Zeitgenössische Darstellung von Joseph Haydn.
Bildrechte: IMAGO

Joseph Haydn Sinfonie Nr. 103 Es-Dur "Mit dem Paukenwirbel"

Zeitgenössische Darstellung von Joseph Haydn.
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»Ich möchte etwas schreiben, das meinem Namen in der Welt dauernde Geltung verschafft«, soll der sechzigjährige Haydn gesagt haben – als ob sein bis zu diesem Zeitpunkt vorliegendes kompositorisches Werk dazu nicht bereits genügt hätte. Schon im Oktober 1784 hatte das »European Magazine and London Review« geschrieben:

Die Universalität von Haydns Genie lässt sich nicht besser beweisen als durch die große Nachfrage nach seinen Werken überall in Europa. Seine Musik ist nicht nur in Mode, sie ist eine Manie; und er erhält ständig Aufträge aus Frankreich, Russland, Holland etc. für seine Kompositionen, die er ausdrücklich für bestimmte Personen oder für in diesen Königreichen ansässige Musikalienhändler schreibt.

European Magazine and London Review

Fast dreißig Jahre hat Haydn auf den Schlössern der Fürsten Esterházy zugebracht, nur durch Reisen nach Wien unterbrochen. Unter diesen Lebensbedingungen hat er oft gelitten, und es wird berichtet, dass Haydn jedes Mal, wenn er nach Eisenstadt zurückkehren musste, fast krank geworden sei. Dennoch entstanden hier in dichter Folge seine Kompositionen, nicht nur für das sechssaitige Baryton, das Lieblingsinstrument des Fürsten Nikolaus, nicht nur Kirchenmusik und Gelegenheitswerke, vielmehr Sinfonien, Konzerte, Kammermusiken und Opern. »Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beifall, ich konnte als Chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt und was ihn schwächt, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen. Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen und so musste ich original werden.«

Hausbackene Musik

Viele Aufführungen Haydnscher Werke hatten den Komponisten weit über seinen Wirkungskreis hinaus bekannt gemacht, und sein internationaler Ruhm war seit dem Ende der sechziger Jahre immer mehr angestiegen. Diese Berühmtheit hat sich im Instrumentalbereich nach seinem Tode rasch eingeengt. Je mehr der stürmische Geist Beethovens von dessen Zeitgenossen Besitz ergriff, umso mehr musste die »Musik des Kapellmeisters von Esterháza«, die beim (unterdessen) aufgeklärten Publikum nun für »hausbacken« galt, zurücktreten.

Deutlich kommt das in einer Kritik Robert Schumanns von 1841 zum Ausdruck:

Das Concert des 28sten Januar war Haydn gewidmet. So Mannigfaltiges das Programm enthielt, so mag doch Manchen der Abend ermüdet haben, und natürlich: denn Haydnsche Musik ist hier immer viel gespielt worden; man kann nichts Neues mehr von ihm erfahren; er ist wie ein gewohnter Hausfreund, der immer gern und achtungsvoll empfangen wird: tieferes Interesse hat er für die Jetztzeit nicht mehr.

Robert Schumann über Haydns Musik

Das romantische Zeitalter hatte das Gespür für die klassische Größe Haydns und seine entscheidende musikgeschichtliche Stellung verloren.

104 Sinfonien aus der Feder Haydns

Als Haydn zu komponieren begann, war Johann Sebastian Bach gerade gestorben, als Händel 1759 starb, schrieb Haydn seine erste Sinfonie. Mit dem Tode dieser beiden ging eine Welt der Musik zu Ende – eine neue war im Entstehen. Sie ganz wesentlich mitbestimmt zu haben, ist das Verdienst Haydns. Sein Werkverzeichnis enthält 104 Sinfonien, gipfelnd in den zwölf »Londoner Sinfonien«, deren letzte er 1795 schrieb.

