Die Story im Ersten Was Deutschland bewegt: Die Schattenseiten des Booms

Unter dem Titel "Was Deutschland bewegt" greift "Das Erste" mit sechs brisanten Dokumentationen relevante Themen auf: ab 30. April 2018, immer montags um 20:15 Uhr. Der Film "Schattenseiten des Booms" vom MDR ist der Auftakt der Reihe. Einen Tag vor dem "Tag der Arbeit" geht es um die größer werdende Gruppe derer, die nicht oder viel zu wenig vom Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre profitieren.

von Knud Vetten und Florian Farken

Seit 2005 sinken die offiziellen Arbeitslosenzahlen. Aktuelles Ziel: Vollbeschäftigung 2025. Die Konjunktur läuft auf Hochtouren. Überall werden Arbeitskräfte händeringend gesucht. Doch der Boom hat Schattenseiten. Viele Menschen fühlen sich benachteiligt. Sie arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen, kommen aus der Teilzeit nicht in die Vollzeit, werden unter Mindestlohn bezahlt und haben kaum eine Chance darauf, dass es besser wird.

Die Achillesferse des deutschen Arbeitsmarktes ist seit vielen Jahren die Langzeitarbeitslosigkeit. Die neue Regierung will jetzt das Problem, an dem sie schon in der letzten Legislaturperiode gescheitert ist, erneut angehen. Neue wichtige politische Anstrengungen, die für viele Betroffene aber zu spät kommen.

Abgehängte Regionen

Rainer Mechelke schrieb Hunderte Bewerbungen und fand doch nie einen dauerhaften Job, die lange Zeit ohne Arbeit machte ihn krank.
Rainer Mechelke schrieb Hunderte Bewerbungen und fand doch nie einen dauerhaften Job, die lange Zeit ohne Arbeit machte ihn krank. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Dokumentation geht es um die betroffenen Menschen. Müssen sie sich mit ihrem Schicksal abfinden? Was wäre notwendig, damit auch sie viel mehr am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben können? Wie schafft man es, dass es wieder aufwärts geht?

Rainer Mechelke aus Ostberlin fand nie den Job für lange Zeit. Er hat sich abgefunden und sagt: "Die lange Zeit der Arbeitslosigkeit hat mich krank gemacht."Der 60-Jährige ist einer von mehr als einer Million Langzeitarbeitslosen. Dem typischen Wendeverlierer Mechelke half es nicht, dass es von 2005 an wieder mehr Jobs gab. War er künftigen Arbeitgebern zu selbstbewusst, einem, dem man nicht mit miesen Angeboten kommen konnte? Heute findet er sich durch einen statistischen Trick nicht einmal mehr unter den Arbeitslosen, obwohl er es faktisch noch ist.

Schuften für Lohn unterhalb des Mindestlohns

Eine weitere brisante Schattenseite des Booms ist der Betrug beim Mindestlohn. Sage und schreibe 2,2 Millionen Arbeitnehmer schuften für Gehälter unterhalb des Mindestlohns. Das fand das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut Anfang diesen Jahres heraus. Eine unglaubliche hohe Zahl. Wie geht das in Zeiten des Arbeitskräftemangels? Mit Stücklohn, Nichtzahlen von Überstunden und mit anderen Tricks werden Arbeitnehmer um ihren gerechten Lohn geprellt. Die Dokumentation deckt Praktiken auf, wie in bestimmten Branchen gezielt weniger gezahlt wird, als gesetzlich vereinbart. Wer schlägt daraus Kapital?

Zwischen Wut, Ohnmacht und Resignation

Jiří Gabrhel hat als LKW-Fahrer für ein Subunternehmen der Deutschen Post pro Monat 850 Euro zu wenig Lohn erhalten.
Jiří Gabrhel hat als LKW-Fahrer für ein Subunternehmen der Deutschen Post pro Monat 850 Euro zu wenig Lohn erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mittelbar profitieren auch deutsche Großkonzerne ganz ordentlich davon. Weil sein Subunternehmer ihm keinen Mindestlohn zahlte, verklagte Jiří Gabrhel aus Tschechien die Deutsche Post als Auftraggeber. Und der gelbe Riese gab nach. Das Unternehmen musste ihm für zehn Monate Arbeit insgesamt 8500 Euro nachzahlen. Nur eine Geschichte, eine mit einem guten Ausgang für den kleinen Mann. Viele andere Arbeitnehmer trauen sich allerdings nicht, ihre Rechte wahr zu nehmen. Sie sind zermürbt. Denn der Druck am Arbeitsplatz hat sich in vielen Unternehmen erhöht. Zwischen Wut, Ohnmacht und Resignation. So fühlen sich die Menschen auf der Schattenseite. Viele sind von Altersarmut bedroht.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Die Story im Ersten | 30. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Mai 2018, 19:29 Uhr

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