentiert die Rufe mit: "Nein, nein, nicht absaufen, wir brauchen das Schiff noch, um die alle wieder zurückzufahren."

17. Juli | Bayerische SPD würdigt "Lifeline"-Kapitän mit Europa-Preis

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion würdigt das Engagement des "Lifeline"-Kapitäns Claus-Peter Reisch mit ihrem Europa-Preis. Menschen wie er "halten die Werte am Leben, für die unsere Gemeinschaft steht", sagte SPD-Landeschefin Natascha Kohnen am Dienstag. Der Schutz der Menschenwürde sei oberstes Ziel der Europäischen Union. "Immer häufiger treten gewählte Politiker in Europa dieses Prinzip mit den Füßen." Dass Reisch in einem Prozess auf Malta nun eine Strafe drohe, sei eine Bankrotterklärung an die Menschlichkeit und das Mitgefühl.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sagte: "Die grundlegendste Form, Menschenwürde zu achten, ist es, Menschenleben zu retten. Seenotrettung ist praktizierte Humanität." Der mit 2500 Euro dotierte Preis soll Reisch am 27. Juli im Landtag übergeben werden.

16. Juli | "Lifeline"-Kapitän erhebt schwere Vorwürfe gegen EU

Der "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch hat schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedsländer erhoben. "Es ist beschämend, dass die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer", erklärte der 57-Jährige am Montag in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme vor seiner geplanten Landung in München.

Mindestens 277 Menschen seien ertrunken, seit die Rettungsschiffe auf Malta festgesetzt sind. "Wir diskutieren jetzt also ernsthaft, ob es legitim ist Menschenleben zu retten? Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen, das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie." Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) warf er vor, er wolle Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen. "Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muss zurücktreten."

16. Juli | Deutschland nimmt 50 im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge auf

Als Zeichen der stärkeren Zusammenarbeit in der EU-Flüchtlingspolitik haben Deutschland und weitere Länder Italien die Aufnahme von Dutzenden Bootsflüchtlingen zugesagt. Die Bundesregierung erklärte am Sonntag, Deutschland werde 50 der rund 450 Flüchtlinge aufnehmen, die sich nach ihrer Rettung durch die EU-Grenzschutzbehörde Frontex in italienischen Gewässern befanden. Auch Frankreich, Malta, Spanien und Portugal sagten dies nach einem dringlichen Appell von Italiens Regierungschef Giuseppe Conte zu. Zwei Frontex-Schiffe hatten am Samstag rund 450 Menschen von einem Holzboot im Mittelmeer gerettet und in italienische Gewässer gebracht. Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega-Partei lehnte ab, sie ins Land zu lassen.

15. Juli | Was passiert mit geretteten Flüchtlingen?

Wie geht es mit den im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen weiter? Erneut ist das Schicksal Hunderter unklar. In Valletta auf Malta beobachtet MDR-Reporter Thomas Datt den Streit und ordnet ihn ein.

14. Juli | Rettungsschiffe weiter festgesetzt

Die in Malta festgesetzten Schiffe von Seenotrettern dürfen weiterhin nicht wieder in See stechen. Im Fall der "Lifeline" muss zunächst das Gerichtsverfahren gegen Kapitän Claus-Peter Reisch abgewartet werden. Reporter Thomas Datt mit den Einzelheiten:

12. Juli | "Lifeline"-Kapitän fühlt sich vom deutschen Staat im Stich gelassen

Claus-Peter Reisch
Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffes "Lifeline": Claus-Peter Reisch. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch wirft dem deutschen Staat vor, ihn im Stich gelassen zu haben. Mehrere Staaten hätten sich bereit erklärt, Flüchtlinge von seinem Schiff aufzunehmen, sagte Reisch am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Deutschland hätte in seinen Augen nichts Erkennbares zur Lösung der Situation beigetragen. Als Staatsbürger fühle man sich "da schon ein Stück weit allein gelassen". Er kritisiert, dass private Seenotretter kaum noch im Mittelmeer unterwegs sein könnten. "Man zieht jetzt einfach einen Vorhang vor dieses Schmierentheater, damit niemand mehr sehen kann, was da passiert."

12. Juli | Bayerischer Landtag lobt ehrenamtliche Seenotretter im Mittelmeer

Der bayerische Landtag hat das ehrenamtliche Engagement von Seenotrettern im Mittelmeer gelobt. "Die Rettung von Menschen aus Not ist ein Gebot von Mitmenschlichkeit, sie ist auch bei Schiffbrüchigen im Mittelmeer geboten", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag in München.

