Konzert am 29. April 2022 MDR-Rundfunkchor holte katalanischen Nachtgesang nach

Ursprünglich im Februar sollte der 56. Nachtgesang mit Vokalmusik aus dem Nordosten Spaniens erklingen. Wegen steigender Inzidenzen fand das Konzert in der Peterskirche jedoch ohne Besucherinnen und Besucher als reine Radioübertragung statt. Nun holte der MDR-Rundfunkchor das Livekonzert nach und lud am 29. April in die Peterskirche ein. Am Pult stand wie bei der Aufzeichnung der Katalane Josep Vila i Casañas, der auch eigene Werke dirigierte.

50. Nachtgesang 145 min
Der MDR-Rundfunkchor lädt wieder zum Nachtgesang in die Peterskirche Bildrechte: MDR/Andreas Lander
145 min

Freuen Sie sich auf ein außergewöhnliches Programm mit zeitgenössischer Chormusik aus Spanien. Der MDR Rundfunkchor wird geleitet von dem Katalanen Josep Vila i Casañas, von dem auch eigene Werke erklingen.

MDR KLASSIK Fr 11.02.2022 18:00Uhr 144:47 min

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Zum 56. Nachtgesang hat der katalanischen Chordirigenten Josep Vila i Casañas, der am Pult des MDR-Rundfunkchors zu Gast war, Werke aus der Heimat mitgebracht. Mit den Sängerinnen und Sängern studierte er Werke von Komponisten aus Katalonien ein, für deren Schaffen er sich einsetzt.

Zu den jüngeren dieser Tonschöpfer gehört Bernat Vivancos, der sein "Le cri des bergers" als "Lied der Einsamkeit" bezeichnete: als "verlorenes Lied, das in jedem von uns mitschwingt". Wer es singt, verwandelt "Magie in Klang und Klang in Schönheit" (Vivancos).

Der Dirigent Josep Vila i Casañas
Bildrechte: Lluís Brunet

Auch Casañas selbst hat viele wirkungsvolle Stücke für gemischten A-cappella-Chor geschrieben – etwa die Shakespeare-Vertonung "Devouring Time", die Eric Ericson, einem der bedeutendsten Chorleiter des 20. Jahrhunderts, gewidmet ist. Klanggewaltig gibt sich auch die Missa "Sanctus – Benedictus": ein rund halbstündiges Werk in fünf Sätzen für doppelten A-cappella-Chor und Solo-Quartett, das verhalten und in sich gekehrt verhallt.

MDR KLASSIK im Gespräch mit Dirigent Josep Vila i Casañas und Sängerin Alba Vilar Juanola

Der katalanische Komponist und Dirigent Josep Vila i Casañas arbeitete zum ersten Mal mit dem MDR-Rundfunkchor zusammen. Die Empfehlung kam von Alba Vilar Juanola, Sopranistin des Ensembles – sie stammt aus Katalonien. MDR KLASSIK traf beide vor dem MDR-Nachtgesang zum Gespräch:

MDR KLASSIK Gespräch mit dem Dirigenten Josep Vila i Casanas 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KLASSIK: Katalanische Chorgesänge und Komponisten sind hier in Deutschland doch eher selten: Was bedeutet es für Sie, die katalanische Kultur und Musik in die Welt zutragen und in Leipzig aufzuführen?

Josep Vila i Casañas: Ich sehe das wie einen Schritt in Richtung Normalität. Es ist ziemlich hart und war zeitweise auch ein bisschen frustrierend, dass die Pyrenäen lange Zeit eine solch starke Barriere für die vokale Kultur waren. Aus Katalonien haben wir immer schon viel in den Norden geschaut. Auf der anderen Seite hatten wir gleichzeitig große Schwierigkeiten, in eben diesem Norden präsent zu sein. Ich denke, dass das der Anfang dafür sein könnte, dass andere Musik Richtung Deutschland und anderer Länder reist. Und natürlich, warum nicht, auch andere Chorleiter.

Wie ist diese Zusammenarbeit mit dem MDR-Rundfunkchor entstanden?

