exakt | 01.08.2018 Zum Vertrocknen verdammt: Gießverbot bei Kleingärtnern

Der Rasen des Fußballvereins in Stedten leuchtet grün, während die Pflanzen der Kleingärtner immer brauner werden. Die einen dürfen das Wasser nutzen, die anderen nicht.

"Das ist schon dramatisch", sagt Roland Spitzner. Der emeritierte Professor steht in seinem Kleingarten und muss zusehen, wie alles verdorrt. Es ist die Hitze und das Verbot Wasser aus der naheliegenden Weida zu nutzen. Es betrifft den ganzen Verein der Kleingartenanlage "Schäferbrücke" in Stedten (Mansfelder Land).

Zwei Männer in roten Shirts schauen kritisch.
Die Kleingärtner Kay Schönburg (l.) und Roland Spitzner müssen zusehen, wie ihre Pflanzen vertrocknen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wenn die Not groß genug ist, dann gibt es nichts was das verhindert", sagt Spitzner. Direkt neben seinem Garten fließt ein Fluss. Bevor ihm alle seine Pflanzen vertrocknen, würde er zur Gießkanne greifen und "was illegales tun". Etwas Illegales würde in diesem Fall, und wenn er erwischt wird, bedeuten: bis zu 50.000 Euro Strafe.

Eigentlich versorgt ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem die Anlage. Das Wasser kommt aus der naheliegenden Weida per Pumpe - schon seit über 40 Jahren. Doch das dürfen die Gärtner zurzeit nicht nutzen, voraussichtlich bis Ende September. Der Vereins-Vorsitzende Kay Schönburg erfuhr darüber aus der Zeitung – per Zufall.

Als er las, welche Strafe möglich ist, "dann sind bei mir gleich die Alarmglocken angegangen", sagt der Kleingärtner. Deswegen schaltete er vor 14 Tagen das Wasser ab. Das Ergebnis sind vertrocknete Wiesen und Beete. Einige Gärtner schleppen mühevoll Kanister mit Trinkwasser von zu Hause in die Gärten, um wenigstens etwas Flüssiges an die Pflanzen zu bringen.

Die einen dürfen, die anderen nicht

Ein Rasensprenger bewässert eine grüne Wiese.
Der Fußballplatz darf bewässert werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Währenddessen sprudelt nebenan auf dem Platz des Fußballvereins Stedten der Sprenger. Die Fußballer haben einen 40 Meter tiefen Brunnen und dürfen deshalb weiter Wasser entnehmen. "Mich ärgert das auch ein bisschen. Bei uns verdorrt alles und hier wird in der größten Mittagssonne der Rasen beregnet", sagt Schönburg. Der Vorsitzende hat bei der zuständigen Behörde angefragt, ob es möglich wäre, irgendwie das Wasser in die Gärten zu bekommen, doch er habe nichts erreichen können.

MDR-exakt fragt das Landratsamt in Sangerhausen. Warum dürfen die einen Wasser nutzen und die anderen nicht? Ein Interview wird abgelehnt. Schriftlich heißt es: "Eine ungeregelte und uneingeschränkte Entnahme von Wasser bedroht die Tier- und Pflanzenwelt in den Gewässern und gefährdet dessen notwendige natürliche Selbstreinigung."

Offenbar ist eine Entnahme aus der Tiefe, wie bei einem Brunnen, keine Bedrohung. Die Gärtner können offenbar nur zusehen, wie ihre Gärten, die sie meist schon sehr viele Jahre bewirtschaften, austrocknen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 01. August 2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2018, 19:48 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

14 Kommentare

03.08.2018 11:40 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 14

@02.08.2018 10:00 Monika

(Also zufällig aus der Zeitung erfahren geht gar nicht. Jeder Gartenbesitzer muß persönlich angeschrieben werden. Die Leute sollen sich mal erkundigen. So wie geschehen, wenn das stimmt, ist nichts strafrelevant!)

Das ist Unsinn: Ein Gesetz erlangt Gültigkeit, nachdem es öffentlich bekannt gemacht worden ist.
Die Bekanntmachung erfolgt durch Behördenaushang, in amtlichen Mitteilungen der Zeitungen bzw. im WWW bzw. allgemein in den einschlägigen Rubriken der Medien.