Zugleich warnte er wie die CSU-Fraktion in einem entsprechenden Antrag davor, "dass sich die in der Seenotrettung Engagierten nicht zum Werkzeug skrupelloser Schlepperbanden machen lassen" dürften, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. "Es ist leider auch ein brutales Geschäft von Schleuserbanden." Um die Zahl der Flüchtlinge, die sich in nicht für das Mittelmeer geeigneten Booten auf den Weg nach Europa machen, zu senken, müssten Asylzentren in Nordafrika errichtet und zugleich auch die EU-Außengrenzen besser geschützt werden. "Wir brauchen wesentlich mehr Geld für die Entwicklungshilfe", betonte Herrmann zudem

11. Juli | Salvini verweigert Schiff der italienischen Küstenwache Anlegen in Italien

Italienische Küstenwache sucht vor Libyen nach Migranten
Die Italienische Küstenwache sucht vor Libyen nach Migranten (Archivbild). Bildrechte: imago/Joker

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hat einem Schiff der italienischen Küstenwache mit Flüchtlingen an Bord das Anlegen in Italien verwehrt. Der stellvertretende Regierungschef und Parteivorsitzende der fremdenfeindlichen Lega forderte am Mittwoch "Garantien", bevor die "Diciotti" mit 67 Flüchtlingen an Bord einlaufen dürfe, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Einige Flüchtlinge an Bord der "Diciotti" sollen zuvor auf einem anderen italienischen Schiff gegen die Besatzung vorgegangen sein - aus Furcht, nach Libyen zurückgebracht zu werden.

Medienberichten zufolge schlossen sich die Besatzungsmitglieder im Kommandoraum ein und verständigten die Rettungszentrale in Rom. Er werde "kein Anlegen" zulassen, solange er keine Garantien bekäme, dass die "Verbrecher" einige Zeit im Gefängnis verbringen und dann in ihre Heimat zurückgebracht würden, hatte Salvini angekündigt. Am Donnerstagmorgen soll die "Diciotti" nun dennoch in Trapani anlegen dürfen.

11. Juli | Maschinist der "Lifeline": "Es geht hier um akute Hilfe."

Eine Userin hatte vor wenigen Tagen MDR-exakt auf Facebook gebeten, die "Lifeline"-Crew zu fragen, warum sie nicht die Fluchtursachen vor Ort bekämpft. MDR-Reporter Thomas Datt hat diese Frage dem Maschinisten des Schiffes der Seenotretter gestellt - seine Antwort:

Das Rettungsschiff Lifeline fährt im Hafen von Valetta Malta ein
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Interview Mitglied der "Lifeline"-Crew "Es geht hier um akute Hilfe"

"Es geht hier um akute Hilfe"

Eine Userin hat MDR-exakt auf Facebook gebeten, die "Lifeline"-Crew zu fragen, warum sie nicht die Fluchtursachen vor Ort bekämpft. Der Maschinist des Schiffes der Seenotretter antwortet.

Mi 11.07.2018 12:05Uhr 00:56 min

https://www.mdr.de/investigativ/video-212084.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

10. Juli | "Lifeline" von Gerichtsgutachtern untersucht

Der Prozess gegen den auf Malta angeklagten Kapitän des deutschen Seenotrettungsschiffes "Lifeline" wird voraussichtlich bis Ende Juli unterbrochen. Das zeichnet sich nach einer Inspektion des Schiffes durch Gutachter und den Richter ab, die am heutigen Dienstag stattfand. Der für heute angesetzte Verhandlungstermin entfiel, weil die Inspektion der des Schiffes später als geplant begonnen hatte und rund drei Stunden dauerte. Die vier vom Gericht bestellten Gutachter untersuchten nach "exakt"-Informationen Unterlagen, Ausrüstung und Zustand des Schiffes. Nächster Prozesstermin ist jetzt voraussichtlich am 30. Juli. Dann soll vor Gericht das Protokoll der heutigen Inspektion ausgewertet werden.

Der Kapitän der Lifeline auf Malta. Hinter ihm Menschen auf deren T-Shirts Save Lives steht.
Der Kapitän der "Lifeline" darf Malta für ein paar Tage verlassen, um seine Mutter zu besuchen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kapitän Claus-Peter Reisch plant nun Malta für zwei Wochen zu verlassen, um sich in Deutschland um seine 91-jährige Mutter zu kümmern. Dafür muss er eine Kaution in Höhe von 5000 Euro hinterlegen und ein Rückflugticket vorzeigen. Nach Informationen von MDR-exakt sicherte der maltesische Richter dem Kapitän zu, morgen einem entsprechenden Antrag seiner Anwälte stattzugeben.

9. Juli | Seenotretter: Hilfsorganisationen wollen neues Schiff chartern

Derzeit können die privaten Seenotretter nur warten: Neben der "Lifeline" dürfen zwei weitere deutsche Schiffe den Hafen in Valletta nicht verlassen. Die NGOs haben sich jetzt zusammen geschlossen und wollen gemeinsam ein neues Schiff chartern.

