Alexander Keuk: Orchesterwecker

Der Komponist Alexander Keuk
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Alexander Keuk über seine Komposition

Sie kennen das: Der Wecker klingelt, alle fahren hoch, der Mond verschwindet leuchtgeplagt am Horizont. Die Kinder schreien, der Toast ist verbrannt, aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser, die rechte Socke fehlt. Seit sechs Uhr baggert der Bagger im Vorgarten, der letzte Rest der Zahnpasta entweicht mit leisem Krächzen aus der Tube. Es regnet prasselnd auf den Sims, aber auch die Vögel singen und zwei Tauben sitzen durchnässt und erwartungsvoll, aber mit ödem Blick vor dem leeren Vogelhäuschen. Die Zeitung wird in den Flur geworfen, die Kaffeemaschine röchelt. Menschen eilen durchs Treppenhaus. Oma dreht sich nochmal im knarrenden Bett rum und träumt von besseren Zeiten, fröhliche Menschen haben den ersten Ohrwurm auf den Lippen, der Hund scharrt an der Tür...

Biografie

Alexander Keuk (geb. 1971) ist Komponist und Musikjournalist. Er studierte in Dresden Komposition und schloss das Studium (u. a. bei Wilfried Krätzschmar) 2001 mit dem Konzertexamen ab. Sein Werkkatalog enthält etwa siebzig Kompositionen instrumentaler, vokaler und szenischer Gattungen. Alexander Keuk lebt seit 1993 in Dresden, wo er neben dem Komponieren als Chorsänger und im Kulturmanagement tätig ist. Als Musikjournalist schreibt er für Fachmagazine und seit 1996 für die Kulturredaktion der Dresdner Neuesten Nachrichten. Er war seit 2006 drei Mal Stipendiat der Kulturstiftung Sachsen. Mit der Künstlergruppe DEI FUNK WuK widmet er sich performativer, interdisziplinärer Kunstarbeit – mit der ersten Installation dieser Gruppe gewann er 2019 das Publikumsvoting des Showrooms Dresden 2025 der Kulturhauptstadtbewerbung Dresdens.