exakt | 26.07.2017 Arbeiten in der Fleischfabrik

Die Arbeit in der Fleischindustrie ist ein Knochenjob. "exakt" berichtete vor wenigen Wochen über schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Bezahlung im Weißenfelser Schlachthof von "Tönnies". Dort wollen kaum noch Deutsche arbeiten. Vor allem Rumänen und Bulgaren machen diese Jobs.

Ein Tönnies-Mitarbeiter schildert gegenüber "exakt", dass er zwischen 200 und 300 Stunden im Monat arbeitet, jedoch nur einen Teil der Überstunden bezahlt bekommt. Kranken- und Urlaubsgeld gäbe es gar nicht. Außerdem stünden die Mitarbeiter ständig unter dem Druck, ihre Arbeit zu verlieren.

Eine Ursache des Problems sei, dass die Mitarbeiter bei Subunternehmen angestellt sind. Jedes Subunternehmen bekommt einen Festpreis, damit es eine bestimmte Menge an Schweinen zerlegt. Davon muss es seine Leute bezahlen. Je weniger die Beschäftigten bekommen, desto mehr bleibt für den Subunternehmer. Zwar erhalten die Arbeiter einen Mindestlohn von 8,75 Euro, doch vielen wird noch Geld für Arbeitsmittel und einigen sogar für die Unterkunft abgezogen.

Doch wie sind sie eigentlich untergebracht? "exakt" trifft eine Gruppe von Rumänen in ihrer Wohnung. Zu zehnt leben sie in vier Zimmern. Die Räume sind heruntergekommen, in der Küche wimmeln Kakerlaken.

Nach der Ausstrahlung unseres Films waren die Mitarbeiter des kommunalen Wohnungsunternehmens WVW entsetzt. Denn ihnen gehören die Häuser. Jetzt begutachtet man die Unterkünfte in Weißenfels, in denen Mitarbeiter des Tönnies-Schlachthofs leben. Etwa 40 Wohnungen werden hier von Firmen angemietet. Diese vermieten dann einzelne Schlafplätze weiter an Schlachthof-Mitarbeiter. WVW-Geschäftsführerin Kathleen Schechowiak kontrolliert Heizungen und Sanitäranlagen – und die Zahl der Bewohner.

Wir haben in diesen Mietverträgen Personenzahlen definiert. Und da sind zehn Personen pro Wohnung weit weg von dem, was wir festgelegt hatten. Und auch die Zustände … Wir wohnen selbst nicht drin und wenn es ein Schädlingsbekämpfungsproblem gibt, muss man es uns sagen. Und insofern: Die Zustände waren einfach verheerend.

Kathleen Schechowiak, Geschäftsführerin WVW Weißenfels

Die vermietenden Firmen haben nun einige Wochen Zeit, die Mängel zu beseitigen – auch danach sollen sie stärker in die Pflicht genommen werden.

Hier ist es vielleicht über die Jahre versäumt worden zu sagen, dass der Untervermieter seine Pflichten wahrzunehmen hat. Insofern wird das jetzt ein harter Prozess, auch für die Firmen – in Teilen – das zu lernen: Dass eben nicht nur das Bett abzukassieren ist, sondern dass es auch eine Fürsorgepflicht als Vermieter gibt.

Kathleen Schechowiak, Geschäftsführerin WVW Weißenfels