9. Juli | Böhmermann sammelt 200.000 Euro für "Lifeline"-Kapitän

Knapp 200.000 Euro hat Moderator Jan Böhmermann über eine Spendenaktion für den Kapitän und die Besatzung des Rettungsboots "Lifeline" gesammelt. Mit dem Geld sollen die Prozesskosten des in Malta vor Gericht stehenden Kapitäns übernommen werden. Daneben startete Moderator Klaas Heufer-Umlauf eine weitere Spendenaktion, um den privaten Rettungsorganisationen das Chartern von Schiffen zu ermöglichen. Obwohl es Leute gebe, die das tun möchten, könne auf dem Mittelmeer derzeit nicht gerettet werden, sagte er in einer Videobotschaft am Samstag. Es brauche jetzt Schiffe, um ein Zeichen zu setzen. Mehrere Schiffe von Seenotrettern sind derzeit beschlagnahmt. Bis Montagnachmittag wurden knapp 150.000 Euro gespendet.

8. Juli | Italien will keine im Mittelmeer geretteten Migranten mehr aufnehmen

Italien will seine Häfen auch für internationale Grenzschutz- und Rettungseinsätze wie die EU-Mission "Sophia" sperren. Das kündigte Innenminister Matteo Salvini von der rechtsgerichteten Lega auf Twitter an. Bisher war nur Schiffen privater Flüchtlingshelfer das Einlaufen verboten worden. Der stellvertretende Regierungschef kritisierte, leider hätten die italienischen Regierungen der vergangenen fünf Jahre Vereinbarungen unterschrieben, wonach "alle diese Schiffe Migranten in Italien abladen." Salvini bezog sich damit unter anderem auf das irische Marineschiff "Samuel Beckett", das am Samstagabend mit 106 Flüchtlingen an Bord in Sizilien eingelaufen war. "Unter unserer Regierung spielt jetzt eine andere Musik", fügte er hinzu. Italiens Innenminister kündigte an, von seinen EU-Kollegen beim Ministertreffen am Donnerstag in Innsbruck entsprechende Zusicherungen zu verlangen.

Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega-Partei, spricht nach einem Treffen mit Italiens Präsident Mattarella zu Journalisten.
Italiens Innenminister Matteo Salvini will keine Schiffe mit aus Seenot geretteten Migranten mehr in seine Häfen lassen. Bildrechte: dpa

Die Regierung in Rom hatte bereits Schiffen von privaten Hilfsorganisationen wie der "Mission Lifeline" verboten, an italienischen Häfen anzulegen. Nach Angaben Italiens trafen seit Jahresbeginn fast 16.700 Migranten an den Küsten des Landes ein - 80 Prozent weniger als im Vorjahr. Geht es nach Innenminister Matteo Salvini soll die Zahl auf Null sinken.

7. Juli | Solidarität mit Seenotrettern: Bundesweite Proteste gegen europäische Asylpolitik

Tausende Menschen haben in mehreren deutschen Städten für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer demonstriert. Den größten Protestzug gab es in Berlin. Die Demonstranten forderten, den Einsatz der zivilen Seenotretter zu entkriminalisieren und zugleich sichere Fluchtrouten im Mittelmeer. Die Demonstranten folgten einem Aufruf des Bündnisses "Seebrücke". Nach dessen Angaben beteiligten sich allein in Berlin rund 12.000 Menschen.

Demonstranten halten ein Banner «Stoppt das Sterben im Mittelmeer».
Proteste in Berlin für eine internationale Seenotrettung. Bildrechte: IMAGO

Unter dem Banner "Stoppt das Sterben im Mittelmeer" zogen sie vom Alexanderplatz zum Kanzleramt. Die Polizei sprach von deutlich weniger Teilnehmern. Größere Aktionen gab es auch in Hannover und Bremen. Zu einer Protestaktion in Leipzig kamen mehrere Hundert Menschen, in Zwickau wurden etwa 90 Teilnehmer gezählt.

Zu den bundesweiten Protesten hatte das Bündnis "Seebrücke" aus 13 Flüchtlingsinitiativen und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen, darunter "Sea Watch", "Mission Lifeline", "Sea-Eye", "Gesicht zeigen!" und "Peng Collective". Ein Sprecher des Bündnisses sagte, es entstünde der Eindruck, die EU wolle "mit allen Mitteln" die Seenotrettung abschaffen. Dagegen wolle man Flagge zeigen.

6. Juli | "Mission Lifeline" erhält UN-Zuschuss

Der Dresdner Seenot-Rettungsverein "Mission Lifeline" erhält erstmals einen Zuschuss von der UNO-Flüchtlingshilfe. Der Geschäftsführer der deutschen Partnerorganisation des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), Ruthenstroth-Bauer, teilt mit, man habe 28.000 Euro bereitgestellt. "Die "Lifeline"-Crew spürt in den Gefahrenzonen in Seenot geratene Boote auf und leistet überlebenswichtige Erste Hilfe. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert", betont Ruthenstroth-Bauer in Bonn. Nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe sind in diesem Jahr bereits mehr als 1.400 Migranten im Mittelmeer ertrunken oder werden vermisst.

