Bundeswettbewerb Jugend musiziert 2022 Ensemble "La Sprezzatura" aus Leipzig: Musikmachen mit Leichtigkeit

Übersetzt man "La Sprezzatura" wortwörtlich aus dem Italienischen, steht es für "Verachtung". Die vier Ensemble-Mitglieder Josefa Winterfeld, Nastassja Ristau, Elisabeth Zimmermann und Johann Heller haben sich dennoch ganz bewusst für diesen Namen entschieden. Denn er hat noch eine andere Bedeutung: Die Fähigkeit, auch noch so schwere Dinge mit Leichtigkeit zu nehmen. Mit ihrem Ensemble haben sich die vier aus Leipzig für den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert qualifiziert und haben den 3. Platz belegt . MDR KLASSIK hat sie getroffen.

Aufnahme vor der Musikschule "Johann Sebastian Bach" in Leipzig (18.05.2022) v.l.n.r.: Johann Heller (Fagott/Dulzian), Nastassja Ristau (Cembalo/Blockflöte), Josefa Winterfeld (Blockflöte/Percussion/Gesang), Elisabeth Zimmermann (Blockflöte/Cello)
Die Vorfreude auf den Wettbewerb ist schon groß: Das Ensemble "La Sprezzatura" vor der Musikschule "Johann Sebastian Bach" in Leipzig. Bildrechte: MDR/ Gloria Weimer

Auf der Bühne stehen und das Gefühl von Leichtigkeit vermitteln: Das hatten sich Josefa, Johann, Elisabeth und Nastassja mit ihrem Ensemble "La Sprezzatura" vorgenommen. Und es scheint zu funktionieren, gerade auch mit Blick auf den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert, bei dem sie mit 21 Punkten den 3. Platz belegt haben.

Aufnahme bei einer Probe in der Musikschule "Johann Sebastian Bach" v.l.n.r.: Josefa Winterfeld (Blockflöte), Johann Heller (Fagott)
Auch beim Proben achten die vier auf die richtige Intonation der historischen Instrumente und Blockflöten. Bildrechte: MDR/ Gloria Weimer

Seit Herbst 2021 spielen sie in dieser Formation, wechselnd mit Blockflöte, Cembalo, Cello, Fagott und Dulzian. Leichtigkeit steht auch ihrem Programm gut, das sie sich für ihr Wettbewerbskonzert bei Jugend musiziert überlegt haben: Dort spielen sie etwa Kompositionen von Heinrich Schütz, Cipriano de Rore und Antonio Vivaldi.

In der Alten Musik geht es viel mehr um das Musikmachen an sich, als um die technische Perfektion. Wenn mal was nicht stimmt, dann ist das eben so. Das liegt dann am alten Instrument selbst.

Johann Heller, Fagott und Dulzian

"La Sprezzatura" spielt auch auf historischen Instrumenten

Eine Besonderheit des Ensembles ist in jedem Fall, dass die vier nicht nur Musik aus der Zeit des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks spielen, sondern auch, dass ihre Instrumente zum Teil aus der Zeit stammen. Ein Instrument, auf das sie besonders stolz sind, ist der Dulzian. Eigentlich ist dieser ein Instrument der Renaissance und des Frühbarocks.

Aufnahme von einer Probe in der Musikschule "Johann Sebastian Bach" v.l.n.r.: Nastassja Ristau (Cembalo), Elisabeth Zimmermann (Cello)
Elisabeths Cello ist zwar ein klassisches – der Bogen, mit dem sie spielt stammt allerdings aus der Barockzeit. Bildrechte: MDR/ Gloria Weimer

Bei "La Sprezzatura" kommt er aber auch bei Mittelaltermusik zum Einsatz. Historisch gesehen also nicht ganz korrekt. Ihn bei Jugend musiziert einzusetzen sei aber eine große Chance, meint auch ihre Leiterin Sylvia Hartig. Im Vergleich können nicht viele Ensembles der Alten Musik auf historischen Instrumenten spielen.

Technische Herausforderungen

Historische Instrumente zu spielen bringt insbesondere technische Herausforderungen mit sich. Besonders was die Intonation angeht, erklärt Sylvia Hartig. So gebe es bei den historischen Instrumenten und Blockflöten die Schwierigkeit, den richtigen Ton im richtigen Moment zu treffen. Im gemischten Ensemble, wie "La Sprezzatura" eines ist, gibt es außerdem die Herausforderung, die verschiedenen Klangfarben der Instrumente gut zusammenzuführen.

Gemeinsame Zeit verbindet

Den Weg nach Oldenburg zum Bundeswettbewerb von Jugend musiziert traten die vier zusammen an und übernachteten auch gemeinsam in einer Jugendherberge. Die Freizeit, die sie neben ihren Auftritten hatten, verbrachten sie also auch zusammen. Das sei besonders wichtig, damit die Dynamik im Ensemble erhalten bleibe. Bisher funktioniert die schon sehr gut, sagt Josefa: "Es macht einfach Spaß, es macht Freude. Es ist nicht nur das Musikalische, sondern auch das Menschliche und das ist ja mindestens genauso wichtig."

Aufnahme vor der Musikschule "Johann Sebastian Bach" in Leipzig (18.05.2022) v.l.n.r.: Johann Heller (Fagott/Dulzian), Josefa Winterfeld (Gesang/Percussion/Blockflöte), Sylvia Hartig (Leiterin), Elisabeth Zimmermann (Blockflöte/Cello), Nastassja Ristau (Cembalo/Blockflöte)
Die vier Ensemble-Mitglieder fahren gemeinsam zum Bundeswettbewerb nach Oldenburg. Ihre Leiterin Sylvia Hartig begleitet sie. Bildrechte: MDR / Gloria Weimer

Wir wissen, dass wir Späße machen können und dass wir in den Proben manchmal zu viel reden. Aber im Endeffekt kommt trotzdem ein gutes Ergebnis raus.

Josefa Winterfeld, Gesang, Percussion und Blockflöte

Bundeswettbewerb Jugend musiziert 2022: Zum letzten Mal in dieser Formation

Den Bundeswettbewerb wird "La Sprezzatura" voraussichtlich zum letzten Mal in dieser Formation bestreiten. Josefa und Johann machen gerade ihr Abitur. Sie werden das Ensemble also über kurz oder lang verlassen. Dass Musik aber auch in Zukunft eine Rolle spielen soll, steht für beide fest. Johann hat sogar schon einen Studienplatz an der Musikhochschule Rostock für Fagott. Dort hat er die Möglichkeit, sich weiterhin mit Alter Musik zu beschäftigen.

Elisabeth und Nastassja planen schon ihren Auftritt für Jugend musiziert im nächsten Jahr: Dann voraussichtlich in der Besetzung mit Cello, Blockflöte und Cembalo.

Der Bundeswettbewerb von Jugend musiziert findet in diesem Jahr in Oldenburg statt und geht noch bis zum 9. Juni. "La Sprezzatura" gibt am Samstag, den 4. Juni ihr Wettbewerbskonzert.

Noch mehr junge Musizierende

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 01. Juni 2022 | 08:40 Uhr

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