Menschen bei den Tafeln
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 11.04.2018 Die Tafel und das Anspruchsdenken

Die Tafeln sind gegründet worden, um Essen vor der Tonne zu bewahren. Doch sind die Tafeln für viele mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Über 1.5 Millionen Menschen nutzen diese Einrichtungen regelmäßig. Viele haben sich daran gewöhnt, die Waren zu einem Spottpreis mitzunehmen. Das bringt neue Probleme mit sich.

Menschen bei den Tafeln
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Die Tafel in der Kleinstadt Pirna ist eine von 1.000 in ganz Deutschland. Hier kümmert sich die Tafel um bis zu 80 Haushalte. Für Tafelchefin Sandra Furkert ist das Problem, dass sich bei einigen Kunden eine gewisse Selbstverständlichkeit entwickelt hat. Die Kunden würden die Tafel als einen Supermarkt betrachten. Für eine kleine Abgabe bekämen sie dort alles, was es auch in einem Aldi oder Rewe gibt. Ein kleiner Obolus kann so schon Mal einen Warengegenwert von 30 bis 40 Euro haben. Dieses Denken sei vor allem bei denen der Fall, die schon seit 25 Jahren kommen. Sie hätten sich seit dem ersten Tag auf ein Leben mit der Tafel eingerichtet.

Die Tafeln sind zu nichts verpflichtet

Sandra Furkert, Leiterin der Pirnaer Tafel kennt dieses Anspruchsdenken: "Ihr müsst dafür sorgen, dass ihr uns was zu essen gebt, ihr seid verpflichtet. Hab ich öfters hier. Dazu muss ich sagen, wir sind zu gar nichts verpflichtet."

Erst kommt die Scham, dann die Gewöhnung

Auch Holger Schäfer, vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft, kennt diese Probleme. Der Ökonom forscht zu den Themen Langzeitarbeitslosigkeit und Armut. Seiner Ansicht nach sei zwar der erste Gang zur Tafel ein Problem, sobald es aber zu einer Regelmäßigkeit würde, trete eine Gewöhnung ein. Und mit dieser Gewöhnung käme dann auch ein gewisser Anspruch, den die Kunden an die Tafel hätten. Oder besser gesagt, der Glaube einen Anspruch zu haben. Denn viele Kunden würden vergessen oder wüssten nicht, dass die Tafeln aus sozialem Engagement und Wohltätigkeit entstünden. Einen Anspruch auf bestimmte Leistungen bei der Tafel habe niemand, so der Ökonom.

Die Tafel ist keine Dauerlösung

Eine Frau vor einer Tür
Die Leiterin der Pirnaer Tafel, Sandra Furkert, wünscht sich auch mal ein Dankeschön für die Arbeit ihrer Kollegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Pirna hat Sandra Furkert beobachtet, dass sich die Menschen auf ein Leben mit der Tafel einstellen. Das ist eigentlich nicht ihr Zweck. Nach Meinung von Ökonom Schäfer sollten die Tafeln nur kurzfristig helfen. Das langfristige Ziel sei immer noch die Grundsicherung. Die Menschen sollen zukünftig wieder auf eigenen Beinen stehen. Das wünscht sich Sandra Furkert auch für die Kunden der Pirnaer Tafel. Was sie sich ebenfalls wünscht, wäre ein bisschen Anerkennung für ihre Arbeit und die ihrer Mitarbeiter.

Dass die Tafelkunden die Arbeit von meinen Kollegen oder von allen Tafeln, dass die mal ein Dankeschön kriegen, dass die mal ein Feedback für die Arbeit, die sie leisten. Das würde ich mir sehr wünschen. Denn das würde auch viel Kraft geben, denn die brauchst du jeden Tag, jeden Tag aufs Neue. Viel Nerven und viel Kraft.

Sandra Furkert Leiterin der Pirnaer Tafel

Dieses Thema im Programm: exakt | 11. April 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2018, 18:43 Uhr

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4 Kommentare

12.04.2018 16:46 Lilaweissi46 4

Das ist eine Riesen sauerei. Die beiden männlichen arbeitsscheuen Typen trauen sich noch vor die Kamera, unglaublich. Ich hatte den Film bei Facebook geteilt mit einem persönlichen Kommentar, nach wenigen Minuten war das Video gelöscht. Die Tafeln werden missbraucht und keiner unternimmt was dagegen, die wirklich Unterstützung brauchen bekommen nichts mehr. Die pirnaer tTafel muss handeln...

12.04.2018 06:18 Dresdnerin 3

Ich habe den Beitrag auch gesehen, warum bekommt dieser Mann noch finanzielle Unterstützung? Der soll arbeiten gehen, und wenn ich höre der Weg nach Dresden sei zu weit. Er hatte doch ein Auto. Und wenn er meint er bekommt hier zu wenig Gehalt, dann muß er dorthin ziehen, wo er mehr Geld verdient, oder pendeln! Was er macht ist jammern auf hohem Niveau. H4 ist zum überleben da, nicht zum leben, und die Tafeln als Notlösung. und man kann davon leben, man muß nur Prioritäten setzen.

11.04.2018 20:55 Frank Leidert 2

Habe den Beitrag zur Tafel gesehen, ich finde es als Treistigkeit vom Mann aus Markersbach zu behaupten der Weg nach Dresden sei zu weit zur Arbeit. Manch andere Bürger müssen über 2 Stunden zur Arbeit hin und zurück fahren. Man müsste den Mann beim Jobcenter anzeigen!

11.04.2018 20:46 RONI 1

Der Bericht zu den Tafeln ist ein Skandal, also der Inhalt: die Tafeln gehören sofort abgeschafft, Leute haben sich bequem eingerichtet , haben keinen Anlaß sinnvoll mit ihrem Geld umzugehen, zu arbeiten (die Gesunden), kochen zu lernen, finanzieren lieber unsinnige Dinge ! Der Ober-Hit: Carsten Schmuck, Ingenieur, seit Jahrzehnten zu Hause mit großem Hausbesitz (!!!!) und Kfz, zu faul zum arbeiten und zum Job zu fahren, jammert dermassen , der lacht uns Einzahler doch alle aus...Pfui.Sofort alle Stütze streichen und Tafelausweis einziehen,sofort. Die Tafel-MA können einem nur Leid tun,ich würde das nicht tun.

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