6. Juli | Spendenaktion: Mittlerweile 170.000 Euro für Gerichtskosten zusammengekommen

Die maltesischen Behörden werfen der "Lifeline"-Besatzung vor, das Rettungsschiff sei nicht ordnungsgemäß registriert und dürfe daher nicht in internationalen Gewässern fahren. Zur Deckung der Prozess- und Gutachterkosten läuft eine Spendenkampagne, zu der TV-Moderator Jan Böhmermann aufgerufen hatte. Inzwischen kamen fast 170.000 Euro zusammen. Die Verfahrenskosten seien enorm hoch, sagt der "Lifeline"-Chef Axel Steier. "Die Tausender gehen weg wie warme Semmeln."

6. Juli | Hintergrund: Fremde Flagge ist Standard in der Seefahrt

Den Seenotrettern der "Lifeline" wird in Malta vorgeworfen, mit ungültigen Papieren unterwegs gewesen zu sein. Strittig ist unter anderem, ob die Registrierung des Schiffes im niederländischen Sportbootregister ausreichend ist. Den NGOs wird vorgeworfen, sie würden damit rechtliche Grauzonen ausnutzen. Dabei sind Schiffe mit abweichender Flagge längst zum Standard in der Seefahrt geworden, so die Einschätzung von Seerechtsexperten.

5. Juli | MDR-Reporter zum zweiten Prozesstag - Schiff muss weiter an Land bleiben

5. Juli | Deutscher Kapitän und Schiff sitzen weiter fest

Das Flüchtlings-Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation "Lifeline" liegt im Hafen von Valletta festgemacht an der Pier.
Das Rettungsschiff "Lifeline" sitzt weiterhin auf Malta fest. Bildrechte: dpa

Die Zwangspause für das deutsche Schiff des Dresdner Seenotrettungsverein "Mission Liefeline" und dessen deutschen Kapitän Claus-Peter Reisch geht auch nach der zweiten Verhandlung am Gericht auf Malta weiter. Der Richter kündigte an, das Schiff werde in den kommenden Tagen von technischen Gutachtern besucht und inspiziert. Die Verhandlung könne somit erst am kommenden Dienstag (17. Juni) fortgesetzt werden. Der auf Malta festgesetzte Kapitän darf Malta auch weiterhin nicht verlassen, auch nicht für einen Besuch bei seiner Familie, wie es die Anwälte beantragt hatten.

5. Juli | Erste Geflüchtete von der "Lifeline" verlassen Malta

Die ersten Geflüchteten vom Rettungsschiff "Lifeline" haben Malta verlassen. Frankreich nehme eine Gruppe von 52 Flüchtlingen auf, sagte ein maltesischer Regierungssprecher in Valletta am Donnerstag. Insgesamt haben sich neun Länder bereit erklärt, einige der insgesamt rund 230 Migranten von dem Schiff der deutschen Hilfsorganisation "Mission Lifeline" aufzunehmen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Deutschland ist nicht dabei. Die Verantwortung untereinander aufzuteilen, sei möglich und es könne auf "menschliche und effektive" Art und Weise gemacht werden, twitterte Maltas Premier Joseph Muscat.

4. Juli | Video: Die umstrittene Mission der "Lifeline"

Der Kapitän und die Crew der Lifeline haben vor der Küste Libyens 234 Flüchtlinge aufgenommen. Eines der Boote verlor bereits Luft, als das Schiff der Dresdner Seenotretter eintraf. Anschließend forderte die libysche Küstenwache die Übergabe der Flüchtlinge. Kapitän Claus-Peter Reisch berief sich auf die Genfer Flüchtlingskonvention. Danach begann für die "Lifeline" und die Passagiere eine Reise ins Ungewisse. Exakt-Reporter Thomas Datt ist seit einer Woche auf Malta und ganz nah dran am Geschehen rund um die privaten Seenotretter.

4. Juli | Malta setzt auch Flugzeug von Seenotrettern fest

Die Justiz in Malta verweigert einem Aufklärungsflugzeug der deutschen Hilfsorganisation "Sea-Watch" die nötigen Start- und Landegenehmigungen. Nach Informationen von MDR-exakt begründen die Behörden in Malta die Verweigerung mit fehlenden Mandaten für die Rettungsaktionen. Diese seien nach Darstellung der Justizbehörden nur durch Malta oder Italien zu erteilen. Das Aufklärungsflugzeug flog seit 2016 von Malta aus über 100 Einsätze und meldete nach Angaben von "Sea-Watch" über 20.000 in Seenot geratene Menschen an Schiffe sowie die Leitstellen in Italien und Malta.

