exakt | 21.11.2018 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Wie ging es weiter?

Drei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind vor drei Jahren in Leipzig angekommen – nur mit dem, was sie am Leib trugen. Sie konnten kaum Deutsch. Was ist aus ihnen geworden und wie geht es ihnen heute?

Ahmed arbeitet bei Amazon, Mohammad hat gerade die 9. Klasse absolviert und Eihab muss gerade neu anfangen. Die drei Cousins sind vor drei Jahren als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Exakt hat sie damals getroffen und schaut nun, was aus ihnen geworden ist.

Drei junge Männer
Eihab, Mohammad und Ahmed (v.l.n.r.) sind seit drei Jahren in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als die drei Syrer 2015 in Leipzig angekommen sind, konnten sie kein Deutsch und nur erahnen, was ihr Vormund ihnen sagen wollte. "Sie müssen ankommen", sagte Katja Genedl damals. Als sie ankamen, hatten die drei Jugendlichen nur das, was sie am Leib trugen.

Nun arbeitet Ahmed El-Sallak bei Amazon und verdient etwas über 1000 Euro netto im Monat. Davon finanziert er seine Wohnung, sein Leben und begleicht Schulden: Geld, mit dem seine Familie ihre Flucht bezahlt und den Vater aus einem syrischen Gefängnis freigekauft hat. Er ist nach wie vor allein, seine Familie ist in Griechenland gestrandet. Dennoch hat er ein Ziel: Eine Ausbildung zum Zahntechniker beginnen.

Mohammad besucht derzeit eine Oberschule in Leipzig-Grünau. Dort lernen zahlreiche Kinder mit Migrationshintergrund. Er hat viele Freunde gefunden - auch unter deutschen Kindern. "Wenn ich die 10. Klasse gut geschafft habe - mit guten Noten, werde ich weiter studieren. Wenn nicht, werde ich eine Ausbildung machen." Mohammad hatte Glück: Eltern und Geschwister durften 2016 nachziehen.

Frau
Katja Genedl vom Jugendamt betreut die drei seit sie in Leipzig sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eihab muss dagegen gerade ins Asylbewerberheim ziehen – nachdem er gerade volljährig geworden ist, ist dies gesetzlich so vorgeschrieben. In den vergangenen Jahren hatte er recht wohlbehütet in einer Wohngruppe für minderjährige Jugendliche gewohnt. Zwischendurch wollte er die Schule abbrechen, schaffte dann aber doch die 9. Klasse. Nun muss er auf eigenen Füßen stehen und würde gern eine Ausbildung beginnen: "Physiotherapeut. Das will ich gerne machen." Momentan lebt er von Hartz IV.

Katja Genedl hat Eihab, Ahmed und Mohammad betreut. Aus ihrer Sicht hat sich der Aufwand für die drei jungen Syrer gelohnt. "Da haben die auf jeden Fall eine super Entwicklung hingelegt. Die haben alle drei gut Deutsch gelernt und sich wirklich bemüht", sagt die Frau vom Jugendamt. Dabei dürfe man auch nicht vergessen, was die "Jungs erlebt haben, was sie durchgemacht haben."

Hier der Beitrag aus dem Jahr 2015 als MDR-exakt die drei zum ersten Mal getroffen hat:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 21. November 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2018, 19:17 Uhr