Konzert zum Totensonntag Hindemiths Requiem mit den MDR-Ensembles

Beim traditionellen Requiem zum Totensonntag steht diesmal Paul Hindemiths Flieder-Requiem "When lilacs last in the door-yard bloom'd" auf dem Programm der MDR-Ensembles. Chefdirigent Dennis Russell Davies leitet MDR-Sinfonieorchester und MDR-Rundfunkchor am 21.11 bei der Matinée, in der auch Mendelssohns Reformationssinfonie erklingt. MDR KLASSIK überträgt das Konzert 11 Uhr live, die Wiederholung ist am Abend ab 19.30 Uhr bei MDR KLASSIK und MDR KULTUR zu hören.

Die Sängerinnen und Sänger des MDR-Rundfunkchors singen in festlicher Kleidung im Gewandhaus
Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Walt Whitman
Dichter Walt Whitman Bildrechte: IMAGO

Traditionell sind MDR-Sinfonieorchester und MDR-Rundfunkchor im Gewandhaus gemeinsam zu erleben, wenn jedes Jahr am Totensonntag ein Requiem auf dem Programm steht. Auch diesmal bringen die beiden Ensembles große Chorsinfonik auf die Bühne: Paul Hindemiths Requiem „When lilacs last in the door-yard bloom'd“. Nicht Texte der lateinischen Liturgie, sondern Verse des US-amerikanischen Lyrikers Walt Whitman (1819 – 1892) liegen dem Werk zugrunde, das im Auftrag eines New Yorker Chors im Jahr 1945 entstand. Whitmans schrieb das Gedicht „When lilacs last in the door-yard bloom'd“ mit seiner poetischen Bildsprache 1865 als Reaktion auf die Ermordung von Präsident Lincoln durch einen politischen Fanatiker unmittelbar nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs – eine historische Parallele zur Zeit von Hindemiths Komposition: Sie entstand kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs und dem Tod Präsident Roosevelts.

Nahaufnahme von vielen Fliederblüten von oben
Flieder in voller Blüte Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Als Flieder jüngst mir im Garten blüht’
Und im West frühe das große Gestirn verwelkt’ in die Nacht,
Trauert’ ich, und Trauer bringt mir jede nahnde Frühlingszeit.
Du, nahende Frühlingszeit, wahrlich bringst mir Dreifältigkeit;
Flieder, jährlich in Blüte; vergehnden Stern dort im West;
Gedenken dem, der mir lieb.

Der deutsche Komponist und Dirigent Paul Hindemith
Komponist Paul Hindemith Bildrechte: dpa

So beginnt Hindemiths eigene Übersetzung von Whitmans Zeilen, die sich poetisch mit dem Trauerzug von Lincolns mit Fliederblüten geschmücktem Sarg durch die USA beschäftigen. Dem deutschen Komponisten war der symbolische Wert des Gedichts für das amerikanische Selbstverständnis durchaus bewusst. Nachdem seine Musik von den Nazis als entartete Kunst gebrandmarkt worden war, emigrierte Hindemith in die USA und unterrichtete bald an der Yale University Komposition. Erst kurz vor der Entstehung des Requiems war er eingebürgert worden und voll Dankbarkeit gegenüber der Nation, die ihn aufgenommen hatte. Allerdings komponierte er keine genuin amerikanische Musik, sondern blieb im Requiem mit musikalischen Formen wie der der Fuge, der Passacaglia, dem Arioso oder dem Marsch den großen europäischen Traditionen treu. Eine jüdische Melodie auf den Hymnus „For those we love“ entdeckte er in einem Gesangbuch und machte sie zur Keimzelle fast aller Themen der Komposition – und somit das Requiem auch zu einem Trauergesang für die Opfer des Holocaust.

Die Mezzosopranistin Anke Vondung
Mezzosopranistin Anke Vondung Bildrechte: Undine Hess

Am Pult steht beim MDR-Matinéekonzert Chefdirigent Dennis Russell Davies, die Soloparts übernehmen Bariton Michael Nagy und Mezzosopranistin Anke Vondung. Zudem erklingt in diesem Konzert Mendelssohns Sinfonie Nr. 5 D-Dur, die „Reformationssinfonie“, die in dem Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ gipfelt.

Dieses Thema im Programm: Live-Übertragung MDR KLASSIK | 21.11. | 11 Uhr
Wiederholung am Abend: MDR KLASSIK und MDR KULTUR | 19.30 Uhr

Konzerte

Das MDR-Sinfonieorchester im Konzert.
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Die Sängerinnen und Sänger des MDR-Rundfunkchors singen in festlicher Kleidung im Gewandhaus
Bildrechte: MDR/Andreas Lander