Zwei Hände auf den Tasten eines Pianos
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Joseph Haydn Konzert für Klavier und Orchester

Zwei Hände auf den Tasten eines Pianos
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Anders als viele Sinfonien und Streichquartette heben sich viele der etwa dreißig erhaltenen Instrumentalkonzerte Joseph Haydns weniger durch außergewöhnliche Qualität als durch ihre Entstehungsumstände heraus, und ihre Überlieferung ist vielfach lückenhaft oder gar fragwürdig. Obwohl Haydn gelegentlich als Liedbegleiter auftrat und auch als Klavierlehrer tätig war, erreichte er weder auf dem Klavier noch auf einem anderen Instrument eine besondere technische Fertigkeit und stand (anders als Mozart) dem Virtuosentum skeptisch gegenüber. Vor allem aber mangelte seinem Wesen »jener artistisch-brillante Zug, ohne den der echte Virtuose nicht zu denken ist« (Karl Geiringer). Da es Haydn in erster Linie darauf ankam, die motivische Arbeit zu intensivieren und zu verfeinern, strebte er danach, jedes einzelne Instrument dem Gesamtgefüge der Komposition zu integrieren. Daraus erklärt sich, dass die Mehrzahl seiner Konzerte in den fünfziger und frühen sechziger Jahren entstand und er danach mehr und mehr von dieser Gattung abrückte. Allein das Trompetenkonzert und (als Sonderfall) die Sinfonia concertante B-Dur stammen aus den neunziger Jahren. Entstehungsanlass für die meisten Konzerte waren Wünsche von Freunden und Orchestermitgliedern, die ihr Können beweisen wollten. Auch wenn Haydns Konzerte also vorwiegend Gelegenheitswerke sind, lässt sich an ihnen eine wandlungsreiche Entwicklung erkennen, unabhängig davon, ob Blas-, Streich- oder Tasteninstrumente, in fünf Stücken sogar die »Lyra organizzata « – eine Art Drehleier – solistisch eingesetzt sind. Wird bei den frühen Konzerten für Tasteninstrumente neben dem Cembalo auch die Orgel als mögliches Soloinstrument angenommen, deutet der Charakter des späteren Konzertes D-Dur anstelle des Cembalos eher auf ein Hammerklavier.

Dieses 1784 als erstes der Haydnschen Klavierkonzerte im Druck erschienene Opus bildet den Höhepunkt dieser Werkgruppe und ist bis heute das bekannteste Klavierkonzert geblieben. Besonders in seinem aus dem achttaktigen Tuttibeginn entwickelten Mittelsatz dieser auch in der Koloristik des Orchesters überaus reizvollen Komposition wird Haydns kunstvolle thematische Arbeit deutlich. Der gewichtigste Teil des Konzertes ist das Rondofinale mit der Überschrift »all’Ungherese«, die auf Verwendung von Musik der Sinti und Roma in »höfisch stilisierter Form« deutet.

Das Werk im MDR-Konzert

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 13:49 Uhr