4. Juli | Kanzlerin Merkel: "Es ist eine Aufgabe, die alle angeht"

Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bildrechte: dpa

Der Umgang mit dem Thema Migration wird nach Einschätzung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darüber entscheiden, ob die Europäische Union Bestand hat. Es brauche rechtlich tragbare, realistische, solidarische Antworten, die die Menschen nicht überforderten, sagte Merkel am Mittwoch bei der Generaldebatte zum Haushalt 2018 im Bundestag. "Es muss mehr Ordnung in alle Arten der Migration kommen, damit Menschen den Eindruck haben, Recht und Ordnung werden durchgesetzt." Beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche habe man sich in langen Diskussionen und trotz unterschiedlicher Interessen darauf verständigt, dass der Umgang mit Migranten keine Frage für einzelne Länder in Europa sei, sondern "dass es eine Aufgabe ist, die alle angeht", sagte Merkel. Die Kanzlerin erklärte, inzwischen kämen schon 95 Prozent weniger Menschen als Bootsflüchtlinge über die zentrale Mittelmeerroute.

3. Juli | Sea-Watch-Sprecher: "Es war der tödlichste Juni seit 5 Jahren"

Flüchtlinge auf einem sinkenden Schlauchboot vor ihrer Rettung durch ein Schiff der Hilfsorganisation "SOS Mediterranee"
Flüchtlinge auf einem sinkenden Schlauchboot vor ihrer Rettung durch ein Schiff der Hilfsorganisation "SOS Mediterranee". Bildrechte: dpa

Die gefährliche Flucht über das Mittelmeer hat seit Anfang des Jahres bereits mindestens 1405 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Toten sei um 40 Prozent höher als bislang befürchtet, berichtete die Organisation für Migration (IOM) am Dienstag in Genf. Der vergangene Monat sei der tödlichste Juni seit fünf Jahren gewesen, sagte der Sprecher der Berliner Seenotrettungsorgansiation Sea-Watch, Ruben Neugebauer, der Nachrichtenagentur dpa. Nach der IOM-Statistik sind in keinem Juni seit 2014 so viele Menschen umgekommen: insgesamt 629. Im Vorjahreszeitraum waren es 539, zu dieser Zeit sind allerdings mindestens doppelt so viele Menschen in Richtung Europa unterwegs gewesen.

3. Juli | Frankreich nimmt Flüchtlinge von Rettungsschiffen auf

Frankreich nimmt gut 130 Flüchtlinge von den beiden Rettungsschiffen "Lifeline" und "Aquarius" auf. Die Menschen sollen Malta und Spanien bald verlassen, wie die Flüchtlingsbehörde Ofpra am Dienstag in Paris mitteilte. Dabei handele es sich überwiegend um Staatsbürger der afrikanischen Länder Eritrea und Sudan, die gute Chancen auf Asyl hätten.

3. Juli | Crew der "Lifeline" soll von libyscher Küstenwache mit Tod bedroht worden sein

Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffes "Lifeline" kritisiert, dass die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer der libyschen Küstenwache überlassen werde, berichtet die Nachrichtenagentur epd am Dienstag. Deren Mitarbeiter hätten die Besatzung der "Lifeline" mit dem Tod bedroht, sagte Claus-Peter Reisch nach Angaben der Dresdener Hilfsorganisation "Mission Lifeline". Er habe einen Funkspruch aufgezeichnet, in dem es geheißen habe "I kill you". Reisch sagt weiter, die Einsatzkräfte der libyschen Küstenwache seien nicht professionell ausgestattet, so verfügten deren Schiffe nicht über Schwimmwesten. Bei Rettungsaktionen der libyschen Küstenwache kämen regelmäßig Menschen ums Leben.

3. Juli | 125.000 Euro für rechtlichen Beistand der Crew der "Lifeline" gesammelt

Unterstützung für den Dresdner Seenotretterverein: Jan Böhmermann hatte zu einer Online-Spendenaktion für die Sicherung des rechtlichen Beistandes der "Mission Lifeline" aufgerufen. Bislang beteiligten sich über 6.000 Menschen und es sind über 125.000 Euro gespendet worden.

3. Juli | Chef der "Mission Lifeline": "Wenig Hoffnung, dass unser Schiff bald freikommt"

Axel Steier, Hilfsorganisation "Mission Lifeline" (Dresden)
Der "Mission-Lifeline"-Chef Axel Steier. Bildrechte: MDR

"Wir gehen davon aus, dass wir das Richtige machen", sagt der Chef der Hilfsorganisation "Mission Lifeline" im Interview mit MDR-AKTUELL. Denn in diesem Fall habe man "234 Menschen gerettet und in einen sicheren Hafen gebracht". Zudem weist er die Vorwürfe gegen Kapitän Claus-Peter Reisch zurück und kritisiert, dass in der Anhörung am Montag keine Beweise vorgelegt worden seien. Dennoch habe sich der Richter "breitschlagen lassen, das Schiff zu beschlagnahmen und gegen unseren Kapitän eine Ausreisesperre zu verhängen".

