exakt | 28.03.2018 Sprengstoff-Fund bei Linken

Mitte März in Thüringen. Die Kriminalpolizei Saalfeld durchsucht vier Wohnungen in Rudolstadt und Uhlstädt-Kirchhasel. Einer Nachbarin war die Anlieferung großer Mengen Chemikalien aufgefallen. Die Beamten stellen mehrere Kilogramm an Substanzen sicher, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind. Ermittelt wird nun gegen zwei Verdächtige, 25 und 31 Jahre alt. Planten die beiden Sprengstoff-Anschläge? Sie bestreiten das, auch die Ermittler haben bisher keine Hinweise darauf entdeckt. Noch läuft die Untersuchung von Handys und Rechnern.

Aufregung im Thüringer Landtag

Der Fall sorgt dennoch für Aufregung im Thüringer Landtag. Grund dafür ist der politische Hintergrund des 31-jährigen Verdächtigen Jan R. Er war mehrere Jahre im Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ aktiv, nahm 2016 für die Gruppe sogar einen Preis der Landesregierung entgegen. SPD-Kreisrätin Christine Lehder ist ebenso Mitglied im Bündnis wie Kirchenvertreter, junge Antifas und Unternehmer. Laut Christine Lehder ist das Anliegen des Bündnisses „eine friedliche Auseinandersetzung mit politisch anders Denkenden“. Die Initiative hat sich mittlerweile klar von Jan R. distanziert.

Polizei beschlagnahmt Chemikalien die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind in Rudolstadt
Polizei beschlagnahmt in Rudolstadt Chemikalien die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weil große Mengen sprengstofffähiger Chemikalien bei einem Linken gefunden wurden, attackiert die Opposition die Landesregierung. Der Vorwurf: Rot-Rot-Grün spiele die Sache herunter. Erst nach Tagen hatte der Innenminister das Landeskriminalamt beauftragt, die Ermittlungen von der örtlichen Polizei zu übernehmen. Ministerpräsident Bodo Ramelow schwieg tagelang zu dem Fall. Mike Mohring, Fraktionschef CDU Landtag Thüringen fordert Aufklärung von der Landesregierung: „Ich finde, wer 100 Kilo Chemikalien für die Herstellung von Sprengstoff sammelt. Das ist kein Spaß und kein Budenzauber, das ist Ernsthaftigkeit und muss mit allen Mitteln bekämpft werden.“

Mutmaßungen über den Einsatzzweck der Chemikalien

Stichflamme bei einer Explosion
Sprengstoffexplosion von Internetseite der Beschuldigten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dennoch gibt es bis heute keine Klarheit darüber, wie die bestellten Chemikalien verwendet werden sollten. Mehrere Leute aus dem Umfeld von Jan R. sagen, er habe sich von dem anderen Verdächtigen überreden lassen, große Mengen Chemikalien zu bestellen. David G., der jüngere der beiden, betreibt offenbar seit Jahren eine Internetseite. Auf der werden zahlreiche Videos empfohlen, die Versuche mit Spreng- und Pyrotechnik zeigen. Wegen illegalen Böllerns wurde bereits einmal gegen ihn ermittelt, einmal erhielt er eine Strafe wegen eines kleineren Drogendelikts. Ging es also um den Kick des Sprengens und nicht um mögliche Anschläge? "Immerhin haben, sich die beiden Beschuldigten dahingehend eingelassen, in der Vergangheit pyrotechnische Erzeugnisse hergestellt zu haben und diese auch auf Freiflächen getestet zu haben", erklärt Sven Schroth, Sprecher der Staatsanawaltschaft Gera.

Keine Anhaltspunkte für geplante Anschläge

Für einen Terrorismusverdacht im Fall Rudolstadt gibt es derzeit keine Anhaltspunkte. Aber die Opposition bleibt bei ihrer Kritik an der Landesregierung. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion fordert Aufklärung über den Ermittlungsverlauf. Das Innenministerium weist die Kritik zurück. LKA und Verfassungsschutz seien schon vor den Razzien einbezogen gewesen. Die Ermittler prüfen jetzt auch, ob die beiden Verdächtigen etwas mit ungeklärten Sprengungen von Fahrkarten- und Zigarettenautomaten zu tun haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt | 28. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. April 2018, 18:49 Uhr