Johannes Debus

Der Dirigent Johannes Debus
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Das Handwerk hat Johannes Debus an der Oper Frankfurt gelernt, wo er 1998 nach seinem Dirigierstudium in Hamburg als Korrepetitor anfing. Als Kapellmeister erarbeitete er sich dort später ein Repertoire von Mozart über Verdi bis Adès. »Es war ein Glücksfall, fast zehn Jahre lang an einem so innovativen Haus kontinuierlich wachsen zu können.« In Frankfurt lernte er auch Hans Werner Henze kennen, dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb.

Seit 2009 ist Debus Musikdirektor der Canadian Opera Company in Toronto. Er mag die Diversität und offene Arbeitsatmosphäre der Stadt. Hier findet er Neugierde und Risikobereitschaft vor, um die Bandbreite seines Repertoires kontinuierlich zu erweitern. Unter seiner musikalischen Leitung ist die internationale Reputation und Sichtbarkeit des größten kanadischen Opernhauses in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen. Auch die pädagogische Arbeit gewinnt dabei für Debus zunehmend an Bedeutung. In Toronto leitet er die einzige Orchesterakademie mit Schwerpunkt Oper in Nordamerika und dirigiert regelmäßig Konzerte mit den Studenten des Royal Conservatory Orchestra, beim Aspen Music Festival gibt er Meisterkurse.

Debus bezeichnet sich als transatlantischen Hybrid. »Einen Fuß auf beiden Kontinenten zu haben, ist sehr bereichernd. Ich habe das Beste aus beiden Welten und versuche, sie zu verbinden.« In Nordamerika ist Debus zu Gast bei den großen Symphonieorchestern wie dem Cleveland Orchestra und dem Boston Symphony Orchestra. 2016 feierte er mit Salome sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera. In Europa dirigiert Debus das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das hr-Sinfonieorchester und das Hallé Orchestra sowie an der Bayerischen Staatsoper München, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, der Oper Frankfurt, der English National Opera und der Opéra National de Lyon. Sein Debüt bei den BBC Proms gab er 2014 mit der Britten Sinfonia, 2015 leitete er eine Neuproduktion von Hoffmanns Erzählungen bei den Bregenzer Festspielen. Als Gastdirigent stand er bei mehreren internationalen Festivals wie der Biennale di Venezia und den Schwetzinger Festspielen, dem Festival d'Automne in Paris, dem Lincoln Center Festival, der Ruhrtriennale, dem Suntory Summer Festival und dem Spoleto Festival auf der Bühne.

Der 1974 geborene Debus sieht sich als Generalist. Er fühlt sich bei Monteverdi und der Wiener Klassik genauso zuhause wie bei Janáček und der Musik des 20. Jahrhunderts. Zeitgenössische Musik und die Kooperation mit renommierten Neue-Musik-Ensembles wie dem Ensemble intercontemporain, dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und der Musikfabrik bilden ein wichtiges Kontinuum seiner Arbeit. »Ich möchte nichts von dieser musikalischen Vielfalt missen«, sagt Debus. »Wenn die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind, dann ist auch jede Musik das Tor zu einer neuen (Klang-)Welt. Sie gibt uns die Möglichkeit, in neue Dimensionen vorzustoßen, die weniger begrenzt sind als das, was wir in unserem Alltag erleben.«

Johannes Debus im MDR-Konzert

4Jan 20:00 Uhr