SIE als Bürgerin(!) haben die Pflicht, sich über die aktuelle Gesetzeslage aus eigenem Antrieb zu informieren und das insbesondere, wenn sie etwas vorhaben, dass schon dem Anschein nach nicht gesetzeskonform sein könnte. Eingriffe und Entnahmen in die/aus der Umwelt gehören unmittelbar einsehbar dazu. Das gilt übrigens auch für den Einsatz von "Pflanzenschutz"mitteln.

Und das ist auch gut so.

03.08.2018 11:33 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 13

@02.08.2018 17:19 MD

(Da sieht man wieder Behördenblödsinn und Behördenwillkür in Allerfeinster Form. Der kleine Mann kann ja seine Mühevolle Arbeit ruhig im Garten verkommen lassen,)

Nein, das sieht man da nicht - von ihnen weiss ich's nicht. Ansonsten "sieht man" da einmal die Wasserentnahme aus einem offenem Fließgewässer, in dem auch Fische etc. leben und ein andermal die Entnahme aus einem Brunnen - Ersteres ist z. Zt. vollkommen zu recht verboten. Letzteres nicht. Da gibt es auch nichts zu diskutieren, wie eine kurze Überlegung unmittelbar klarwerden lässt.

Ihren ja stets dauerbeleidigten "Kleinen Mann" können sie stecken lassen - das fällt nur auf sie zurück. Wobei diese "Argumentation" einmal mehr sehr deutlich werden lässt, mit welcher Sorte "Bürger" wir es in gewissen Gegenden zu tun haben.

03.08.2018 08:35 Wolpertinger 12

@02.08.2018 16:53 Monika
Ja, das ist wirklich so. Ist aber nicht ungewöhnlich. Bundesgesetze gelten auch ab Bekanntmachung im Bundesgesetzblatt. Das hat nun auch nicht jeder zu Hause rumliegen.

02.08.2018 21:57 Hedda 11

@Uhlenspiegel: Wie wurde der Brunnen des Fußballvereines finanziert? Durch Beiträge der Vereinsmitglieder? Oder gibt es dafür evtl. Fördermittel? Da Sie sagen, dass Grundwasser wäre ausreichend vorhanden, wäre es dann nicht eine hilfreiche Geste den Gärtnern auszuhelfen? Schließlich sind Blumen wichtig für die Bienen und Bäume für den Sauerstoff.

02.08.2018 17:25 MD 10

Warum legen eigentlich nicht alle Kleingärtner zusammen, und lassen sich einen Brunnen Bauen, das geht heutzutage Ruckzuck, zumal ja ein Dauerhaftes Wasserentnahmeverbot droht.

02.08.2018 17:19 MD 9

Da sieht man wieder Behördenblödsinn und Behördenwillkür in Allerfeinster Form. Der kleine Mann kann ja seine Mühevolle Arbeit ruhig im Garten verkommen lassen, es gibt ja noch die Einkaufsmärkte, also kann man da auch Obst und Gemüse kaufen, denn das bringt ja mehr Steuern. Dieser Bach führt noch genug Wasser, so eine Willkür die ist nicht mehr normal.

02.08.2018 16:53 Monika 8

@02.08.2018 14:04 Wolpertinger
Was ist denn das für eine haarsträubende Regelung? Es liest doch nicht jeder bzw. niemand kann zum Zeitunglesen verpflichtet werden. Ich kann das gar nicht glauben. Ist das wirklich so?

02.08.2018 15:42 Ulenspiegel 7

Wir fassen zusammen:

Der Fussballverein hat sich irgendwann einen Brunnen bohren lassen und kann jetzt auf das ausreichend vorhandene Grundwasser zugreifen.

Der Kleingärtnerverein hat sich diese Investition gespart und stattdessen auf mehr oder minder legale Entnahme von Flusswasser gesetzt, das gerade zu knapp ist, um damit Blumen zu gießen und Rasen zu sprengen.

02.08.2018 15:40 Martha 6

Obst und Gemüse in den Gärten zu wässern ist sinnvoller und wichtiger als den Rasen eines Fußballvereines zu bewässern. Fußball kann auch auf vertrocknetem Rasen gespielt werden. Hier könnte der Fußballverein, sofern er vernünftig denkt, den Gärtnern doch mit Wasser aushelfen.

02.08.2018 14:04 Wolpertinger 5

@02.08.2018 10:00 Monika
Ich denke, so einfach ist das nicht. Bei uns ist es zB so, dass Bekanntmachungen in der Tageszeitung verbindlich als für alle veröffentlicht gelten. Zu erkennen am Zeitungszusatz:"Amtliches Organ der Stadt...."