Gastspiel am Staatstheater Meiningen Die Oper Kiew spielt Beethovens "Fidelio"

Es ist Beethovens einzige Oper: "Fidelio". Eine Freiheitsoper, die im 18. Jahrhundert in einem spanischen Gefängnis spielt. 1805 war das Stück erstmals in Wien zu sehen. Im Februar 2022 brachte Andrey Maslakov den Stoff in Kiew auf die Bühne. Zwölf Tage darauf begann der russische Angrifsskrieg gegen die Ukraine, sodass es keine weiteren Aufführungen geben konnte. Bis ein Anruf aus Thüringen kam. Am 4. Mai gibt Maslakov mit seiner Inszenierung ein Gastspiel am Staatstheater Meiningen.

Ensemblemitglieder der Kiewer Oper proben am Staatstheater Meiningen Beethovens Fidelio.
Das Ensemble der Kiewer Oper mit Regisseur Andrey Maslakov. Bildrechte: IMAGO/ari

Erstmals, nach mehr als 80 Jahren, wurde am 12. Februar 2022 in Kiew Beethovens Freiheitsoper "Fidelio" aufgeführt. Eine umjubelte Premiere für Regisseur Andrey Maslakov. Obwohl zu der Zeit schon etwas in der Luft lag, die Menschen über eine möglichen Krieg wohl gesprochen, aber nicht daran geglaubt hätten, dass dieser 12 Tage später Realität werden würde.

Maslakov hatte die Geschichte in ein KGB-Gefängnis verlagert, mitten hinein in eine Zeit voller Aggression. In dem Fall die von Stalin. Am Staatstheater Meiningen bringt er den Stoff jetzt als Gastspiel auf die Bühne. Die Idee dafür hatte ein früherer Kollege Maslakovs.

Mit Hilfstransportern nach Thüringen

Sergii Golubnychyi, Dirigent an der Kiewer Oper, probt am Staatstheater Meiningen Beethovens Fidelio.
Sergii Golubnychyi, Dirigent an der Kiewer Oper während einer Probe am Staatstheater Meiningen. Bildrechte: IMAGO/ari

90% der Kulissen aus Kiew wurden nach Thüringen gebracht. Es sei ein Abenteuer gewesen, so Maslakov, unter den Bomben alle Materialien nach Thüringen zu schaffen. Hilfstransporter übernahmen die wertvolle Fracht, nachdem sie ihre Güter in Kiew und Umgebung abgeladen hatten und brachten die Kiewer Beethoven-Kulisse auf Umwegen über die rumänische Grenze nach Meiningen. Nicht nur die Kulisse, auch die Kostüme hat Regisseur Maslakov mitgebracht. Nur eines mussten er und sein Team dann noch schaffen: Die Dialoge auf Deutsch lernen.

Gedanken an die Heimat

Und so proben sie den Klang einer neuen Sprache, der Sprache Beethovens, der ihnen diese Oper geschenkt hat, ein Stoff, der von Freiheit und Mut erzählt, wenn Unrecht herrscht und Demütigungen an der Tagesordnung sind. So wie jetzt.

Andrey Maslakov ist ein wahres Power-Paket und: das muss er auch sein. Immer wieder schauen seine Kiewer Protagonisten und Protagonistinnen, mit denen er nun in Meiningen gastiert, auf ihre Handys. Ein Teil ihrer Gedanken und ihrer Seele ist wohl ständig woanders. Und dennoch fällt auf: Alle agieren mit unendlichem Willen, großer Kraft und einer inneren Überzeugung. Sie wollen mehr als eine gute Performance abgeben. Es ist ein Statement. Auch ein politisches.

Olga Fomichova, Ensemblemitglied der Kiewer Oper, probt mit Andrey Maslakov , Regisseur, am Staatstheater Meiningen Beethovens Fidelio.
Olga Fomichova (links) Ensemblemitglied der Kiewer Oper, probt mit Andrey Maslakov (rechts) in Meiningen. Bildrechte: IMAGO/ari

Verbindung mit Deutschland

Deutsche Bühnen sind Andrey Maslakov vertraut, etliche Jahre hat er in Augsburg studiert und wurde auch an großen Häusern als Bassbariton engagiert, etwa bei den Erfurter Domstufenfestspielen. Ohne diese Erfahrung, viele Freunde, mit denen er in Kontakt ist und ohne die Kooperation mit dem Meininger Staatstheater, würde es dieses Gastspiel jetzt wohl nicht geben.

Gerne hätte er, der die deutsche Kultur und Klassik liebt, die Oper im Beethoven-Jahr 2020 in seiner Heimat schon auf die Bühne gebracht. Pandemiebedingt war das nicht möglich. Dafür sollte es zwei Jahre später klappen. Nach der gefeierten Premiere ist er heute, am 4. Mai mit Beethovens "Fidelio" in Südthüringen zu Gast, später in Heidelberg und vielleicht auch noch in anderen Städten. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 04. Mai 2022 | 09:10 Uhr

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