Pauken und Notenständer
Die Pauken, die ganz hinten im Orchester stehen, spielen eine wesentliche Rolle in Haydns Sinfonie Nr. 103. Bildrechte: IMAGO

Haydns dauernde Verpflichtung für die Esterházys endete mit dem Tod des Fürsten Nikolaus am 28. September 1790. Zwei Tage später entließ dessen Nachfolger Paul Anton das Orchester. Ausgestattet mit einer guten Pension, übersiedelte Haydn nach Wien. Als Johann Peter Salomon, ein aus Deutschland stammender Geiger und Konzertunternehmer, der den Komponisten schon mehrfach nach England eingeladen und seit 1786 in seinen Londoner Konzerten wiederholt Haydnsche Sinfonien und Quartette aufgeführt hatte, in Köln (wo er sich gerade aufhielt) vom Tode des Fürsten erfuhr, reiste er eiligst nach Wien, um mit Haydn eine Konzertreise zu arrangieren. Er begrüßte den Komponisten mit dem bekannten Satz: »Ich bin Salomon aus London und komme Sie abzuholen; morgen werden wir einen Akkord [Vertrag] schließen.« Eine Einigung wurde bald erzielt.

Eingängige Themen, feierliche Einleitungen

Die von Salomon veranstalteten Subskriptionskonzerte bildeten die Glanzpunkte bei beiden Besuchen Haydns in London – dem Aufenthalt 1791/1792 folgte 1794/1795 eine zweite Englandreise. Haydns pragmatisches Geschick zeigt sich in den für London geschriebenen Sinfonien deutlicher als in den anderen Werken dieser Schaffensphase. Er erkannte den englischen Geschmack für eingängige, volksliedhafte Themen, das Interesse an Neuheiten, die Vorliebe für feierliche Einleitungen und den Bedarf an solistischen Aufgaben für die führenden Musiker in Londons bestem Orchester.

Haydn nach Österreich zurück

Haydns zweiter England-Aufenthalt wurde zu einem Triumphzug par excellence und die Einnahmen übertrafen wiederum seine Erwartungen. Nachdem die »Professional Concerts« ihre Tätigkeit eingestellt hatten, gab es auch keine Rivalität mehr. Attribute wie »unerschöpflich«, »wundervoll« oder »göttlich« bestimmten die Rezensionen. Haydn erfreute sich so großer Beliebtheit, dass König Georg III. ihn bat, in England zu bleiben, und die Königin bot ihm eine Suite im Schloss Windsor an. Trotz aller offenkundigen Vorteile entschloss sich Haydn zur Rückkehr nach Österreich.

Paukensolo am Beginn

Die Sinfonie Es-Dur gilt als Haydns bedeutendstes Werk in dieser Gattung. Ihren nicht vom Komponisten stammenden Beinamen »Mit dem Paukenwirbel« erhielt sie nach dem Paukensolo am Beginn der Adagio-Einleitung, deren Unisono-Thema der Fagotte und tiefen Streicher im Allegro con spirito als Gegengewicht zur Heiterkeit des Hauptthemas zweimal wiederkehrt. Das Geheimnis der Wirkung dieser Musik liegt (nach Hans Renner) vielleicht in ihrer schwebenden Tiefe.

Farbenreiche Variationsfolge

Der zweite Satz — Andante più tosto Allegretto – ist eine farbenreiche Variationsfolge über ein ausdrucksvolles Thema, dem eine Fülle überraschender Eigenschaften abgewonnen wird. Die marschartige Ausführung mit Pauken und Trompeten (nach einer »Violinsolo-Variation«) sowie die geheimnisvolle Episode vor dem Schluss zeigen, dass das Thema von seiner Energie nichts eingebüßt hat. Auch das den Rahmen herkömmlicher »höfischer Tanzmusik« sprengende Menuett weist einen nachdenklichen Mittelteil auf, und erst das tänzerische Trio bringt helle, leuchtende Töne. Das Finalrondo schließlich bezeugt nachdrücklich Haydns unerschöpfliche Fantasie und kontrapunktische Meisterschaft.

Das Werk im MDR-Konzert

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Konzertsaison 2018/2019 - Gastkonzerte

Haydn | Mozart

Sa, 25.05.2019 15:00 Uhr

Bad Lauchstädt, Kursaal

Konzert

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 12:34 Uhr