3. Juli | Mehr als 1.000 Tote im Mittelmeer seit Jahresbeginn

Mit dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen im Mittelmeer seit Mai wächst auch die Zahl der Tragödien: Nach dem jüngsten bekannten Unglück vom Sonntag wurden insgesamt 114 Menschen vermisst, wie ein Sprecher der Organisation für Migration (IOM) in Genf sagte. Damit stieg die Gesamtzahl der Toten im Mittelmeer auf mehr als 1.000 seit Jahresbeginn. Am 27. Juni hatte die Organisation offiziell noch 972 Tote gemeldet.

Die IOM spricht von einem "alarmierenden Anstieg von Toten vor der Küste Libyens". Schlepper versuchten offenbar Geschäfte zu machen, solange das möglich sei. Die UNHCR geht hingegen sogar von bislang 1237 Toten oder Vermissten (Stand 3. Juli) auf dem Mittelmeer aus. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, weil nicht alle Tragödien bekannt werden.

2. Juli | MDR-Reporter: Der Vorwurf des Menschenschmuggels spielte keine Rolle

Der Kapitän des Schiffes der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" wurde von einem Gericht in Malta angehört. MDR-Reporter Thomas Datt berichtet, der Vorwurf des Menschenschmuggels habe keine Rolle gespielt.

2. Juli | "Lifeline"-Kapitän darf Malta vorerst nicht verlassen

Claus-Peter Reisch musste am Montag nach der Anhörung seinen Pass abgeben und darf den Inselstaat bis auf weiteres nicht verlassen. Das Schiff "Lifeline" darf zudem vorerst nicht auslaufen.

2. Juli | Claus-Peter Reisch weist vor Gericht alle Anschuldigungen von sich

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline" hat alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen vor Gericht zurückgewiesen. Zudem kritisierte Reisch das harte Vorgehen von EU-Staaten gegen zivile Seenotretter scharf. "Die EU nimmt das Sterben aus politischen Gründen in Kauf. Das ist widerlich", sagte der Kapitän laut einer Mitteilung seiner Organisation "Mission Lifeline". "Was ist das für eine Welt, in der stärker gegen das Retten als gegen das Sterben vorgegangen wird?"

2. Juli | Kapitän der "Lifeline": "Seenotrettung kann keine kriminelle Sache sein."

Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Riesch, muss um 11 Uhr zur Anhörung vor einem Gericht in Valletta (Malta). Unmittelbar zuvor berät sich der 57-Jährige noch einmal mit seinen Anwälten. Gegenüber MDR-Reporter Thomas Datt sagte er: "Ich gehe aufrecht zum Gericht, für das was ich gemacht habe – nämlich 234 Menschenleben gerettet. Seenotrettung kann keine kriminelle Sache sein und dazu stehe ich."

Der Kapitän muss sich für die Rettung von 234 Geflüchteten vor der libyschen Küste rechtfertigen. Malta wirft der Organisation vor, dass das Schiff nicht ordentlich registriert war. Zudem habe der Kapitän die Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert, die Rettung der libyschen Küstenwache zu überlassen.

2. Juli | Seerecht: Was Schiffen wie der "Lifeline" erlaubt ist

In der Diskussion der Politiker in der EU über die Seenotretter der "Lifeline" geht und ging es vor allem um die Frage, wo das Schiff mit Migranten an Bord anlanden darf. Allerdings gibt es rechtliche Vorschriften für das Befahren von Gewässern und Häfen. Wir haben darüber mit der Expertin für Seerecht, Professor Nele Matz-Lück, vom Walther-Schücking-Institut Kiel gesprochen.

2. Juli | Rettungsschiff "Sea-Watch 3" wird in Malta festgehalten

Die Regierung von Malta lässt offenbar vorerst keine weiteren Rettungsschiffe auslaufen. Neben der "Lifeline" darf auch das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" den Hafen nicht verlassen. Die Organisation twitterte, dass sie am Auslaufen gehindert werde.

1. Juli | Malta bezeichnet deutsches Rettungsschiff "Lifeline" als "Tatwerkzeug"

Die maltesische Polizei hat bei Gericht die Beschlagnahmung des Rettungsschiffs "Lifeline" beantragt. Das geht aus der Gerichtsvorladung gegen den deutschen "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch hervor. In dem Papier, das dem MDR-Magazin "exakt" vorliegt, wird das Schiff als Tatwerkzeug ("corpus delicti") bezeichnet. Am morgigen Montag (um 11 Uhr) beginnt in Valletta die Gerichtsanhörung zu der Reisch vorgeladen ist. Die "Lifeline" liegt seit ihrer Ankunft auf Malta am Mittwoch in einem abgesperrten Teil des Hafens fest und darf den Inselstaat nicht verlassen. In der Gerichtsvorladung werden dem deutschen Kapitän zwei Straftaten vorgeworfen. Demnach soll er ein nicht ordnungsgemäß registriertes Schiff gesteuert und damit unerlaubt in maltesische Hoheitsgewässer eingefahren sein.