Alba Vilar-Juanola, Sopranistin im MDR-Rundfunkchor
Hat in Deutschland für Dirigent Josep Vila i Casañas geworben: Chormitglied Alba Vilar Juanola. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Alba Vilar Juanola: Es hat sich so ergeben. Ein gemeinsamer Freund von uns war mein Dirigent, als ich im Kinderchor gesungen habe damals und jetzt ist er Chordirigent und hat auch einen Verlag. Als ich ihn mal einen Sommer besucht hatte, hat er zu mir gesagt: Guck mal Alba, das haben wir neu rausgebracht. Das sind zwei Stücke für große Chöre. Dein Chor ist groß und doppelchörig und in der der Komponist Josep Vila i Casañas ist ein wunderbarer Dirigent. Er hat mir gesagt: Nimm die Noten und zeig sie deiner Managerin. Für mich ist das ein tolles Erlebnis. Von Josep Vila i Casañas hatte ich schon viel gehört. Er ist sehr bekannt in Katalonien und Spanien. Dass sich diese Möglichkeit ergeben hat, finde ich wunderbar.

JVC: Für mich ist die Freude dreifach: Zunächst freue ich mich, Alba kennen gelernt zu haben, denn unser gemeinsamer Freund Martí hatte mir viel von ihr erzählt. Der zweite Grund zur Freude ist, dass es für mich das ersten Mal ist, dass ich einen Chor in Deutschland leite und mit einem deutschen Rundfunkchor zusammenarbeite. Es handelt sich natürlich um einen prestigeträchtigen Raum, den wir von außerhalb, aus Spanien, aus Katalonien, sehr bewundern.

Der dritte Grund für meine Freude ist für mich festzustellen, dass etwas, worauf ich mich schon immer gefreut habe, jetzt passiert, nämlich katalanische und spanische noch unbekannte Musik nach Deutschland tragen. Genau das passiert gerad und das ist wirklich sehr wichtig für mich.

AVJ: Für mich kommt noch dazu in diesen zwei Wochen so etwas wie ein Stück Heimat hier zu haben. Es ist ein sehr schönes Gefühl.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hatte der Chor in der katalanischen Gesellschaft früher und welchen heute?

JVC: Bis vor ungefähr 30 Jahren hatte der Chorgesang eine vorwiegend soziale und kulturelle Funktion. In den letzten 30 Jahren kam noch eine pädagogische und bildende Funktion dazu. Der Chorgesang war plötzlich aufgrund des neuen Studienplans in allen Konservatorien und Musikschulen präsent. Daher ist es heute durchaus üblich, dass Musikstudierende im Chor singen, weil dies Teil ihrer Ausbildung geworden ist.

Wie bedeutsam ist es für Sie auch Komponisten aus Katalonien einzusetzen und ihre Werke aufzuführen, vor allem zeitgenössische, katalanische Komponisten?

JVC: Es geht darum, eine Tür nach außen zu öffnen. Aber abgesehen davon, müssen wir auch sagen, dass in der Geschichte der Chormusik in Katalonien und Spanien diese letzten 20 Jahre zweifellos die fruchtbarsten Jahre sind – nicht nur aufgrund der Qualität der vokalen Ensembles – die sich sehr positiv entwickelt hat – sondern weil es eine enorme Zahl und Diversität von Komponisten gibt, die sehr gut schreiben und in kontrastreichen Sprachen schreiben. Das hat es in dieser Form in der Geschichte bis heute noch nie gegeben. Dieses Aufbrausen, also, im Ausland zu zeigen, ist von besonderer Bedeutung. Dies hat es in anderen Ländern bereits gegeben und jetzt passiert es eben bei uns.

Warum sind in Ihrem Programm für den Nachtgesang denn neben katalanischen Komponisten keine katalanischen Texte?

Nachtgesang mit dem MDR RUNDFUNKCHOR in der Leipziger Peterskirche
Bildrechte: MDR/Martin Klindtworth

JVC: Wenn ich zum ersten Mal mit einem Chor arbeite, versuche ich nicht zu viele verschiedene Sprache mitzubringen. Dann ist es vielleicht zu schwer. Ich glaube, jetzt ist es perfekt: Wir singen auf Lateinisch, auf Englisch und auf Spanisch. Das reicht. Wenn es nochmal die Möglichkeit gibt, warum nicht, dann bringe ich sicher etwas auf Katalanisch mit. Aber wenn es zu viele neue Sprache für einen Chor gibt, wird es zu schwer und ich würde gern eine gute Erfahrung mit diesem Chor haben zum ersten Mal.

Ticket bzw. Anmeldung zum Konzert

Aus organisatorischen Gründen ist für den Zutritt zum Nachtgesang ab sofort die Buchung eines festen Sitzplatzes notwendig, die mit einer Anmeldegebühr von 5 Euro verbunden ist.

29Apr 22:00 Uhr

Konzertsaison 2021/2022 - Nachtgesang

Nachtgesang 56

Fr, 29.04.2022 22:00 Uhr

Leipzig, Peterskirche

Konzert

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