SPD-Mitgliedervotum Plakate
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exakt | 14.02.2018 Die SPD in Aufruhr

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Es wurde intensiv verhandelt, nun steht der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. Doch die Große Koalition ist damit noch nicht in trockenen Tüchern. Ab dem 20. Februar stimmen die Mitglieder der SPD darüber ab. Die Partei ist tief gespalten.

Der JUSO-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert gibt eine Pressekonferenz der JUSOS im Willy-Brandt-Haus.
Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert kämpft gegen eine Große Koalition. Bildrechte: dpa

Kevin Kühnert, der Vorsitzende der Jusos, ist ein klarer Gegner einer Neuauflage der GroKo. Er tourt durchs Land, um für ein Nein zum Koalitionsvertrag zu werben. 24 Orte in ganz Deutschland wird er dafür besuchen. Schon vorher hatten die Jusos unter dem Motto "Tritt ein – sag nein" um neue Mitglieder geworben. Seit dem Aufruf der Jusos sind gut 24.000 Menschen in die SPD eingetreten. In den fünf Wochen, nachdem Martin Schulz Kanzlerkandidat wurde, waren es nicht einmal halb so viele.

Klaus Wiedler aus Pirna ist bereits seit 1989 SPD-Mitglied. Er ist gegen die GroKo, denn in seinen Augen ist das "ein Stillstand für Deutschland. Da müssen Kompromisse eingegangen werden und es gibt keine Neuorientierung in die Zukunft".

Vor einem Jahr war die Stimmung in der SPD eine völlig andere. Die Partei feierte geschlossen den frisch gekürten Kanzlerkandidaten. Martin Schulz löste Jubelstürme aus. Die Umfragewerte der SPD explodierten. "Wir freuen uns sehr dass sich die SPD so gut entwickelt und sind guten Mutes", meinte damals Christian Schulze, SPD-Stadtrat in Leipzig.

Nun ist der gute Mut verflogen, die Enttäuschung ist groß. Einer der größten Fehler sei gewesen, Schulz das Thema Europa aus dem Wahlkampf zu streichen. Am Ende fuhr die SPD ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis ein – und will jetzt trotzdem wieder in eine Große Koalition mit der CDU. Schulze ist aus Prinzip dagegen: "Wenn wir nach Österreich gucken, nach Holland, nach Skandinavien, und wahrnehmen, wie dort die Ränder gestärkt werden durch die dauerhaften Großen Koalitionen, und am Ende die großen Parteien marginalisiert werden – also insbesondere die Sozialdemokratie – möchte ich das für Deutschland auf Dauer nicht erleben."

Martin Schulz hat nun das Amt des SPD-Vorsitzenden abgegeben. Viele in der SPD sind von ihm enttäuscht. Alexej Stephan, Mitglied im Landesvorstand der sächsischen Jusos, begründet das so: "Martin Schulz – indem er ständig seine Meinung ändert, und zwar fundamental ändert, trägt natürlich wieder dazu bei, dass das, was die Partei sagt, immer unglaubwürdiger wird." Und der Rest des Vorstands führe das weiter – zum Beispiel, indem der Andrea Nahles zuerst ganz ohne Abstimmung zur neuen Partei-Vorsitzenden machen wollte.

Andrea Nahles soll auf einem Sonderparteitag im April zur Vorsitzenden gewählt werden. Bis dahin wird Olaf Scholz die Partei kommissarisch führen. In der SPD hofft man auf ein Ende der Querelen. Damit wieder über Inhalte diskutiert werden kann.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 14.02.2018 | 20:15 Uhr

Junge Leute auf einer Veranstaltung der Jusos 6 min
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Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2018, 15:35 Uhr

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2 Kommentare

25.02.2018 13:10 vigilando ascendimus 2

Jeder hat seinen Kevin.

25.02.2018 10:10 OHNEWORTE 1

Ich las irgendwo....man muesse den JUSO Jungchef tiefer in die Geschicke der SPD einbinden....
Frueher sagte man hinter vorgehaltener Hand ,den muessen wir kaufen mit Posten und Geschenken.

Was sagen die neuesten Analysen zur SPD wenn am heutigen Tage Wahlen waeren ???? Voller Sieg fuer die SPD und ein Comeback fuer Martin Schulz ....die SPD 30% , die Afd bei 3% ???????

Leider ein Wunschdenken bei allen,die im Parlament so schoene ruhige Zeiten hatten......

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