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1. Juli | "Open Arms" darf mit geretteten Menschen in Barcelona anlegen

Nach der Rettung Dutzender Flüchtlinge aus dem Mittelmeer vor Libyen darf das Boot der spanischen Hilfsorganisation in Barcelona anlegen, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Die spanische Regierung habe ihnen erlaubt, die 60 Migranten dorthin zu bringen, twitterte "Proactiva Open Arms" in der Nacht zum Sonntag. Die Bürgermeisterin Barcelonas, Ada Colau, bedankte sich bei der Organisation via Twitter und erklärte, die Stadt erwarte das Schiff mit offenen Armen. Es sei gut, dass sich die Retter nicht der unmenschlichen und grausamen europäischen Politik ergeben hätten. Laut der Zeitung "El País" könnte das Boot Barcelona am Mittwoch erreichen. Das Schiff von "Proactiva Open Arms" hatte die Flüchtlinge am Samstag rund 30 Kilometer von Libyen entfernt an Bord genommen. Italien und Malta machten sofort klar, dass sie sich für das Schiff nicht zuständig fühlen.

30. Juni | Jan Böhmermann sammelt Spenden für "Lifeline"

Die Situation rund um das Rettungsschiff "Lifeline", deren Crew und die 234 Flüchtlinge an Bord hat in den vergangenen Tagen Politik und Gesellschaft beschäftigt. Moderator Jan Böhmermann hat nun eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um der Besatzung beizustehen. In einem Aufruf schreibt er: "Der Besatzung der "Lifeline", die zur Zeit auf Malta festsitzt, wurden "rechtliche Konsequenzen" angedroht, dafür, dass sie 230 Menschen das Leben gerettet hat." So wolle er die beste Verteidigung für die Besatzung zusammen bekommen. Innerhalb eines Tages wurden bereits über 45.000 Euro gespendet.

30. Juni | Spanische Seenotretter nehmen Geflüchtete an Bord

Trotz des Dramas um zwei Rettungsschiffe von Hilfsorganisationen hat eine spanische Hilfsorganisation Dutzende Menschen aus dem Mittelmeer gerettet, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. "Proactiva Open Arms" habe 59 Flüchtlinge aus dem Meer an Bord und sei unterwegs zu einem sicheren Hafen, twitterte die Organisation am Samstagmittag. Zu diesem Zeitpunkt war nicht klar, ob die Retter bereits einen Hafen zugewiesen bekommen haben.

Flüchtlinge an Bord des Rettungscshiffes Aquarius
Tagelang harrten Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffes "Aquarius" aus. Bildrechte: dpa

Italien hat seine Häfen für private Rettungsschiffe bereits dicht gemacht - und will auch "Proactiva" nicht hineinlassen. Die Schiffe "Aquarius" von SOS Méditerranée und "Lifeline" von der Dresdner Organisation "Mission Lifeline" durften nicht mehr dort anlegen und mussten deshalb mit Hunderten Mienschen tagelang auf dem Meer ausharren. Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega erklärte umgehend, auch "Proactiva" könne "vergessen, in einem italienischen Hafen anzukommen".

29. Juni | MDR-Reporter an der "Lifeline" - weitere Rettungsschiffe festgesetzt

29. Juni | Italien will seine Häfen über den Sommer für NGO-Schiffe schließen

Italien will seine Häfen über den Sommer für Schiffe von Hilfsorganisationen schließen, die Flüchtlinge über das Mittelmeer bringen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. "Die Häfen werden den ganzen Sommer über geschlossen", sagte Innenminister Matteo Salvini am Freitag einem italienischen Radiosender. "Die NGOs werden Italien nur auf einer Postkarte sehen." Außerdem werde es verboten sein, diese Organisationen und deren Schiffe mit Treibstoff zu versorgen.

29. Juni | Hundert Vermisste nach Untergang von Flüchtlingsboot vor Libyen

Nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Libyens sind am Freitag etwa hundert Menschen vermisst worden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Wie Überlebende und die libysche Küstenwache berichteten, befanden sich rund 120 Flüchtlinge auf einem Schlauchboot, das etwa sechs Kilometer von der Küste Libyens entfernt kenterte. Drei Babys seien aus dem Wasser tot geborgen worden. 16 Menschen seien bei dem Unglück gerettet worden, teilte die Küstenwache mit. Das Schiff habe Wasser aufgenommen. Verzweifelte Insassen hätten sich an einem Teil des Bootes oder Treibstoffkanister geklammert. Laut Küstenwache wurden sie von Fischern entdeckt, die die Marine alarmierten. Für einige ist diese Nachricht offenbar nur schwer zu ertragen:

29. Juni | "Lifeline"-Kapitän im MDR-Interview: "Ich würde niemals Geld dafür nehmen"

MDR-Reporter Thomas Datt hat den "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch interviewt. Dieser spricht über die Situation auf dem Schiff und über die Befragung durch die Polizei.  

