Zeitgenössische Darstellung von Joseph Haydn.
Bildrechte: IMAGO

Joseph Haydn Sinfonie C-Dur Hob. 1:97

Zeitgenössische Darstellung von Joseph Haydn.
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»Ich bin Salomon von London und komme, Sie abzuholen...«. Mit diesen Worten, so berichtet Joseph Haydn später seinem Biographen Albert Christoph Dies, begann das wohl größte Abenteuer seines Lebens – die erste Reise nach England. Johann Peter Salomon, als Musikersohn 1745 in Bonn geboren, war zunächst Geiger am preußischen Königshof, ging später nach Paris und ließ sich schließlich 1781 endgültig in London nieder, wo er als Konzertmeister und vor allem als Impresario außerordentlich erfolgreich war. Die Idee, Haydn nach London zu holen, hatte ihn schon geraume Zeit beschäftigt. Sämtliche Einladungen jedoch hatte Haydn bisher abschlägig beantwortet, war er doch seinem Fürsten, Nikolaus I. von Esterhazy, verpflichtet. Als dieser im September 1790 verstarb, machte sich Salomon sofort auf den Weg nach Wien und es gelang ihm tatsächlich, den immerhin 58-jährigen Haydn zu der beschwerlichen und nicht ganz gefahrlosen Reise zu überreden. Wenn Salomon die Begeisterung der Engländer für Haydns Musik zweifellos in den höchsten Tönen geschildert hatte, sollten doch alle Erwartungen Haydns übertroffen werden. So schreibt er am 8. Januar 1791 an die vertraute Wiener Brieffreundin Marianne von Genzinger: »meine anckunft verursachte grosses aufsehen durch die ganze stadt durch 3 Tag wurd ich in allen Zeitungen herumgetragen: jederman ist begierig mich zu kennen, ich muste schon 6 mahl ausspeisen, und könte wenn ich wolte täglich eingeladen seyn allein ich mus erstens auf meine Gesundheit, und 2tens auf meine arbeith sehen.« Vor Beginn der Reise hatte Salomon diese »arbeith« vertraglich bereits genau festgelegt. Neben einer Oper (»L’Orpheo«) wurde von Haydn zu den sechs vereinbarten Konzerten jeweils eine neue Sinfonie erwartet - dabei musste er mit jedem Werk etwaige Konkurrenten und sich selbst stets aufs Neue übertreffen. So waren die Lorbeeren seines Englandaufenthaltes keineswegs leichtverdient. Und Haydn resümiert wiederum in einem Brief an Marianne von Genzinger: »ich schriebe zeit lebens nie in Einen Jahr so viel als im gegenwärtig verflossenen, bin aber auch fast ganz Erschöpft, und mir wird es wohl thun nach meiner nach haußkunft ein wenig ausausrasten zu könen...«.

Von all dieser Mühe oder gar »schlaflosen Nächten«, wie Haydn weiter schreibt, ist in seinen Londoner Kompositionen allerdings nichts zu spüren. Geradezu jugendliche Frische strahlt die C-Dur-Sinfonie aus, die am 3. Mai 1792 erstmals in London aufgeführt wurde. Joseph Haydn hatte auch hier wieder selbst die Leitung der Aufführung übernommen und wurde wie stets vom Publikum enthusiastisch gefeiert. Die Begeisterung der Londoner Konzertbesucher ist durchaus nachzuvollziehen, konnte Haydn doch nach 40 Jahre währendem Komponistendasein auf die Wirkung seiner musikalischen Kunstgriffe ganz und gar vertrauen. So stellt er der Sinfonie eine langsame, fast idyllische Einleitung voran, die nicht nur später wiederkehrende Motive in sich birgt, sondern vor allem den überraschend glanzvollen Beginn des Eingangssatzes besonders wirkungsvoll zur Geltung bringt. Gleich einer Fanfare »mit Pauken und Trompeten« eröffnet das Hauptthema den ersten Satz, der sich in mitreißend-virtuosen Spielfiguren entfaltet. An ländliche Walzerklänge erinnert das Seitenthema, das jedoch immer wieder durch aufblitzende Orchesterschläge unterbrochen wird. Einen Reichtum verschiedenster Klangfarben bringt die Durchführung hervor - neben einem dicht verflochtenen Holzbläsersatz steht fast opernhafte Dramatik; spannungsreiche Kontraste wechseln mit ruhigen Momenten voller Erwartung. Wenn das grandiose Fanfarenthema zum Abschluss des ersten Satzes noch einmal erklingt, möchte man fast bedauern, dass es in unseren Konzertsälen heutzutage nicht mehr üblich ist, seiner Begeisterung unvermittelt Ausdruck zu verleihen. Für Entspannung sorgt der folgende,, langsame Variationssatz, bestimmt von einem immer wiederkehrenden Seufzer-Motiv. Im glanzvollen Kontrast erscheint das Menuett, das, wiederum mit Pauken und Trompeten besetzt, höfische Festlichkeit vermittelt. Die Holzbläser Im Trio hingegen lassen volkstümliche Geselligkeit aufleben - es scheint, als hätte sich Haydn hier ein Stück österreichische Heimat nach England geholt. Als besondere Hommage an seinen Konzertmeister Salomon hat Haydn hier zudem einen kurzen solistischen »Auftritt« der Violine eingebaut. Im Final-Rondo, voller Leichtigkeit und musikalischem Esprit, findet die Sinfonie gleich einem ausgelassenen Ritt ihren temperamentvollen Abschluss. Und uneingeschränkt möchte man Mozarts Worten zustimmen: »Es gibt niemanden, der alles kann – scherzen und erschrecken, erheitern und tiefste Gefühle erregen – und all dies gleichermaßen gut; außer Joseph Haydn.«

Das Werk im MDR-Konzert

Orchesterfoto des MDR-Sinfonieorchesters
Bildrechte: MDR/ Peter Adamik

Konzertsaison 2018/2019 - Gastkonzerte

CORELLI, HAYDN, VIVALDI

Sa, 15.12.2018 20:00 Uhr

Bad Lauchstädt, Kursaal

Konzert

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 08:00 Uhr