FAKT exklusiv | 16.07.2018 Spionageverdacht bei OSZE-Mission

Ein OSZE-Mitarbeiter beobachtet mit einem Fernglas die Gegend.
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OSZE-Beobachter stehen in Sloviansk (Ukraine) auf einer zerstörten Brücke.
OSZE-Beobachter stehen in Sloviansk (Ukraine) auf einer zerstörten Brücke. Bildrechte: dpa

Der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) droht eine Spionageaffäre. Nach Informationen des ARD-Magazins "FAKT" sind interne Dokumente der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine offenbar an den russischen Nachrichtendienst FSB abgeflossen. Inhalt sind interne Berichte über besondere Vorkommnisse in den ostukrainischen Rebellengebieten sowie die Kommunikation des stellvertretenden Leiters der Mission, Alexander Hug. Auch detaillierte Pläne von OSZE-Einrichtungen standen im Fokus. "FAKT" liegt die Kopie eines Datenträgers vor, der sich nach Recherchen des Magazins zuvor im Besitz eines russischen FSB-Mitarbeiters befand.

In Dossiers erfasst: Charaktereigenschaften oder Vorlieben

Darauf abgespeichert sind auch Kurzdossiers über OSZE-Mitarbeiter. Diese enthalten unter anderem private Informationen, wie Charaktereigenschaften und Aufenthaltsorte der OSZE-Mitarbeiter in der Ukraine. Besonders pikant: auch Einschätzungen zu deren persönlichen Gewohnheiten und Vorlieben wurden in den Dossiers erfasst. Zum Beispiel Details über bevorzugte Frauentypen, Anfälligkeit für Alkohol und die finanzielle Situation.

Der stellvertretende Leiter der OSZE-Mission Alexander Hug zeigte sich schockiert über die Datensammlung. Im "FAKT"-Interview kündigte er interne Untersuchungen an: "Zu diesem Zeitpunkt können wir noch nicht sagen, was genau passiert ist. Wir werden weitere Details benötigen, um weiter in diesen Vorfall hineinzuschauen. Wir sind auch sehr besorgt über jeglichen Verstoß gegen unsere Sicherheit, auch über die von Ihnen gemachten Behauptungen. Wir nehmen die Sache ernst. Aber wir brauchen weitere Details, damit wir die Angelegenheit prüfen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen ergreifen."

Am Mittwoch kündigte die OSZE-Beobachtermission in der Ostukraine eine interne Untersuchung zu dem Verdacht der prorussischen Spionage in den eigenen Reihen an. Die Sprecherin der Mission, Iryna Korobko, bezeichnete die im "FAKT"-Bericht geäußerten Vorwürfe gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Kiew als "schweren Schlag". Die OSZE werde "natürlich untersuchen, was passiert ist und wie es passiert ist", sagte Korobko.

Deutschland beteiligt sich mit 26 OSZE-Beobachtern an Misson

Die Russische Botschaft in Berlin
Die Russische Botschaft in Berlin. Bildrechte: dpa

Nach den Recherchen könnten die Dokumente von einem Mitarbeiter der OSZE-Mission an russische Agenten weitergeleitet worden sein. Darauf deuteten unter anderem die Dokumenteneigenschaften hin. Die Botschaft der Russischen Föderation in Berlin erklärte auf Nachfrage, Auskünfte dazu lägen außerhalb ihrer Kompetenz.

Deutschland beteiligt sich mit sechsundzwanzig OSZE-Beobachtern an der internationalen Mission, deren Hauptaufgabe die Überwachung der Waffenruhe zwischen ukrainischen Streitkräften und prorussischen Rebellen ist. Laut OSZE wird im Schnitt täglich bis zu tausend Mal gegen das Minsker Abkommen verstoßen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 17. Juli 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2018, 13:14 Uhr

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