29. Juni | "Lifeline"-Kapitän kommt auf Malta vor Gericht

Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs "Lifeline", Claus-Peter Reisch, soll auf Malta vor Gericht gestellt werden. Wie der maltesische Rechtsbeistand der Dresdner Nichtregierungsorganisation "Mission Lifeline", Neil Falzon, am Donnerstag mitteilte, werden Reisch Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes vorgeworfen. Gerichtstermin sei am Montag. Ein Sprecher des Büros von Maltas Premier Joseph Muscat bestätigte die Vorwürfe, machte aber keine weiteren Angaben.

29. Juni | Seehofer sieht keinen Handlungsbedarf

Das Rettungsschiff "Lifeline" ist am Abend in Valletta eingelaufen und wird dort wohl beschlagnahmt werden. Deutschland nimmt vorerst keine Flüchtlinge von Bord auf - Innenminister Seehofer sieht keinen Handlungsbedarf, weil andere Staaten ihre Bereitschaft signalisiert haben.

28. Juni | "Lifeline"-Helfer beklagen "Kriminalisierungskampagne"

Die Helfer der Dresdner Seenotrettungsorganisation "Lifeline" haben nach tagelanger Irrfahrt auf See mit 230 Flüchtlingen an Bord über eine "Kriminalisierungskampagne" geklagt. Auf einer Pressekonferenz sagte Sprecherin Marie Naass: "Wir werden zu Sündenböcken gemacht für eine gescheiterte Migrationspolitik auf europäischer Ebene." Die Organisation weise alle Anschuldigungen zurück. Die "Lifeline" habe sich an bestehende Konventionen gehalten. Es sei weder ein Transponder ausgeschaltet worden, um eine Ortung des Rettungsschiffes zu verhindern, noch habe man auf eigene Faust gehandelt. "Die italienische Küstenwache hatte ein ständiges Update von uns", sagte Naass. Auch mit dem Auswärtigen Amt in Berlin habe man in Kontakt gestanden.

27. Juni | Rettungsschiff "Lifeline" im Hafen von Malta eingefahren

Das Rettungsschiff "Lifeline" durfte am Mittwochabend in Malta anlegen. Darauf haben sich die Regierungen in Italien und Malta geeinigt. Auf einer Pressekonferenz sagte Maltas Regierungschef, dass das Schiff beschlagnahmt werde. Sieben EU-Länder wollen die Flüchtlinge aufnehmen. Gegen die Besatzung der deutschen Hilfsorganisation soll zudem ermittelt werden. "Dieses Schiff war staatenlos, es wird festgesetzt", sagte Maltas Regierungschef Joseph Muscat. Diese Forderung hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zuvor als Bedingung für eine etwaige Aufnahme von Flüchtlingen des Rettungsschiffes "Lifeline" in Deutschland gestellt. Das Schiff solle festgesetzt und die Crew strafrechtlich verfolgt werden.

26. Juni | Malta stellt Seenotrettern aus Dresden Bedingungen

Tagelang hat das Dresdner Rettungsschiff "Lifeline" mit mehr als 230 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer eine Hafeneinfahrt gesucht. Kein EU-Land wollte die Retter aufnehmen. Nun könnte das Schiff demnächst einen Hafen in Malta anlaufen, teilte die italienische Regierung mit. Regierungschef Giuseppe Conte sagte nach einem Telefonat mit dem maltesischen Regierungschef Joseph Muscat, Italien werde einen Teil der 234 Flüchtlinge an Bord aufnehmen. Doch Malta hat noch kein endgültiges grünes Licht für die Einfahrt der "Lifeline" gegeben.

25. Juni | Auch Spanien lehnt Rettungsschiff mit Flüchtlingen ab

Seit Tagen harrt das Rettungsschiff "Lifeline" mit mehr als 200 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer aus - nach Italien und Malta hat nun auch Spanien dem Schiff eine Absage erteilt. Bundestagsabgeordnete warnen indes vor einer brenzligen Situation an Bord. Die Seenotretter selbst erheben schwere Vorwürfe an die europäische Politik.

23. Juni | Dresdner Seenotretter suchen dringend einen Hafen

Den Dresdner Seenotrettern von "Mission Lifeline" läuft die Zeit davon. Mit 230 Flüchtlingen an Bord befinden sie sich in internationalen Gewässern auf dem Mittelmeer und suchen einen Hafen. Nachdem Italien und Malta die Einfahrt verweigert hatten, spitzt sich die Lage an Bord zu. Nur über ein Transportschiff könne die Menschen derzeit versorgt werden.

22. Juni | Italien verwehrt Dresdner Seenotrettern das Anlegen

Sie will vor dem Ertrinken im Mittelmeer retten: die sächsische Organisation "Mission Lifeline". Mehr als 200 Flüchtlinge sind an Bord. Nun soll Lampedusa angesteuert werden. Doch Italien hat das Anlegen verwehrt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 04. Juli 2018 | 20:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2018, 18:19 Uhr

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