exakt | 07.03.2018 Freital - die Unterstützer der Terrorgruppe

Im Prozess gegen die rechtsextreme "Gruppe Freital" ist das Oberlandesgericht Dresden im Wesentlichen der Anklage der Bundesanwaltschaft gefolgt und sprach die sieben Männer und eine Frau unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, des Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen und versuchten Mordes, beziehungsweise Beihilfe dazu, schuldig. Zehn Jahre bzw. neuneinhalb Jahre Haft verhängte das Gericht für die beiden Rädelsführer: Timo Schulz und Patrick Festing. Die mildeste Strafe von vier Jahren gab es für den jüngsten Angeklagten, der nach der ersten Razzia auspackte und Reue zeigte.

Sprengstoffanschläge und versuchter Mord

Die Gruppe hatte 2015 mehrere Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingswohnungen und Linke verübt. Zum Beispiel auf das Auto eines Stadtrats der Linken, auf eine Wohnung von Flüchtlingen aus Eritrea in Freital und auf ein linkes Hausprojekt in Dresden. Den letzten Anschlag mit drei Sprengböllern auf eine Wohnung von Syrern in Freital wertete das Gericht als versuchten Mord.

Vor Gericht schwieg Timo Schulz. Er war der Antreiber der Gruppe. Sein Lieblingssatz: "Wir müssen mal wieder ausrasten". Der Busfahrer betätigte sich schon vor seinem Umzug nach Freital jahrelang in der rechtsextremen Szene von Hamburg. Ein ehemaliger Kamerad erinnert sich gut an ihn, weil Schulz sogar im Umfeld der inzwischen verbotenen "Weiße Wölfe Terrorcrew" als äußerst aggressiv auffiel. „Das war kein politisches Interesse bei ihm, der war nur auf Krawall aus ...", sagt der Hamburger Neonazi.

Terroristen waren in Stadtbevölkerung verankert

Freital tut sich bis heute schwer mit seinen Rechtsextremisten. Das gilt auch für den Oberbürgermeister, der die Freitaler Terrorgruppe nur auf "eine Handvoll Beteiligte" reduzierte. Angeklagt waren bisher nur die, die an Anschlägen auf bewohnte Häuser beteiligt waren. Tatsächlich laufen zehn weitere Ermittlungsverfahren gegen weitere Personen, zwei wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und acht wegen Unterstützung. Nach "exakt"-Informationen werden auch drei Lebensgefährtinnen von schon Verurteilten beschuldigt. Eine von ihnen soll sich an Sprengversuchen der Gruppe beteiligt und den schwersten Anschlag auf eine Flüchtlingswohnung mit geplant haben.

Andrea Hübler von der Opferberatung Sachsen hat den Prozess ein Jahr lang verfolgt. Für sie hat das Verfahren klar gezeigt, dass die "Gruppe Freital" tief in der Stadtbevölkerung verankert war.

Die Gruppe fand sich im Sommer 2015 bei den ausländerfeindlichen Demos vor dem Freitaler Asylbewerberheim zusammen. Seither auch dabei: Sebastian S. Gegen ihn wird noch ermittelt. Im Geheimchat der Gruppe nannte er sich Adolf Hitler. Einen Monat später fährt S. zusammen mit dem Sprengmeister der Gruppe los, um das Auto des Linken-Stadtrats Michael Richter in die Luft jagen. Nach eigenen Angaben ist auch ein dritter Mann dabei: Der Verkäufer Ferenc A.. Er wartet noch auf seinen Prozess. Entschuldigt hat er sich nie, sondern sein Opfer nach dessen Aussage vor Gericht noch auf Facebook verhöhnt. Zitat: "Ich hoffe, der schwitzt frühs beim Aufstehen."

In die Rubrik mutmaßlicher Mitwisser und Hetzer fällt auch Dirk A., NPD-Stadtrat in Freital. Auch gegen ihn läuft ein Strafverfahren. Als Zeuge hat er deshalb im Prozess nichts gesagt, uns gegenüber bestritt er alle Anschuldigungen.

Doch die Geheimchats der Gruppe zeigen, dass Dakom, wie Dirk A. sich dort nannte, nicht nur über Anschlagsvorhaben informiert war, sondern auch zu Gewalt aufrief.

Mitwisser und Unterstützer

Zu den 16 Mitgliedern des Geheimchats gehörte auch Sandro M., auch er wusste von den Straftaten. Wir wollten ihn fragen, warum er einen aussagewilligen Angeklagten bedrohte. Aber M. sagt kein Wort. Seine im Prozess vorgespielten Sprachnachrichten sind voller Gewaltphantasien. Doch die Terroristen hatten noch weitere punktuelle Helfer, die wahrscheinlich juristisch nicht belangt werden können.

Carrie L. war auch bei den Protesten vor dem Flüchtlingsheim dabei. Vier Monate später soll sie Sprengstoff für die Gruppe in ihrer Wohnung versteckt haben. Per SMS wurde ihr die Lieferung von Obst, das Codewort für illegale Böller, angekündigt. Am Abend vor dem Anschlag auf die Syrer soll sie die Ware entgegengenommen haben. Ein anderer Mann, das kam im Prozess heraus, soll die Gruppe zu Aktionen gegen einen flüchtlingsfreundlichen Vermieter aufgefordert haben und für fast alle rechtsextremen Schmierereien verantwortlich gewesen sein. Die Schmierereien bestreitet er nicht.

Nur einer hat im Prozess wirklich Reue gezeigt: der jüngste Angeklagte. Patrick F., der zweite Rädelsführer, hat es zumindest versucht. Beim ehemaligen Linken-Stadtrat Michael Richter, der Freital inzwischen verlassen hat, entschuldigte er sich per Brief.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 07. März 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 21:58 Uhr

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3 Kommentare

09.03.2018 06:58 Überzogen 3

Ein Urteil, das ein Exempel statuieren soll und politischen Geschmack hat. Wieso schafft es der Rechtsstaat nicht bei solchen Typen Recht und Gesetz anzuwenden ?

08.03.2018 10:43 sh 2

@1, wie kann man eine Stadt beurteilen, wenn man nicht einmal deren Namen schreiben kann. Was Sie sich hier erlauben ist Verleumdung, leider auch noch veröffentlicht.

07.03.2018 22:22 Squareman 1

Die Terrorgruppe Freithal ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Gruppe, ihr Denken und Handeln ist fest in Freithal verwurzelt. Das sieht man auch an den unzähligen Helfern und Mitwissern. Man merkt es auch daran wie in den Kommentaren verharmlost und die Taten heruntergespielt werden. Freithal ist eine Schande für Deutschland.